2021-02-05 11:13:00 Automobile

Die Pandemie bringt den ÖPNV ins Schleudern

Corona hat die Busse und Bahnen leergefegt, und die Unternehmen fahren seit dem Ausbruch der Pandemie tiefrote Zahlen ein. Der Rückgang bei den Fahrgästen, so eine Bilanz des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), ging um bis zu 80 Prozent (im März und April des vergangenen Jahres) zurück. Nach den Lockerungen im Sommer stieg die Nachfrage zwar wieder auf rund 80 Prozent, um dann im Herbst und Winter wieder auf weniger als 50 Prozent einzubrechen.

„Jeder Betrieb hätte angesichts dieser Zahlen sein Angebot angepasst“, erklärte VDV-Vorsitzender Ingo Wortmann bei der VDV-Jahrespressekonferenz, „doch unsere Unternehmen haben direkt nach dem Ausbruch der Pandemie beschlossen, Busse und Bahnen unverändert fahren zu lassen.“ Lediglich einige wenige Sonderdienste wie Disco-Busse wurden aus dem Verkehr genommen.

Den finanziellen Schaden beziffert Wortmann mit monatlichen Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe. Das Angebot des ÖPNV wird zurzeit vor allem von Menschen in systemrelevanten Berufen genutzt, die nicht von einem heimischen Arbeitsplatz aus arbeiten können. Die Verlegung von zahlreichen Jobs in das private Umfeld hat allerdings deutlich zum Rückgang der Fahrgastzahlen beigetragen. „Vor der Corona-Pandemie nutzten rund vier bis acht Millionen Menschen die Möglichkeit eines mobilen Arbeitsplatzes. Im Mai und Juni des vergangenen Jahres waren es 14,1 Millionen, von denen 50 Prozent mehr als 20 Stunden von zu Hause aus arbeiteten“, erklärt Wortmann. Auch die stark gewachsene Zahl der Kurzarbeiter hat die Bilanz der Unternehmen verhagelt.

Bis zum Ausbruch der Pandemie war der ÖPNV auf einem guten Weg und verzeichnete von Jahr zu Jahr wachsende Fahrgastzahlen. Zwar sind die Stammkunden treu geblieben und haben ihre Abos nicht gekündigt, doch gleichzeitig entfielen die Erlöse aus Gelegenheitsfahrten, weil es kaum Veranstaltungen gab und viele Menschen sich an die empfohlenen Kontaktbeschränkungen gehalten haben. Als Reaktion auf die Verluste schufen Bund und Länder einen fünf Milliarden Euro umfassenden Rettungsschirm, der, so der VDV, noch „bis etwa bis Ende des ersten Quartals 2021 reichen dürfte.“ Allerdings blickt der Verband wenig optimistisch in die nahe Zukunft. „Wir rechnen damit, dass wir auch im gesamten Jahr 2021 noch nicht wieder die sonst übliche Zahl an Fahrgästen befördern werden. Das heißt, dass wir weiter Verluste einfahren und mit der Politik zeitnah über einen erneuten Rettungsschirm sprechen müssen“, so Wortmann.

Obwohl die Unternehmen mit zahlreichen Maßnahmen versuchen, den Ruf als Infektionsquelle zu entkräften, verstärkt sich der Trend zur individuellen Mobilität. Eine Umfrage der internationalen Unternehmensberatung Cap Gemini ergab, dass 87 Prozent der Verbraucher weltweit ihr eigenes Fahrzeug bevorzugen, um sicher unterwegs zu sein. Zu Beginn der Pandemie im April lag die Zahl noch bei 57 Prozent. Das Auto wird schlicht als Schutz vor der Verbreitung von Infektionen betrachtet. In Deutschland erklärten 82 Prozent der Befragten, „dass ihre Sicherheit und ihr körperliches Wohlbefinden sowie das ihrer Familien am besten durch ein eigenes Fahrzeug gewährleistet ist.“

Dieses Umdenken ist gleichzeitig eine gute Nachricht für die Automobilindustrie, denn der Anteil der Verbraucher, die in den nächsten zwölf Monaten einen Neuwagen kaufen wollen, ist gegenüber dem vergangenen Jahr von 25 Prozent auf nun 39 Prozent gestiegen. Doch dann gibt es auch noch eine schlechte Nachricht. 56 Prozent der potenziellen Kunden haben ihre Wünsche reduziert und bevorzugen daher ein Auto im unteren Preissegment. Für den Report „Shifting Gears and the fast changing Automotive Consumer“ wurden mehr als 11.000 Verbraucher in elf Ländern befragt.

In deutschen Großstädten hat sich Corona als Treiber für den Individualverkehr erwiesen. Eine von den Meinungsforschern aus dem Hause Civey im Auftrag des Autoteile-Preisvergleichsunternehmen Daparto vorgenommenen Befragung nutzt fast jeder dritte (30,1 Prozent) Bewohner von Ballungsräumen sein Auto häufiger als vor der Pandemie. Vor allem Familien setzen zunehmend auf Mama- und Papa-Taxis. Im Vergleich zu kinderlosen Haushalten gaben 20,6 Prozent der Familien an, das Auto jetzt häufiger zu nutzen. (ampnet/ww)

Veröffentlicht am 05.02.2021

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Fotos: Auto-Medienportal.Net/MAN
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