2020-12-29 13:43:00 Automobile

Die Elektromobilität startet durch

Im kommenden Jahr werden die Elektromobile ihr Wachstum fortsetzen und einen Anteil von 15 Prozent bei den Neuzulassungen erreichen, was sich in 480.000 E-Autos übersetzt. Der Gesamtmarkt wird, so die Einschätzung von Professor Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, rund 3,3 Millionen Neuzulassungen erreichen.

Das Jahr 2020 war für den deutschen Automobilmarkt nach einer Untersuchung des Instituts für die Elektromobilität in Deutschland ein Wendepunkt. Mit einem „zweistelligen Neuzulassungsanteil“, so Bratzel, „hat die E-Mobilität ihre bisherige Nischenrolle verlassen.“ Rund 360.000 Neuzulassungen bedeuten eine Vervierfachung des Marktanteils, der aktuell bei 12,6 Prozent liegt. Den größten Zuwachs erreichten dabei die Plug-in-Hybride, deren Neuzulassungen um 313 Prozent auf 186.000 Stück nach oben schossen. Die vollelektrischen Modelle erreichten rund 171.000 Einheiten, eine Steigerung gegenüber 2019 von 171 Prozent.

Allerdings sind bei den vollelektrischen Modellen mit Ausnahme von Volkswagen vor allem Importmarken in den oberen Plätzen der Zulassungsstatistiken vertreten. Hinter VW mit 33.000 Modellen folgen Renault mit 25.000 abgesetzten Fahrzeugen sowie Tesla, Smart und Hyundai. Abgeschlagen belegen Audi, BMW, Opel und Kia, die zwischen 7700 und 5300 vollelektrische Modelle absetzen konnten, die hinteren Plätze.

Inzwischen haben die vollelektrischen Modelle ihre Exotenrolle endgültig abgelegt und tragen bei einigen Marken, so die Untersuchung, „überdurchschnittlich zum Gesamtabsatz bei“. Neben den Spezialisten wie Tesla, Smart und Polestar, erreichen die Elektro-Modelle bei Renault mit 23 Prozent und Hyundai mit 13 Prozent einen beachtlichen Anteil an den Gesamtzulassungen. Auch bei Jaguar (12,5 Prozent) und Porsche (11,7 Prozent) zahlen sich die Investitionen in die E-Mobilität aus. Auf der anderen Seite der Statistik liegen die deutschen Premiumhersteller, bei denen der E-Anteil zwischen vier Prozent bei Audi und einem Prozent bei Mercedes-Benz liegt.

Bei den beliebtesten Modellen liegt allein Volkswagen mit dem inzwischen nicht mehr angebotenen e-Golf (16.000 Exemplare) unter den ersten Vier. Das wird sich vermutlich im kommenden Jahr ändern, wenn die vollelektrischen Modelle aus Wolfsburg ein volles Verkaufsjahr erreichen. Der ID 3 verkaufte sich seit September bereits mehr 7300-mal. Spitzenreiter ist noch immer der kleine Renault Zoe mit mehr als 25.000 Zulassungen.

Ein vollkommen anderes Bild zeigt sich bei den Plug-in-Hybriden. Hier kommen die beliebtesten Modelle ausnahmslos von deutschen Herstellern. In dieser Rangliste nimmt der VW Passat die Spitzenstellung ein, gefolgt von den Mercedes-Modellen A-, E- und C-Klasse sowie dem Audi Q5. Diesen Erfolg verdanken die Hersteller vor allem der staatlichen Förderung. Allerdings ist es durchaus fraglich, ob diese Subventionen auch in Zukunft im vollen Umfang fließen werden. „Zwar sind bei den Plug-in Hybriden die deutschen Hersteller mit deutlichem Abstand Markt- und Innovationsführer und profitieren erheblich von den attraktiven Fördergen insbesondere im Flotten- und Dienstwagenbereich. Aufgrund der hohen Diskrepanz zwischen den Normverbräuchen und der Realverbräuchen der PHEVs ist in den nächsten Jahren mit einer Anpassung der Förderkulissen und mit sinkenden Neuzulassungsanteilen zu rechnen“, erläutert Studienleiter Stefan Bratzel.

Im kommenden Jahr werden sich, so die CAM-Studie, die vollelektrischen Fahrzeuge und die Hybridmodelle den Elektromarkt zu jeweils 50 Prozent teilen. Das wird sich in den kommenden Jahren allerdings ändern. Bis zum Jahr 2025 wird der Gesamtanteil elektrifizierter Fahrzeuge auf 27 Prozent der Neuwagenkäufe steigen, wobei die vollelektrischen Modelle bei 65 Prozent liegen werden.

Das hat wiederum Konsequenzen für die Produzenten. „Die Automobilhersteller müssen sich vor allem im deutschen Markt auf einen Paradigmenwechsel der Antriebstechnologien bis zum Jahr 2030 einstellen. Treiber sind dabei vor allem die sich verschärfenden Klimaziele und die sich verändernden Regulationskulissen. Dabei führt an der Elektromobilität kein Weg vorbei. In den 2030er Jahren wird der Verbrennungsmotor zunehmend in eine Nischenrolle gedrängt werden“, blickt Bratzel in die Zukunft der Mobilität. (ampnet/ww)

Veröffentlicht am 29.12.2020

ElektromobilitätStefan Bratzel


 
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