2026-07-11 09:46:00 Automobile

Das Logo macht den Unterschied

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Fotos: Stellantis via Autoren-Union Mobilität

Markenlogos wie der Mercedes-Stern, die vier Audi-Ringe oder das sich aufbäumende Ferrari-Pferd sind weit über die Automobilwelt hinaus bekannt. Ihre Bedeutung nimmt weiter zu – auch weil das Design moderner Autos sich zunehmend angleicht.

Welche Marke ist denn das? Diese Frage dürften sich heute – ob auf dem Parkplatz oder in der Ampelschlange – immer mehr Menschen stellen. Denn noch nie sahen sich Autos von völlig unterschiedlichen Herstellern so ähnlich wie heute, und wohl noch nie gab es so viele neue Modelle in so kurzer Zeit. Vor allem Elektroautos folgen denselben aerodynamischen Vorgaben und gleichen sich daher optisch einander an. Dazu kommen Verkaufstrends wie die Nachfrage nach immer neuen SUV-Varianten, was die Unterschiede zwischen den Marken und Modellen weiter verschwimmen lässt. Das einzige, verlässliche Differenzierungsmerkmal ist daher oft: das Logo.

Und wohl kaum eine andere Branche brachte so viele ikonische Markenzeichen hervor wie die Autoindustrie: der Peugeot-Löwe, das Ferrari-Pferd, der Lamborghini-Stier, der BMW-Propeller, die Audi-Ringe, der Opel-Blitz oder der Mercedes-Stern. Viele dieser Logos prägen seit Jahrzehnten das Straßenbild und sind in den Köpfen vieler Menschen verankert – weltweit. Viele Automobilunternehmen entdecken das Markenzeichen neu, interpretieren es auf ungewöhnliche Weise und steigern damit die Relevanz des Logos.

Zu den markantesten Auto-Emblemen gehört zweifellos der Mercedes-Stern. Seit die Daimler-Motorengesellschaft Stuttgart-Berlin und die Benz & Cie Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim im Jahr 1926, also vor 100 Jahren, zur Daimler-Benz AG fusionierten, tragen alle Modelle des Unternehmens den dreizackigen Stern. Der war ursprünglich ein Symbol für die Vision der Gründer, Motoren für Fahrzeuge zu Wasser, zu Lande und in der Luft zu bauen. Und auch wenn die Form mehrmals leicht abgewandelt wurde – das ebenso eindeutige wie einprägsame Logo hat sich seit nunmehr einhundert Jahren ins kollektive Gedächtnis gebrannt. Mercedes nutzt diese symbolische Identität geschickt. Ein Beispiel ist der neue Mercedes CLA. Der trägt nicht nur einen enormen Mercedes-Stern an der Frontpartie, sondern links und rechts davon weitere 142 Mercedes-Sterne, die sich sogar beleuchten lassen.

Auch andere Hersteller setzen auf illuminierte Elemente am Fahrzeugbug; BMW etwa beleuchtet die markentypische Doppelniere. Und das blau-weiße Markenemblem verweist mitnichten auf die bayerische Herkunft des Unternehmens, sondern auf die Wurzlen als Flugmotorenhersteller: Es symbolisiert einen Propeller, der sich im blauen Himmel dreht.

Ebenfalls vor 100 Jahren wurde der Maserati-Dreizack eingeführt. Der Tipo 226, mit dem Firmengründer Alfieri Maserati 1926 bei der Targa Florio antrat und gewann, trug als erstes Fahrzeug das Symbol. Bis heute prägt der Dreizack den Markenauftritt von Maserati. Inspiriert ist das Emblem von der Statue des Meeresgottes Neptun, die im gleichnamigen Brunnen steht, der wiederum zu den Wahrzeichen der Stadt Bologna gehört, der Heimat von Maserati. Zum 100-jährigen Jubiläum des Logos wurde in Italien jetzt sogar eine Sonderbriefmarke auf den Markt gebracht.

Hinter vielen Automobil-Logos steckt eine Geschichte. Auf den Autos von Peugeot beispielsweise ist deshalb ein Löwen-Logo zu sehen, weil das Unternehmen zunächst Werkzeuge und Sägeblätter produzierte. Der Löwe sollte vor allem Biss (scharfe Zähne) und Schnelligkeit symbolisieren. Als Peugeot dann im Jahr 1905 in den Automobilbau einstieg, blieb das Tier als Logo erhalten und schmückte nun die Fahrzeuge. Zunächst in prunkvoller, goldener Ausfertigung, später als Kühlerfigur, und schließlich als Abbildung eines stehenden Löwen auf einer Metallplakette.

2021 führte Peugeot die vorerst letzte Evolutionsstufe des Logos ein. Jetzt weist das Markensymbol – ein stilisierter Löwenkopf – starke Ähnlichkeit mit jenem aus den 60er-Jahren auf. Kein Zufall: Denn die Automobilbranche surft mal wieder die Retro-Welle. Auch um die eher technoid-kühlen Elektro-Fahrzeuge emotional aufzuwerten, kamen zuletzt immer wieder Modelle im Retrolook auf den Markt. Auch alte Fahrzeugnamen wurden reaktiviert. Und die Logos sollten da nicht zurückstehen. Die französische Marke Citroën etwa stellte 2022 ebenfalls ein überarbeitetes Logo vor. Es handelt sich um eine Neuinterpretation des allerersten Firmenzeichens, das im Jahr 1919 entstanden war. Damals, hatte sich Firmengründer André Citroën für den sogenannten Doppelwinkel als Markenemblem entschieden. Die beiden Zacken sollen in vereinfachter Form zwei ineinandergreifende Zahnräder darstellen, ein Produkt, mit dem Citroën in den Anfangsjahren erfolgreich war.

Auf eine so lange Historie können die Hersteller, die im Zuge der Elektromobilität den Markt gegenwärtig aufmischen, nicht verweisen. Dennoch versuchen auch die neuen E-Auto-Unternehmen ihre Logos möglichst bedeutungsvoll aufzuladen. Das zeigt sich zum Beispiel am US-Hersteller Tesla. Anders als man zunächst denken könnte, zeigt das Logo der US-Amerikaner kein stilisiertes T, sondern den Querschnitt eines Elektromotors. Die Firma schuf damit nicht nur ein auffälliges Logo – das Emblem unterstrich auch noch Teslas zunächst exklusiven Sonderstatus als reiner Elektroautohersteller.

Auch einige der neuen Fabrikanten aus China versuchen sich daran, Markenlogos mit einer Botschaft zu kreieren. Die chinesisch-schwedische Marke Polestar setzt passend zum Firmennamen auf einen stilisierten Polarstern. Xpeng wiederum schwört auf ein futuristisch designtes X auf seinen Autos. Passend zum Namen der Marke, aber auch als Abkürzung für „Explore“ – das Erforschen der Mobilität von morgen. Viel Mühe gibt sich auch die Elektroauto-Firma Nio. Der Name sei inspiriert vom englischen Ausdruck „A new Day“, behauptet der Hersteller. Das Logo wiederum soll in stilisierter Form Himmel und Erde darstellen – und somit die Leitphilosophie der Firma widerspiegeln. Sie lautet: Der Himmel wird blau. Ganz schön viel Pathos also. Geholfen hat all das Nio bislang jedoch nicht. Denn zumindest in Deutschland und Europa fallen die Verkaufszahlen der Marke bislang katastrophal aus.

Der Ansatz jedoch, ein ebenso klares wie symbolisch aufgeladenes Logo zu kreieren, dürfte genau richtig sein. Denn ein starkes Logo und damit eine deutlich erkennbare Markenidentität gewinnen weiter an Bedeutung. Möglicherweise brauchen neue Marken wie Nio auch einfach noch etwas Zeit, ehe sie in den Köpfen der Menschen abgespeichert sind. Immerhin gibt es den Mercedes-Stern bereits seit einem Jahrhundert, Nio seit zwölf Jahren. (aum)

Veröffentlicht am 11.07.2026

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