2026-08-21 11:57:00 Automobile

Praxistest Kia K4 Sportswagon: Der große Familien-Kombi weckt die Reiselust

Carzoom.de
Fotos: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger

Kia denkt elektrisch, vergisst dabei aber die herkömmlich motorisierten Modelle nicht. Der K4 Kombi 1,6 T-GDI DCT wird als Nachfolger des Ceed von einem flüsterleisem Vierzylinder-Turbobenziner mit 180 PS (132 kW) angetrieben.

Wer an die koreanische Marke Kia denkt, dem fallen gewiss zunächst Elektroautos ein, die sich in der jüngeren Vergangenheit in erheblicher Vielfalt im Modellprogramm der Marke breit gemacht haben. Es sind die Modelle EV2 bis EV9, die alle mit guten Reichweiten und vor allem flinker Ladetauglichkeit glänzen. Aber den konventionellen Verbrenner haben die Koreaner unterdessen nicht aus dem Blick verloren, daher gibt es nun einen Nachfolger des beliebten Ceed, der auf den schlichten Namen K4 hört und als Sportswagon genannter Kombi auf 4,7 Meter Länge ein als üppig empfundenes Raumangebot und erhebliche Transportkapazitäten für Gepäck bietet. 39.890 Euro kostet der K4 Kombi als 1.6 T-GDI DCT in der Ausstattung GT-Line, damit bewegt er sich in etwa auf dem Niveau, das auch bei Opel oder VW in dieser Klasse als Preis aufgerufen wird.

Die Form folgt der Funktion, wird gefordert. Der K4 SW ist an Ausdrucksstärke kaum zu überbieten, die Karosserie ist deutlich länger als die der Limousine und übertrifft diese um rund 30 Zentimeter. Dabei schränken die breiten B- und vor allen die ausufernden C-Säulen den Blick nach hinten und zur Seite erheblich ein. Wie gut, dass es bei Kia mittlerweile als Standard umfangreiche Kamerasysteme gibt, die das Umfeld nicht nur währen der Fahrt nach vorne gründlich unter die Lupe nehmen. Schon beim Abbiegen und der Betätigung des Blinkers blendet die rückwärtige Kamera das Bild der entsprechenden Fahrzeugseite im Zentraldisplay anstelle der Geschwindigkeits- oder Drehzahlanzeige ein. Das schafft den entscheidenden Überblick, schaltet den toten Winkel aus und erhöht die Sicherheit.

Der Innenraum des K4 SW glänzt mit einem formidablem Raumangebot. Die Einrichtung ist gelungen, siedelt allerdings nicht in jeder Ecke auf höchstem Qualitätsniveau. Wenden wir uns lieber dem Räumlichen zu. Und hier kann der K4 SW die volle Punktzahl mitnehmen. Vorne herrscht ausufernde Großzügigkeit und respektvolles Abstandhalten zwischen Fahrer und Beifahrer gehört zum guten Ton. Dass die mit schwarz-weißem Kunstleder bezogenen Sitze eine optimale Passform habe und gegen beißende Kälte oder klebrige Hitze beheizt oder belüftet werden können, wird dankend angenommen.

Die Bedienung der Sitz- und Lenkradheizung sind derweil in die Türverkleidungen über dem Türöffner gewandert, das bringt Ruhe ins Cockpit und erleichtert den Zugriff. Insgesamt gelingt die Bedienung einfach und weitgehend selbsterklärend. Richtig üppig wird es im K4 SW dann im Fond. Zwar ist der Zugang wegen der vergleichsweise hohen Schwellerstufe weniger bequem als etwa im verblichenen Opel Insignia, aber selbst wenn die Rückbank mit drei mittelgroßen Passagieren besetzt ist, kommt kein Unmut auf. Das Trio kann die Beine vernünftig unterbringen, muss kaum Kontakt mit der Rückenlehne des Vordersitzes aufnehmen und auch die nur maßvolle Taillierung des Kia-Kombis schränkt das Angebot an Breite kaum ein.

Mit dem Transportvolumen des Korea-Kombis ist es ähnlich bestellt. Die recht niedrige Ladekante erleichtert das Verstauen des Gepäcks, mit 604 Liter zählt der Kofferraum des K4 Sportwagon zu den größten im Segment. Das Umklappen der Rücksitzlehnen steigert die Laderaumgröße nicht über Gebühr, mehr als 1439 Liter kommen dann nicht unter. Andere in dieser Klasse bieten da größere Volumina. Die Kofferraumklappe öffnet in der GT-Line elektrisch, auf Wunsch gibt es für den Kofferraumboden unter dem Einleger einen Ladebutler, der mit verschieden großen Fächern Ordnung in die Truppe der vorgeschriebenen Hilfsmittel wie Warndreieck oder Verbandskasten bringt. Allerdings muss dann auf Reisen zuerst das Gepäck darüber ausgeladen werden, um an diese heranzukommen. Die Warnwesten sollten hier daher besser nicht untergebracht werden.

Der 1,6-Liter-Benziner ist mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt und wird per Startknopf zum Leben erweckt. Oft sind es allein die Farbspiele im Display, die über die Betriebsbereitschaft der Maschine informieren, so flüsterleise läuft der Vierzylinder im Leerlauf. Ruckfrei und sanft rollt der K4 nach dem einlegen der Fahrstufe los, weist aber mit 180 PS (132 kW) ein erhebliches Stürmer-Potenzial nach. Die Drehmomentspitze von 265 Newtonmeter liegt bei 1500 U/min an, in Verbindung mit der Automatik, die stets die passende Übersetzung bereithält, beherrscht der große Kombi alle Spielarten der automobilen Fortbewegung, vom smarten Cruisen bis zur Kurvenhatz. Wer mit der Gangwahl des Automaten nicht einverstanden ist, kann über Schaltwippen am Lenkrad das Heft selbst in die Hand nehmen. In 8,4 Sekunden gelingt der Sprint von 0 auf 100 km/h, beim Höchsttempo zeigt der Tacho 210 km/h an.

Kia verzichtet anders als die Wettbewerber auf jedwede Elektrifizierung des Antriebsstrang, selbst kleinste elektrische Anschieber, die über Riemen oder im Getriebe Kräfte beisteuern, glänzen durch Absenz. Das macht den K4 SW zwar nicht über Maßen schwer, wirkt aber auch nicht mindernd auf den Treibstoffverbrauch. 1540 Kilogramm wiegt der Kombi unbeladen, aber selbst bei zurückhaltender Gangart verbrauchte er auf unseren Fahrten durchschnittlich 7,6 Liter Super auf 100 Kilometer. Das sind 0,5 Liter mehr, als der WLTP-Wert angibt und erlaubt bei 46 Liter Tankinhalt eine nur mäßige Reichweite von rund 600 Kilometer.

Ausgewogen ist die Fahrwerksabstimmung gelungen. Vor allem auch schlechten Fahrbahnen lernen die Passagier schnell die Vorzüge der komfortablen Federung kennen. Fein definiert sprechen die konventionellen Dämpfer an, es muss eben nicht immer ein adaptives Fahrwerk sein. Die Lenkung ist präzise wenn auch etwas indirekt, die Bremsen arbeiten mit angenehmer Dosierbarkeit. Schnelle Kurven lassen sich auf genauer Linie durchfahren, ohne dass der Kombi übertrieb auf Lastwechsel reagieren würde. Es bleibt stets beim sicheren und sanften Untersteuern.

Die Verarbeitung des neuen Kombis von Kia ist durchaus solide, die Ausstattung umfangreich. Allerdings liegt das auch an der von uns ausprobierten GT-Line-Version, die so ziemlich alles mitbringt, was die Marke als Komfort- oder Sportmerkmale anbietet. Dies führt zu einem eher hohen Einstiegspreis, der einzig durch die Metalliclackierung noch um 790 Euro steigt. Die grundlegend einfache Bedienung und das ausgezeichnete Raumangebot machen den K4 SW zum familientauglichen Reisewagen, der aufgrund der Karosseriemaße seine Stärken weniger in der Stadt als bei der Überlandfahrt auszuspielen vermag, aber auch seinem Chauffeur eine Menge Fahrspaß bereiten kann. (aum/mk)

Technische Daten Kia K4 SW 1,6- T-GDI GT-Line
Länge x Breite x Höhe (m): 4,7 x 1,85 x 1,44
Radstand (m): 2,72
Antrieb: R4-Benziner, 1598 ccm, FWD, 7-Gang-Aut.
Leistung: 180 PS / 132 kW
Drehmoment: 265 Nm bei 1500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,4 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 7,1 Liter
CO2-Emissionen: 161 g/km
Testverbrauch: 7,6 Liter
Leergewicht / Zuladung: min. 1540 kg / max. 440 kg
Kofferraumvolumen: 604 - 1439 Liter
Max. Anhängelast: 1410 kg
Basispreis: 39.890 Euro
Testwagenpreis: 40.680 Euro

Veröffentlicht am 21.08.2026

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