Achtung, Wildwechsel: Warum jetzt höchste Vorsicht auf unseren Straßen gilt
Wenn die Uhren auf Winterzeit umgestellt werden, bricht die Dunkelheit spürbar früher herein. Genau in diesen Stunden der Dämmerung und Nacht sind viele Wildtiere besonders aktiv. Die Folge: Die Fallzahlen von Wildunfällen schnellen im Oktober und November regelmäßig in die Höhe. Wer jetzt auf den Straßen unterwegs ist, muss überall mit plötzlich auftauchenden Tieren rechnen – denn der klassische Wildwechsel beschränkt sich längst nicht mehr nur auf tiefe Wälder und ländliche Regionen.
Auch in Städten und Ballungsräumen, in der Nähe von Parks oder großen Gärten, verirren sich Wildschweine, Füchse und Rehe immer häufiger auf den Asphalt. Für Autofahrer bedeutet das eine immense Gefahr für Leib und Leben – und für den Geldbeutel.
Wie kostspielig die Begegnung mit der Tierwelt sein kann, belegen die aktuellen Zahlen des Gesamtverbandes der Versicherer (GDV). Demnach wurden allein im Jahr 2025 rund 276.000 Wildunfälle mit kaskoversicherten Pkw registriert. Die finanzielle Bilanz ist alarmierend: Die durchschnittlichen Reparaturkosten kletterten auf rund 4.400 Euro je Schadenfall – ein Plus von 300 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt verursachten Wildunfälle im vergangenen Jahr einen Gesamtschaden von mehr als 1,2 Milliarden Euro.
So reduzieren Sie das Risiko
Um gar nicht erst in die Statistik einzugehen, empfiehlt der Automobilclub von Deutschland (AvD) eine vorausschauende und angepasste Fahrweise. Das A und O in den Herbstmonaten ist die Reduzierung des Tempos. Wer auf Landstraßen unterwegs ist, sollte die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht ausreizen. Der AvD rät dazu, nur so schnell zu fahren, dass ein Stopp innerhalb der vom Abblendlicht ausgeleuchteten Strecke jederzeit möglich ist.
Zudem sollten die Straßenränder links und rechts stets aufmerksam im Blick behalten und entsprechende Warnschilder unbedingt ernst genommen werden. Sichten Sie ein Tier am Fahrbahnrand, gilt die Devise: Fuß vom Gas, Geschwindigkeit deutlich verringern und sofort bremsbereit sein. Schon kleine Verhaltensänderungen können in diesen Wochen entscheidend sein, um sicher ans Ziel zu kommen.
Steht plötzlich ein größeres Tier auf der Fahrbahn, heißt es: kontrolliert abbremsen, das Fernlicht sofort ausschalten und hupen. Das Abblenden ist entscheidend, da geblendete Tiere oft wie angewurzelt stehen bleiben. Verzichten Sie unbedingt auf riskante Ausweichmanöver. Das Risiko, die Kontrolle zu verlieren und im Gegenverkehr oder an einem Baum zu landen, ist zu groß.
Lässt sich der Aufprall nicht mehr verhindern, gilt: Lenkrad fest umklammern und eine Vollbremsung in gerader Linie hinlegen. Unterschätzen Sie niemals die Wucht des Aufpralls: Schon bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h verwandelt sich ein 20 Kilogramm schweres Reh durch die Fliehkraft in eine unaufhaltsame 800-Kilo-Masse. Durchschlägt das Tier die Windschutzscheibe, besteht für alle Insassen Lebensgefahr.
Nach dem Crash: Die Checkliste für den Ernstfall
Hat es trotz aller Vorsicht gekracht, müssen Autofahrer besonnen handeln. Zuerst gilt: Fahrzeug am Rand abstellen, Warnblinker an, Warnweste überstreifen und die Unfallstelle absichern. Das Warndreieck gehört auf Landstraßen in gut 100 Metern Entfernung aufgestellt. Bringen Sie sich und alle Mitfahrer danach sofort an einem sicheren Ort in Sicherheit – am besten hinter der Leitplanke.
Bei Verletzten wählen Sie sofort die Notrufnummer 112 und leisten Erste Hilfe. Bleibt es bei einem reinen Blechschaden, reicht die 110. Wichtig zu wissen: Die Polizei muss auch dann alarmiert werden, wenn das verletzte Tier geflüchtet ist, um den Jagdpächter zu verständigen. Merken Sie sich in diesem Fall die Fluchtrichtung.
Vorsicht beim Eigenschutz: Fassen Sie angefahrene Tiere niemals an! Für die spätere Schadensregulierung rät der AvD, Beweisfotos von der Unfallstelle, dem Tier und den Spuren am Auto (wie Haare oder Blut) zu machen. Reinigen Sie den Wagen vorerst nicht und informieren Sie zeitnah Ihre Versicherung. (aum)
Veröffentlicht am 28.10.2026

