Am Auto führt für die große Mehrheit kein Weg vorbei
Bereits 2023 gaben 74 Prozent der Befragten an, dass das Auto für sie unverzichtbar ist, bei der ersten Studie von vier Jahren waren es 76 Prozent. Auf dem Land ist die Bedeutung sogar um sieben Prozentpunkte gestiegen. 2023 hatten noch 84 Prozent der Befragten angegeben, im Alltag nicht auf das Auto verzichten zu können, jetzt sind es 91 Prozent.
„Viele Menschen in Deutschland können ihren Alltag ohne das Auto nicht bewältigen. Das gilt ganz besonders in ländlichen Räumen, in denen mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung lebt. Kein Auto bedeutet für sie: keine Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes, kein Einkauf, kein Besuch beim Arzt oder den Verwandten, kein soziales Engagement“, betont VDA-Präsidentin Hildegard Müller. „Das verdeutlicht: Mobilität – auch die individuelle Mobilität mit dem Auto – bedeutet gesellschaftliche Teilhabe. Sie muss für jeden zugänglich sein.“ Auch deshalb müsse das Auto noch klimafreundlicher, noch nachhaltiger, noch innovativer, noch sicher und noch digitaler werden, meint sie.
Die Studienergebnisse, so Müller, zeigten die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten von Menschen in Städten und ländlichen Räumen in Bezug auf das Thema Mobilität. „Die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten der Menschen müssen politisch und gesellschaftlich berücksichtigt werden und mit Ihnen diskutiert werden. Es gilt, Lösungen für die verschiedenen Lebensräume zu entwickeln. Klar ist: Der Erfolg der Transformation zur klimaneutralen und digitalen Mobilität der Zukunft braucht breiten Rückhalt in der Gesellschaft.“
Auch bei vorhandenen Alternativen entscheiden sich viele Menschen bewusst für den Pkw. Im Vordergrund stehen dabei vor allem Praktikabilität und Schnelligkeit: 64 Prozent – bei Vielfahrern sind es sogar 68 Prozent – empfinden das Auto als die praktischste Lösung. 61 Prozent schätzen die Zeitersparnis, bei Vielfahrern sind es 74 Prozent.
Lediglich 16 Prozent der Bevölkerung sehen Möglichkeiten, ihr Mobilitätsverhalten zu ändern. 71 Prozent halten es dagegen nur für schwer möglich, anders unterwegs zu sein als üblich und ein anderes Verkehrsmittel zu nutzen. Auf dem Land liegt dieser Wert sogar bei 82 Prozent. Und auch in Großstädten teilt eine Mehrheit von 60 Prozent diese Einschätzung.
78 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass man mit keinem anderen Verkehrsmittel so unabhängig und flexibel ist wie mit dem Auto. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) sagt, dass sie ihr derzeitiges Leben ohne Auto nicht oder nur sehr schwer führen könnten. Neben dem Aspekt der Unabhängigkeit spielt auch Geschwindigkeit eine wichtige Rolle: 40 Prozent geben an, dass ihnen bei der eigenen Mobilität vor allem wichtig ist, dass es schnell geht. Passend dazu wünschen sich 42 Prozent eine bessere Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel (z. B. Auto und ÖPNV), um immer die schnellste Verbindung wählen zu können.
Ein weiteres Ergebnis der Allensbach-Untersuchung: Im Nachgang der Pandemie ist die Bedeutung des Fahrrads deutlich zurückgegangen, die des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) hingegen stabil geblieben. 38 Prozent der Befragten geben aktuell an, dass das Fahrrad im Alltag für sie unverzichtbar ist (2023: 49 Prozent, 2021: 49 Prozent) und 40 Prozent sagen das über den ÖPNV (2023: 41 Prozent, 2021: 42 Prozent). Weitere 20 Prozent können in ihrem Alltag nicht auf die Nutzung regionaler oder überregionaler Züge verzichten (2023: 29 Prozent, 2021: 23 Prozent).
Die Ansichten über den Zustand der Verkehrsinfrastruktur sind laut VDA aber „ernüchternd“. Drei von vier Personen (77 Prozent) bewerten den Zustand von Straßen und Brücken in Deutschland als schlecht (56 Prozent) oder sogar sehr schlecht (21 Prozent). Die Zufriedenheit mit dem Straßennetz vor Ort ist seit 2021 deutlich gesunken – besonders stark in Ostdeutschland und im ländlichen Raum. So ist der Anteil der Bevölkerung in Deutschland, der weniger oder gar nicht zufrieden ist, von 21 Prozent im Jahr 2021 auf 37 Prozent (aktuelle Auswertung) gestiegen. Gleichzeitig ging der Anteil derjenigen, die zufrieden oder sehr zufrieden sind, von 77 Prozent auf 61 Prozent zurück. In Ostdeutschland geben aktuell 46 Prozent der Befragten an, weniger oder gar nicht zufrieden zu sein, im Jahr 2023 waren es nur 29 Prozent.
Müller: „Die schlechte Infrastruktur in Deutschland ist ein ernstzunehmendes Problem – für die Bevölkerung ebenso wie für die Unternehmen“, sagt Hildegard Müller. Das Land brauche dringend eine umfassende Infrastruktur-Offensive, um den Standort zu stärken und wirtschaftliches Wachstum zu fördern sowie eine zukunftsfähige Mobilität zu ermöglichen. Die Politik müsse für schnellere Verfahren und effizientere Strukturen im Straßenbau sorgen. Den Haushaltsentwurf 2026 bezeichnet der Verband der Automobilindustrie in diesem Punkt als „völlig unzureichend“. Da müsse dringend nachgesteuert werden.
Während in Großstädten eine Mehrheit zufrieden mit dem ÖPNV ist, herrscht in Dörfern und Kleinstädten das gegenteilige Bild. Während in Deutschland insgesamt 46 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden sind, sind es in Großstädten 62 Prozent. In Dörfern liegt dieser Wert nur bei 29 Prozent. Unzufrieden sind hingegen deutlich mehr als die Hälfte der Bewohner von Dörfern (58 Prozent), in Großstädten ist es fast jeder Dritte (29 Prozent). Müller sieht hier Technologien rund um das autonome und vernetzte Fahren als Chance, die Verkehrsanbindung ländlicher Räume zu verbessern und die Lebensqualität – auch von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen – zu steigern.
Von allen Befragten, die in den nächsten Jahren ein Auto kaufen möchten, planen nur elf Prozent, ein Elektroauto anzuschaffen – ein leichter Rückgang gegenüber 2023 (13 Prozent). Dagegen beabsichtigen 32 Prozent den Kauf eines Benziners und 18 Prozent die Anschaffung eines Diesels. 19 Prozent setzen auf Hybridfahrzeuge, zwei Prozent können sich ein Fahrzeug mit Wasserstoffantrieb vorstellen.
Das allgemeine Potenzial für E-Autos – also der Anteil, der sich grundsätzlich vorstellen kann, in den nächsten Jahren ein Elektroauto zu kaufen – liegt bei 22 Prozent. Diese Zahl ist seit 2021 nahezu unverändert. 60 Prozent lehnen den Kauf eines E-Autos aus verschiedenen Gründen noch ab. Offen zeigen sich vor allem Jüngere (unter 30 Jahren: 27 Prozent) und Personen mit höherem sozioökonomischem Status (33 Prozent).
Zu den Kaufargumenten für ein E-Auto zählen vor allem günstigere Steuern und Versicherungen (35 Prozent), der Beitrag zum Klimaschutz (34 Prozent), gestiegene Reichweiten (34 Prozent), geringere Geräuschentwicklung (32 Prozent), hohe Preise für Benzin und Diesel (32 Prozent) sowie Verbesserungen bei der Ladeinfrastruktur (30 Prozent).
So betrachten rund 22 Prozent das Angebot an öffentlichen Lademöglichkeiten in der näheren Wohnumgebung als sehr gut oder gut – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2023 (14 Prozent) bzw. 2021 (acht Prozent). Dennoch dominiert weiterhin eine eher schlechte Bewertung: 39 Prozent stufen das Angebot als weniger gut, weitere 17 Prozent als gar nicht gut ein. Unter Menschen, die ein E-Auto besitzen, fällt das Urteil jedoch deutlich positiver aus. Fast drei Viertel von ihnen schätzen das Ladeangebot in ihrer Wohnumgebung positiv ein.
Bei Lademöglichkeiten an Autobahnen und Landstraßen sehen 38 Prozent der Befragten klare Defizite, knapp die Hälfte (48 Prozent) kann das Ladeangebot allerdings nicht beurteilen. Der Anteil positiver Bewertungen hat sich im Vergleich zu 2023 von 7 auf 14 Prozent verdoppelt. Im Jahr 2021 lag er noch bei fünf Prozent. Betreffend die Lademöglichkeiten an Orten, an denen man einkauft, sagen in der Gesamtbevölkerung inzwischen 26 Prozent, dass die Situation sehr gut oder gut ist. Demgegenüber waren es im Jahr 2023 nur 18 Prozent, im Jahr 2021 nur neun Prozent. (aum)
Veröffentlicht am 04.09.2025

