Dreier im Doppelpack
Zwar behauptet der Pressetext, die beiden Varianten unterschieden sich “lediglich in Details, die dem jeweiligen Antriebskonzept Rechnung tragen”. Tatsächlich jedoch handelt es sich um unterschiedliche Fahrzeuge, was sich auch in den internen Entwicklungscodes widerspiegelt: Der klassisch angetriebene 3er, der auf der weiterentwickelten CLAR-Plattform steht, hört auf die Bezeichnung G50, während der i3 – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen, 2013 lancierten Kleinwagen – unter dem Label NA0 entwickelt wurde.
Beide Varianten sind mit 477 Zentimetern gleich lang, der 3er ist allerdings mit 1,85 Metern Breite und 146 Zentimetern Höhe etwas schmaler und niedriger als der i3 (187 bzw. 147 Zentimeter). Der Radstand des 3er ist mit 2,86 Metern etwas kürzer als jener des i3 (2,90 Meter). Im Vergleich fällt auf, dass die Fronthaube des Batterieautos deutlich kürzer ist als die des Verbrenners, unter dessen Haube schließlich nicht nur Vierzylinder, sondern auch längs eingebaute Reihen-Sechszylinder Platz finden müssen. Dennoch ist die Sitzhöhe des klassischen 3er größer als beim i3, und auch der Kofferraum fasst mit 450 Litern glatte 30 Liter mehr als im i3, was dieser wiederum mit einem 31 Liter großen vorderen Gepäckraum kompensiert, in dem zumeist das Ladekabel Platz finden dürfte.
Aerodynamisch liegt der i3 mit einem cw-Wert von 0,21 weit vor dem Verbrenner (0,26 bis 0,28), die flächenbündigen Türgriffe sind ein schönes Detail. Übrigens ist ein Glasdach beim 3er Serie, der i3 kommt als Standard mit Stahldach.
Das Interieur profiliert sich bei beiden Modellen mit der im iX3 eingeführten, mittlerweile auch im 7er eingebauten neuen BMW-Armaturentafel, in der relevante Informationen direkt unterhalb der Windschutzscheibe angezeigt werden. Das Infotainment sitzt in einem zentralen Bildschirm, ein optionales Head-up-Display zeigt weitere (oder identische) Informationen oberhalb der Armaturenleiste an, und das Volant ist so tief angeordnet, dass es unter anderem in einer Ausführung mit Vertikalspeichen angeboten werden kann, ohne damit den Blick auf die Instrumente zu verstellen. Wie gut das neue Bedienkonzept ankommt, hat gerade die Auszeichnung für das beste Interior Design und UI/UX bewiesen, mit der das Schwestermodell iX3 von der GCOTY-Jury prämiert wurde.
Das Interieur ist in vier unterschiedlichen Varianten und zahlreichen Farben verfügbar, wobei die Sitze in der Einstiegsvariante Essential mit Econeer-Flachgewebe, in der Ausstattung Contemporary mit Veganza-Kunstleder und im M ebenfalls mit Veganza-Kunstleder und einem Alcantara-Ersatz namens M Perform Tex bezogen sind. Das Top-Interieur namens Individual ist hingegen mit edlem Merino-Echtleder ausgeschlagen.
Unter dem kühl-modern geformten Blech verbergen sich unterschiedliche Fahrwerkskonstruktionen: Der i3 verfügt über eine weiterentwickelte McPherson-Vorderachse, während beim klassischen 3er eine aufwändige Doppelquerlenker-Vorderachse zum Einsatz kommt. Hinten ist bei beiden Modellen eine Fünflenker-Konstruktion verbaut.
Schon zum Marktstart gibt es eine ganze Palette von Motoren: Den Verbrenner gibt es mit 2,0-Liter-Vierzylinder als 318 und als 320 mit 156 PS (115 kW) bzw. 211 PS (155 kW) sowie mit 3,0-Liter-Reihensechszylinder und Allradantrieb als M350 x-Drive mit 426 PS (313 kW). Der i3 kommt jeweils mit Allradantrieb und zwei Elektromotoren als 40 x-Drive mit 374 PS (275 kW) und als 50 x-Drive mit 469 PS (345 kW). Schon jetzt kündigt BMW außerdem einen Plug-in-Hybrid an, und sowohl der klassische 3er als auch der i3 werden in extrem leistungsfähigen M-Versionen auf den Markt kommen.
Alle Verbrenner bringen ihre Kraft über einen achtstufigen Wandlerautomaten auf die Straße, wobei der sechste Gang als direkter Gang ausgelegt ist. Ziel der Konstrukteure war es laut BMW, das Fahrerlebnis von Verbrenner und Elektroantrieb anzugleichen.
Die Verbrenner sind an eine 48-Volt-Hybridisierung gekoppelt und können mit Benzin bis zum Level E20 betrieben werden. Die Durchschnittsverbräuche liegen zwischen 6,5 und 8,2 Litern pro 100 Kilometer. Die WLTP-Reichweite für Elektroautos liegt beim i3 40 bei 710 Kilometern und beim i3 50 bei erstaunlichen 912 Kilometern. Diese Werte lassen sich im normalen Fahrbetrieb wohl kaum erreichen, i3-Nutzer dürfen sich jedoch mit hohen Ladegeschwindigkeiten trösten: Passende Ladesäulen vorausgesetzt. kann der Strom mit bis zu 400 kW in die voluminösen Akkus (82,8 bzw. 108,7 kWh) hineingepresst werden.
Mit seiner modernen Formensprache, seinem neuartigen Bedienkonzept und einer Antriebsvielfalt, die vielen Wünschen entgegenkommt, bringen der neue 3er und der i3 die besten Voraussetzungen mit, um das Segment weiterhin anzuführen. Aber die Konkurrenz schläft nicht: Mercedes-Benz hat gerade eine neue C-Klasse vorgestellt, deutlich stärker als bei BMW zwischen Verbrenner und Batterieauto ausdifferenziert, und auch der Audi A5 bleibt bei den Verbrennern ein attraktives Angebot. (aum)
Veröffentlicht am 30.09.2026
















