Chery startet mit zwei Marken
Im Jahr 1997 von der Provinzregierung in Wuhu gegründet, hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren zu Chinas größtem Automobilexporteur entwickelt. Inzwischen ist Chery börsennotiert. Der erste internationale Markt war Syrien. Seit dem Produktionsstart entstanden mehr als 15 Millionen Fahrzeuge. Seit einem Jahr ist Chery in Europa unterwegs und begann in Polen, Italien, der Türkei und Spanien mit dem Absatz. Aktuell werden die Fahrzeuge auch in Großbritannien angeboten, wo im vergangenen Monat rund 10.000 Autos ausgeliefert wurden. Insgesamt fanden seit dem Marktstart rund 125.000 Fahrzeuge ihre europäischen Kunden. In der Türkei erreichte das Unternehmen aus dem Stand einen Marktanteil von fünf Prozent, und dort soll auch die zweite europäische Fabrik entstehen. In Barcelona übernahm Chery bereits im vergangenen Jahr die ehemalige Nissan-Produktionsstätte und baut dort aktuell leichte Nutzfahrzeuge unter dem Markennamen Ebro (ein spanischer Fluss). Insgesamt produziert Chery weltweit in 15 Fabriken. Die Zukunft des chinesischen Herstellers ist durchaus europäisch ausgelegt. „Wir wollen in Europa für Europa produzieren und die europäische Lieferkette nutzen“, erklärt ein Chery-Sprecher.
Statt sich wie andere Hersteller direkt auf den anspruchsvollen deutschen Markt zu wagen, wählten die Verantwortlichen in Wuhu den Umweg über süd- und osteuropäische Märkte, doch in den kommenden Wochen werden die ersten Modelle der beiden Konzernmarken Omoda und Jaecoo bei den deutschen Händlern stehen. Aktuell stehen rund 45 Stützpunkte in den Startlöchern. Die beiden Baureihen wurden speziell für die internationalen Märkte entwickelt und im europäischen Entwicklungs- und Forschungszentrum im hessischen Raunheim an die europäischen Erwartungen angepasst.
Zunächst werden zwei Modelle angeboten. Obwohl der Marktstart unmittelbar bevorsteht, sind die genauen Preise noch nicht bekannt. Die Marke Omoda ist mit dem batterieelektrischen Omoda 5 vertreten, einem 4,38 Meter langen vollelektrischen Kompakt-SUV. Das Fahrzeug wird von einem 155 kW starken E-Motor (211 PS) angetrieben und von einem 58,9 kWh starken Akku mit Energie versorgt, der eine Reichweite von 430 Kilometer (nach WLTP) ermöglichen soll. Die Preisliste für beginnt bei mindestens 30.000 Euro. Als weiteres Modell folgt im kommenden Jahr der Plug-in-Hybrid Omoda 7 mit einer kombinierten Leistung von 347 PS (255 kW) und einer versprochenen Reichweite von mehr als 1200 Kilometern. Für den Omoda 7 werden rund 40.000 Euro fällig. Im kommenden Jahr soll die Omoda-Baureihe durch das Topmodell mit der Nummer 9 nach oben abgerundet werden. Die zweite Chery-Marke in Deutschland ist durch den Jaecoo 7 vertreten, ebenfalls ein Plug-in Hybrid. Er wird mindestens 40.000 Euro kosten. Ein Jaecoo 5 als BEV und Hybrid folgt im Laufe des nächsten Jahres.
Als Einstiegsmodell wird frühestens Anfang 2027 der Omoda 4 nach Deutschland kommen. Das in Wuhu erstmals als seriennahe Studie gezeigte kompakte Crossovermodell soll so, Produktmanager Ray Xie, der Chery selbstbewusst als die „global führende Crossover-Marke“ definiert, „weltweit eine junge urbane Kundschaft“ ansprechen. Das Außendesign des spanischen Chery-Chefdesigners Arturo Arino, der unter anderem bereits für Ford gearbeitet hat, orientiert sich an Modellen wie Nissan Juke oder Toyota CH-R. Das Innendesign ist noch nicht endgültig definiert. Allerdings ist die Informationszentrale vor dem Lenkrad als „Starship-Cockpit“ geplant.
Die Modelle kommen mit einer Garantie von sieben Jahren (oder 150.000 Kilometer) für das Fahrzeug, acht Jahre (oder 160.000 Kilometer) für die Batterie und zwölf Jahre gegen Durchrostung zu den Kunden.
Chery hat sich im Laufe der Jahre zu einem Technologiekonzern entwickelt. Ein Flugtaxi gehört ebenso zu den Entwicklungen wie autonomes Fahren nach Level 4. Außerdem wird der Konzern demnächst auch seine eigenen Batterien produzieren. Die Feststoffbatterie ist fest eingeplant und soll bereits im Jahr 2027 eingesetzt werden.
Das Vertriebsnetz in Deutschland soll von den aktuell 45 Stützpunkten im nächsten Jahr auf 100 Händler wachsen. In drei Jahren, so die Planungen, sind Omoda und Jaecoo an 160 Standorten in Deutschland vertreten. Um die Kundschaft schnell mit Ersatzteilen zu versorgen, hat die deutsche Niederlassung in Zusammenarbeit mit der Spedition Kühne und Nagel ein Ersatzteilzentrum in Rheinland-Pfalz aufgebaut, so dass rund 95 Prozent der Teile innerhalb von 24 Stunden an die Servicepartner geliefert werden können. (aum)
Veröffentlicht am 24.10.2025










