Caravaning: Der Handel entdeckt das Zubehörgeschäft neu
27 Prozent der befragten Betriebe spüren durch die gestiegenen Preise hohe finanzielle Belastungen, während das Konsumklima um ebenso viele Punkte gefallen ist. 32 Prozent erkennen bei ihren Kunden den Grund dafür in höheren Preisen für Treibstoff und Energie, 29 Prozent machen die gestiegenen Einkaufspreise für Freizeitfahrzeuge dafür verantwortlich.
Noch schlechter beurteilt der Handel die Lage auf dem Wohnwagenmarkt. Hier zeigen sich nur 26 Prozent der Befragten mehr oder weniger zufrieden, für 39 Prozent ist der Geschäftsverlauf gar nicht in Ordnung. Ein immer größer werdender Teil der Händler erwartet Absatzrückgange in der kommenden Saison. Bürstner hat gerade erst angekündigt, den Bau von Caravans komplett einzustellen.
Viele setzen daher auf mehrere Säulen, um die wirtschaftlichen Turbulenzen und die damit einhergehenden Verunsicherungen der Kundschaft auszugleichen. Klaus Büttner, Geschäftsführer beim Caravaning-Betrieb Frankana, sieht eine große Chance im Zubehörgeschäft. Zwar habe der Onlinehandel von Unternehmen wie Fritz Berger oder Camping Wagner den Absatz in den Zubehörshops der Handelsbetriebe bei manchen Produkten um 50 Prozent reduziert, es gebe aber dennoch viele Möglichkeiten, mit einer Verbindung von Spezialangeboten und den Serviceleistungen der eigenen Werkstatt die Kunden in Kauflaune zu halten. Das gelingt weniger oft bei Haushaltswaren wie Töpfen und Tellern für den Camper aber immer häufiger mit technischen Artikeln.
Nur wenige würden sich etwa online eine Satelliten- oder eine Dachklimaanlage bestellen, um diese dann selbst zu installieren. Auch die Montage einer Hubstützenanlage, die das Wohnmobil auf unebenem Untergrund automatisch nivelliert, überfordert die meisten Hobby-Bastler, bringt zudem bei unsachgemäßer Anbringung erhebliche Sicherheitsrisiken mit sich. Auch Campingmöbel oder spezielle Ausstattungen wie Propangasflaschen aus Aluminium sind vom Kunden erwartete und gerne angenommene Produkte in der Zubehörecke des Caravaning-Händlers. Eine fachkundige Beratung sorgt dabei für Kundenbindung.
Ohne eine funktionierende Werkstatt mit zumutbaren Terminvergaben bleibt wohl kaum ein Kunde Stammgast bei einem Händler. Wartezeiten von mehr als drei Monaten sind angesichts der Reiselust unzumutbar, zumal häufig anstehende TÜV-Untersuchungen berücksichtigt werden müssen. Die meisten Werkstätten sind nach Aussagen der Händler gut beschäftigt, im Durchschnitt waren die Service-Abteilungen zu 95 Prozent ausgelastet, 62 Prozent der Betriebe sprechen sogar von Vollauslastung. Allerdings haben Schludrigkeiten der Hersteller in der Phase der forcierten Produktion 2023 und 2024, mit der sie sich ein ordentliches Stück vom Boom-Kuchen abschneiden wollten, zu vielen Garantie- und Gewährleistungsfällen geführt. Ein Drittel der Werkstattaufträge fallen unter diese Kategorie und lähmen dadurch meist die Abwicklung der herkömmlichen Servicearbeiten.
Ein weiteres Standbein des Caravaning-Handels ist dies Vermietung von Freizeitfahrzeugen. Im bundesdeutschen Durchschnitt unterhält jeder Betrieb eine Flotte von 31 Fahrzeugen, wobei der Anteil der Reisemobile daran deutlich höher ist als der von Caravans. Insgesamt sind 72 Prozent aller Betriebe bei der Vermietung aktiv und schreiben dieser im November 2025 einen Anteil am Gesamtumsatz von 15 Prozent zu. Was das für den Kunden bedeutet? Das Preisniveau wird sich weiter festigen, wenngleich noch nicht alle Lagerwagen wirklich verkauft sind. Daher ist auch in dieser Saison mit attraktiven Angeboten und Rabatten zu rechnen. Denn der Handel muss wieder Lernen, zu verkaufen und nicht, zu verteilen. (aum)
Veröffentlicht am 01.05.2026





