2026-06-29 07:50:00 Automobile

Lucid fährt im Rückwärtsgang

Carzoom.de
Fotos: GCOTY via Autoren-Union Mobilität

Der US-amerikanische Elektro-Pionier Lucid kämpft offensichtlich mit ernsthaften Problemen und reagiert darauf mit drastischen Maßnahmen. So wurde die zweite Schicht im Werk in der Fabrik in Casa Grande im US-Bundesstaat Arizona gestrichen. Rund 18 Prozent der Mitarbeiter wurden entlassen. Das ist die zweite Entlassungswelle nachdem bereits im Februar zwölf Prozent der Mitarbeiter freigestellt wurden. Außerdem wechselte das Unternehmen seine Spitze aus. Neuer CEO ist nun der ehemalige Chef des Schweizer Aufzugskonzerns Schindler, Silvio Napoli. Gleichzeitig wurde die Position des Chief Operating Officers, die bisher Marc Winterhoff innehatte, ersatzlos gestrichen. Auch der Chef-Ingenieur Eric Bach hat das Unternehmen verlassen.

Vor der erste Entlassungswelle im Februar beschäftigte Lucid insgesamt 9000 Angestellte. Mit der aktuellen Sparrunde hofft das Unternehmen , die Kosten um 158 Millionen Dollar (ca. 139 Millionen Euro) im Jahr zu verringern. Die Streichung der zweiten Schicht in Casa Grande erklärte Lucid im besten Marketing-Sprech damit, „die Produktionspläne der vermuteten Nachfrage“ anzupassen. Eine nette Umschreibung der Tatsache, dass das Unternehmen offensichtlich nicht genügend Fahrzeuge verkauft, um die Kapazität der Fabrik vollständig auslasten zu können.
Ursprünglich war geplant, bis zu 300.000 Fahrzeuge pro Jahr produzieren zu können. Davon ist das Unternehmen aktuell weit entfernt.

Wie andere Elektrospezialisten leidet Lucid in den USA unter einer rückläufigen Nachfrage nach E-Mobilen nachdem die staatliche Förderung unter der Trump-Administration gestrichen wurde. Gleichzeitig werden die US-amerikanischen Hersteller nicht mehr durch eine Quotenregelung der Biden-Administration zur Produktion von ElektrofFahrzeugen gedrängt, und die Klimaschutzauflagen für die Automobilindustrie wurden gelockert.

Zudem kämpft die Marke auch mit hausgemachten Problemen. So klagen Kunden über unzuverlässige Software-Einstellungen und ausfallende Bildschirme. Einige Lucid-Piloten berichten auf der Plattform Reddit von plötzlichen beschleunigenden Fahrzeugen und unmotivierten Bremsmanövern. Viele potenzielle Kunden warten zudem offensichtlich auf die angekündigten preiswerteren Modelle, mit denen Lucid gegen Teslas Model Y antreten will, und die weniger als 50.000 Dollar (ca. 44.000 Euro) kosten sollen. Die geplanten Modelle sollen, so die Planungen, bis Ende des Jahres auf den US-amerikanischen Markt und später auch nach Europa kommen. Lucid hatte ursprünglich geplant, in diesem Jahr 25.000 Fahrzeuge herzustellen. Aktuell besteht die Modellpalette aus dem Lucid Air, der in Deutschland von der Jury des German Car oft he Year zum „German Performance Car oft he Year gewählt wurde, und dem neuen SUV Gravity, die beide rund 100.000 Dollar und mehr kosten.

Dass Lucid überhaupt noch auf dem Markt ist, verdankt das Unternehmen seinem Mehrheitsaktionär, dem saudi-arabischen Public Investment Fund, der in den vergangenen Jahren Milliarden in das Unternehmen gepumpt hat. In Saudi-Arabien entsteht außerdem zurzeit eine weitere Produktionsstätte mit einer geplanten Kapazität von 150.000 Modellen pro Jahr. Im vergangenen Jahr schrieb Lucid einen Verlust von drei Milliarden Dollar, so dass das Unternehmen nach Berechnungen von US-amerikanischen Branchenexperten bei jedem ausgelieferten Fahrzeug rund 300.000 Dollar (263.000 Euro) verliert.

In Deutschland bietet Lucid seine Modelle aktuell über so genannte Lucid Studios in den Innenstädten von Frankfurt, München, Hamburg, Frankfurt und Stuttgart an. Den Service übernehmen ausgewählte Partnerbetriebe. Allerdings soll das Vertriebsnetz auf zwölf bis 15 Städte ausgeweitet werden. Im vergangenen Jahr erreichte Lucid in Deutschland insgesamt 183 Zulassungen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es 77. Weltweit wurden im vergangenen Jahr 15.8431 Modelle ausgeliefert. (aum)

Veröffentlicht am 29.06.2026

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