2026-08-30 18:51:00 Automobile

Nirgendwo wird das Auto so gefeiert wie in Kalifornien

Carzoom.de
Fotos: Matthias Knödler via Autoren-Union Mobilität

Eine ganze Woche lang Klassiker? In Kalifornien wird während der “Speed Week” jedes Jahr Mitte August die Schönheit des Autos gefeiert - und zwar mit einer ganzen Phalanx an Veranstaltungen. Dazu gehören auch historische Rennen sowie die “Lemons”-Veranstaltung, mit der die Besitzer von Skurrilitäten die Parade der reichen Kunden und schönen Influencer erden und validieren.

Den Kern bilden allerdings zwei Traditions-Events: “The Quail, A Motorsport Gathering” am Freitag - und der Concours d’Elegance am Pebble Beach, der noch vor Sonnenaufgang am Sonntag beginnt.

Dabei ist der Quail noch exklusiver gehalten. Im Gegensatz zu Pebble Beach mit 15.000 Besuchern kann hier gerade mal ein Drittel teilnehmen. Um Zugang zu erhalten, muss man an einer Online-Verlosung teilnehmen - und nur wessen Name gezogen wird, genießt das Privileg, für 2000 Dollar eine Eintrittskarte erwerben zu dürfen.

Auf dem Quail, dem Gelände eines Golfclubs, werden nicht nur Oldtimer präsentiert, sondern auch moderne Supersportwagen und Restomods. Das Ganze ist als eine große Gartenparty inszeniert, Austern und Champagner inklusive. Vier große Themen werden dieses Jahr bespielt: Das Jubiläum 100 Jahre Route 66; der Lamborghini Diablo; das Erbe der japanischen GTs - und der Ferrari F40. Von letzterem können wir stolze 14 Exemplare zählen.

Viele Hersteller nutzen den Quail für die Debüts neuer Modelle. Ab 9:00 Uhr morgens beginnen im Halbstundentakt die Pressekonferenzen an den jeweiligen Ständen. Dieses Jahr ist BMW Alpina vertreten, um das Design der Luxusmarke mit dem Vision BMW Alpina zum ersten Mal in Nordamerika zu zeigen; als Kontrast fungiert nicht zuletzt der Audi Nuvolari. Auch Firmen wie Bentley, Porsche, Aston Martin, Cadillac, Lamborghini, Koenigsegg, Lexus und Bugatti zeigen sich der sehr zahlungskräftigen Kundschaft, die auf dem Quails stets weit überproportional vertreten ist.

Bei den zahlreichen Restomods gibt es natürlich auch Designs, die nicht unbedingt jeden gefallen müssen, die eher speziell gestaltet sind. Etwa Luminari, wo man in einen Mercedes 190 SL gerade zwanghaft eine Louis-Vuitton-Innenausstattung hineingebaut hat: An den Sitzen sind die spitzen Metallecken der Koffer angebracht.

Bei den vielen gezeigten Hypercars gibt auch innovative Ansätze, zum Beispiel beiCzinger, wo ganze Fahrwerke mit KI entworfen und in 3D gedruckt werden. Und Firmen wie Gunther Werks, Singer und Ruf treiben optisch klassische Porsche 911-Modelle technisch in neue Dimensionen.

Der Samstag wird traditionell dominiert von Probefahrten, Rennsport und Netzwerken; Sonntag steht dann im Zeichen des Concours d’Elegance am Pebble Beach, dem Kieselstrand von Monterey. Wer eine der begehrten Hagerty-Mützen ergattern will, muss sogar schon um 5 Uhr morgens vor Ort sein; als wir gegen 7:30 Uhr eintreffen, hat der Nebel die Küste noch fest in der Hand. Eine beeindruckende Parade vor der Kulisse des Pazifik: Noch ist es möglich, die Fahrzeuge ohne großen Trubel zu genießen und zu fotografieren. Und nebenbei ist es auch eine nicht ganz unbedeutende Edition: Der Concours findet heuer zum 75. Mal statt.

Noch auf der Grünfläche, vor der Pebble Beach Lodge, werden die neuesten Concept Cars und Einzelstücke präsentiert. BMW kann gleich mit zwei eindrucksvollen Concepts aufwarten: Zum ersten Mal in Nordamerika werden M Concept Neue Klasse und BMW Alpina Vision gezeigt. Während der M Concept Neue Klasse sportlich auftritt, setzt der Alpina auf deutlich mehr Eleganz und Luxus.

An der Lodge vorbei geht es auf die eigentliche Concours-Ausstellung. Auch wenn wir schon sehr viele hochrangige Oldtimer bei Veranstaltungen wie der Mille Miglia oder dem Concorso d’Eleganza Villa d‘Este gesehen haben, schafft es Pebble Beach immer wieder, in Staunen zu versetzen.

Vor allem die Klasse „die Geburt des Streamliners“ unterstreicht einmal mehr den ungewöhnlichen Appeal dieses Events: Die zweite Hälfte der 30er-Jahre war unruhig und brachte große Veränderungen im Automobildesign, umgesetzt mit großer Kreativität. Mit ersten Windkanälen und Tropfenform-Design entfernte man sich erstmals von den aufrechten Karosserien, die noch von Kutschen abgeleitet waren. So entstanden Karosserien von außergewöhnlicher Extravaganz und Wildheit.

Gleichzeitig feiert der Concours den italienischen Karossier Vignale, bekannt für elegante, handgefertigte Sonderkarosserien auf Fahrgestellen verschiedener Marken. Die ausgestellten Fahrzeuge aus den 50er-Jahren sind vom Space Age geprägt, mit viel Chrom, auffälligen Panoramadächern und teilweise zentral angeordneten Frontscheinwerfern: Eine Zeit, in der beim Autodesign noch viel Raum für Experimente war. Seit mehr als einem halben Jahrhundert liegen die Namensrechte übrigens bei Ford, zuletzt diente klangvolle Name als Ausstattungslevel profaner Baureihen wie Fiesta, Kuga und S-Max.

Natürlich spielt Ferrari eine große Rolle, hier sogar in Form der größten Sonder-Fahrzeugklasse, und hier sind wohl auch die wertvollsten Oltimer anzusiedeln. Ein 1957 Fiat 642/RN2 Bartoletti Ferrari-Renntransporter fungiert mit einem aufgeladenen 250 Testa Rossa und einem 250 GTO als Höhepunkt. Und auch der kontrovers diskutierte Batteriewagen namens Luce gibt sich ein Stelldichein.

Nicht minder interessant sind Klassen wie Frühe Amerikanische Speedster, Pebble Beach Road Racing oder Automobile von Royal India. Und die Klasse der Japanischen Le-Mans-Rennwagen präsentiert sich als beeindruckende Parade direkt an der Küstenlinie.

Die Aufnahmen sind im Apparat, es strömen immer mehr Gäste an den gepflegten Strand, schließlich bricht sich die Sonne ihre Bahn durch die sich auflösenden Nebelbänke. Zuletzt befinden sich 15.000 Besucher am Strand der Halbinsel. Die Veranstaltung bleibt ihrem Charakter treu: Schöner als hier lässt sich das Automobil wohl nirgendwo feiern. (aum)

Veröffentlicht am 30.08.2026

Oldtimer & HistorieMontereyPebble Beach Concours d'EleganceThe Quail


 
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