Caravan-Salon 2026: Die Trends
Das hat sich heute geändert. Nicht die Frage ob, sondern die nach welcher Toilette-Art an Bord wird häufig gestellt. Das Gros der Camper setzt weiter auf die bewährten Kassetten-Klos und nutzt im besten Fall biologisch abbaubare Zusätze, die dem Geruch der Fäkalien entgegenwirken, deren Zersetzung hingegen beschleunigen sollen. Zwar bevorzugen viele den Aufenthalt auf Camping- oder Stellplatz, wo es reguläre Sanitäranlagen gibt, doch eine nicht zu unterschätzende Zahl der Wohnmobil-Kapitäne setzt auf Autarkie. Für sie wurden so genannte Trockentoiletten geschaffen, in denen flüssige Hinterlassenschaften getrennt von festen aufgefangen werden und sich so leichter entsorgen lassen. Das klingt schlimmer als es tatsächlich ist, wer allerdings bei manchen Systemen die Feststoffe mit Kokosmehl binden muss, braucht schon ein besonderes Verhältnis zur eigenen Hinterlassenschaft.
Weniger Überwindung dürfte die Nutzung der aus der Schweiz stammenden Entwicklung von Clesana kosten, bei der alles zusammen in einen stabilen Kunststoffbeutel aufgefangen und nach Geschäftsschluss automatisch und sicher eingeschweißt wird. Die Beutel haben in etwa das Format einer kleinen Wärmflasche und werden in einer Schublade im Fuß der Clesana gesammelt. Das funktioniert einwandfrei, erzeugt aber eine Menge Müll, der nach Angaben des Herstellers jedoch über den normalen Hausabfall der thermischen Entsorgung zugeführt werden darf. Die Kosten sind deutlich höher als für eine Chemietoilette, der Clesana-Thron kostet rund 1500 Euro, zusätzlich sind die Folienliner, aus denen die Beutel entstehen, zu bezahlen. Für 80 Toilettengänge sind je nach Artikel 25 bis 30 Euro fällig.
Entwickelt wurde das Clesana-System in der Schweiz, wo es verboten ist, die Exkremente von infizierten Krankenhaus-Patienten in die öffentliche Kanalisation zu leiten. Aber es gibt noch eine weitere Lösung, bei der keine belastende Rückstände anfallen. Sie kommt in Form der Cinderella-Verbrennungstoilette aus Norwegen, wo sie vor allem für die unzählbaren Wochenhäuschen der Norweger entwickelt wurde. Hier werden die Fäkalien mit Hilfe von Kraftstoff oder Gas zu Asche verbrannt, die mühelos und unbedenklich entsorgt werden kann. Die Technik gilt als komfortabel und sicher, allerdings kostet so ein Verbrenner-Klo fürs Reisemobil gut 4000 Euro.
Aber wenden wir uns einem charmanterem Thema zu. Licht ist mittlerweile für viele Camper eine unverzichtbare Möglichkeiten von Inszenierung und Gemütlichkeit geworden. Ob Lichterketten im Wohnraum oder stimmungsvolle Beleuchtung unter der Markise, der Markt hält ein Vielzahl von Lösungen bereit, die der Kundenphantasie kaum Grenzen setzt. Dafür aber wird elektrische Energie gebraucht, die bisher nur bei Landstrom-Anschluss mehr oder weniger unbegrenzt zur Verfügung stand. Ein wahrer Game-Changer war in dieser Hinsicht die Lithium-Batterie, wie sie auch in Elektroautos eingesetzt wird. Die ehemals hohen Preise der Wunder-Akkus haben derweil im Zuge der steigenden Produktionskapazitäten auf den Märkten nachgegeben, manche Hersteller oder Händler bieten diese Batterien für nur wenig mehr Geld an als die früher als Stand der Technik geltenden Blei-Gel-Akkus.
Weitere Vorteile sind die Zyklenfestigkeit für bis zu 6500 Ladevorgänge und das deutlich geringere Gewicht. Lithium-Batterien wiegen nur etwa die Hälfte der schweren Blei-Akkus, für viele Reisemobile ein Segen, der mehr Zuladung für Ausrüstung bringt. Die höhere Kapazität verbraucht außerdem weniger Bauraum. Die Marke Ective stellt einen LiFe-Akku mit 210 Ah im Gehäuse einer klassischen 100-Ah-Batterie (L5/H8) vor. Kostenpunkt: rund 1500 Euro. Sie kann dank identischer Abmessungen und Bodenleisten als 1:1-Ersatz eingebaut werden. Bei Campern auf Ducato-Basis passen gleich zwei LC210 unter den Fahrersitz wodurch bis zu 420 Ah Batteriekapazität zur Verfügung stehen, ohne dass zusätzlicher Stauraum beansprucht wird.
Geladen werden die Lithium-Akkus während der Fahrt oder über Solarmodule. Mehr als zwei der Paneele passen jedoch zumindest bei ausgebauten Kastenwagen nicht aufs Dach, was gerade bei bewölktem Himmel die Ladedauer verlängert. Auch hier werden Lösungen auf dem Caravan-Salon gezeigt. Die Solarmarkise liefert rund 510 Watt je Meter und ist in Maßen bis zu 4x2 Meter zu haben. Sie besteht aus flexiblen CIG-Solarzellen die direkt in das Markisentuch integriert werden, sie erzeugen auch bei diffusem Licht zuverlässig Strom. Bei der Anschaffung ist je Meter mit etwa 1000 Euro zu rechnen, das Gewicht einer Maximarkise liegt bei rund 45 Kilogramm.
Propangas war immer schon ein wichtiger Energielieferant beim Campen, er diente zum Kochen, Heizen und ermöglichte den Betrieb von Absorber-Kühlschränken. Zu nennenswerten Unfällen kam es kaum, dennoch möchten immer mehr Camper auf diesen Brennstoff an Bord ihres Reisemobils verzichten. Dieser Trend ist in den vergangenen Jahren immer stärker geworden. Heizung und Therme lassen sich auch mit Diesel aus dem Kraftstofftank betreiben, der Kühlschrank verrichtet seine Aufgabe mit elektrischer Kompressor-Technik weitaus effizienter und bewältigt sie auch jenseits der 30-Grad-Marke. Und Induktionskochfelder funktionieren mit Hilfe von kräftigen Lithium-Akkus und einem Wechselrichter, der die Stromspannung von 12 auf 230 Volt erhöht, zuverlässig. Der Verzicht auf die beiden üblichen Elf-Kilogramm-Gasflaschen (die in Wirklichkeit brutto 24 Kilogramm wiegen), senkt das Fahrzeuggewicht und schafft zusätzlichen Stauraum im ehemaligen Gasflaschenkasten. Der teils umständliche Flaschenwechsel ist damit auch Geschichte.
Immer häufiger nachgefragt: Der Allradantrieb hat sich in den vergangenen Jahren überraschenderweise etabliert. Das Nachsehen hat Stellantis, denn hier wird der 4x4-Kunde bei keiner der Konzernmarken fündig. Dafür profitieren VW, MAN, Ford und vor allem Mercedes. Der Sprinter ist auch wegen der gewachsenen Zahl vergleichsweise günstiger Kastenwagenausbauten etwa von Pössl, Clever oder Adria zur Nummer eins der 4x4-Mobile geworden. Er bietet für rund 10.000 Euro Aufpreis selbst auf tiefem Geläuf optimale Traktion, hat aber auch einige Nachteile. Denn Mercedes verknüpft mit dem Allradantrieb gleich die Höherlegung der Karosserie um zehn Zentimeter. Das ist gut für die Ausbauer beim Thema Garantie, schlecht hingegen für den Treibstoffverbrauch, und vor allem ältere Camper, denen der Kletterakt ins Fahrerhaus einige Anstrengung abverlangt. Die häufig gewählte Ausstattung mit grobstolligen All-Terrain-Reifen erhöht das Abrollgeräusch erheblich, die Haftung des Gummis auf nassem Asphalt schränkt das Blockprofil ebenfalls ein, der Bremsweg wird länger.
Gleichwohl ist in Düsseldorf eine erneut gewachsene Zahl von geländegängigen Reisemobilen zu erwarten. Dazu gehören auch die Neuheiten der Traditionsmarke Tischer, die ihre Pick-up-Wohnkabinen nun auch wieder für den ebenfalls mit Allradantrieb erhältlichen VW-Pritschenwagen anbietet. Und dann wären da noch die echten Expeditionsmobile für Steppe, Wüste oder die skandinavischen Abenteuer-Destinationen für mehrere 100.000 Euro, bei denen sich jedoch immer wieder die Frage stellt: Ist das unter dem Aspekt der persönlichen Sicherheit und vor allem der Umweltschutz-Thematik heute noch vertretbar?
Wie auch immer, die Messe Düsseldorf hat diesen Ausstellungsschwerpunkt vergrößert, in den Hallen 16 und 17 werden geländegängige Reisemobile und Caravans sowie Lösungen für besonders autarkes Reisen in nie zuvor erreichter Vielfalt gebündelt präsentiert. Auch dem anhaltenden Trend zum Dachzelt trägt man Rechnung, in Halle 7a werden unterschiedlichste Entwicklungen gezeigt, alles zu den Themen Ausrüstung und Outdoor ist in Halle 3 zu sehen.
Rund 270.000 Besucher erwartet der Veranstalter vom 28. August bis zum 6. September in den Düsseldorfer Messehallen, 810 Aussteller präsentieren ihre Erzeugnisse. Die Tageskarte für den kostet für Erwachsene am Wochenende 20 Euro, werktags 18 Euro. Schüler, Studenten sowie ADAC-Mitglieder zahlen am Wochenende ermäßigt 18 Euro und werktags 16 Euro. Für Kinder 6 bis 12 Jahre alte Kinder kosten die Tickets einheitlich 6 Euro. Von Montag bis Freitag wird zudem ein Nachmittagsticket für 12 Euro angeboten. (aum)
Veröffentlicht am 24.07.2026
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