Ein Organspendezentrum für Autos
Stellantis nennt den neuen Teil der Mirafiori-Fabrik „Sustainera Circular Hub“, auf Deutsch Zentrum für Kreislaufwirtschaft. Das Zentrum in Turin ist nach Sao Paolo in Brasilien und Casablanca in Marokko das dritte Werk dieser Art. Weitere vergleichbare Zentren sind in Frankreich und Indien geplant. In Mirafiori werden auf 70.000, Quadratmetern seit zwei Jahren Fahrzeuge als Teilespender industriell verwertet. Die hier von den Stellantis-Händlern angelieferten Modellen sind, auch wenn sie es auf den ersten Blick nicht vermuten lassen, eine wertvolle Quelle, um Rohstoffe zu sparen und Industrieabfälle zu verringern.
Auf 70.000 Quadratmetern – darunter 55.000 der ursprünglichen Autofabrik – werden den Fahrzeugen wichtige Teile entnommen, danach aufbereitet und erreichen am Ende die Qualität von Originalteilen. Mit dem Vorteil, dass sie deutlich preiswerter sind als neue Ersatzteile. Unter anderem werden in der Anlage Motoren, Getriebe, Bremsen und Adblue-Tanks auf ein „zweites Leben“ vorbereitet. „Insgesamt“, so Sustainera-Managerin Manuela Crippa, „können wir mehr als 12.000 Teile hier aufbereiten, die mit der Originalqualität und der ursprünglichen Herstellergarantie angeboten werden. Bei der Qualität kennen wir keine Kompromisse.“ Neben den mechanischen Ersatzteilen werden in Mirafiori auch elektronische Elemente sowie Zwölf-Volt-Batterien für ein zweites Leben vorbereitet. Größter Profiteur ist dabei die Umwelt. Nach Stellantis-Angaben werden so bei den Rohstoffen 80 Prozent und bei der CO2-Belastung 40 Prozent eingespart.
Als neue Produkte kamen im vergangenen Jahr LED-Scheinwerfer für Peugeot-Modelle sowie Diesel-Partikelfilter für Peugeot, DS, Citroën und Opel auf den Markt. Auch Federn für den Fiat Ducato und den Jeep Grand Cherokee werden angeboten. Neben den Stellantis-Fahrzeugen werden auch Bremssättel von Modellen der Marken VW, Renault, Ford, BMW, Audi und Mercedes in Mirafiori aufbereitet und erneut in den Kreislauf gebracht. Für Alfa Romeo, Fiat, Lancia und Jeep retten die Mitarbeiter NOX-Sensoren vor der Schrottpresse. Im Vergleich zu den für Neuteile aufgerufenen Tarifen unterbieten die Elektronikteile und Automatikgetriebe um rund 50 Prozent.
In den Hallen werden die angelieferten Fahrzeuge nach einem genauen Plan demontiert. „Wir lösen zuerst die Airbags aus, bevor mit den weiteren Arbeiten beginnen“, beschreibt ein Mitarbeiter die Arbeiten. Außerdem werden die Flüssigkeiten und die Batterien entfernt, und danach werden die mechanischen Teile demontiert, um im nächsten Schritt für ein zweites Leben vorbereitet zu werden.
Neben den Teilen für aktuelle Modelle werden in Turin auch nicht mehr lieferbare Elemente für den weiteren Einsatz aufbereitet. Zum Beispiel ein 1,2-Liter Motor des Opel Corsa, der bei Opel nicht mehr im Lager liegt. Dabei können die Kunden zwischen zwei Qualitäten wählen. Beim von Sustainera neu hergestellten Antrieb liegt der Preis bei 4181,66 Euro. Wird der Motor lediglich repariert und über das Portal B.Parts bestellt, wechseln 1468,89 Euro den Besitzer. Neben dem Vertriebskanal über B.Parts können die neuwertigen Teile inzwischen auch über Ebay bestellt werden. Dabei hat der Kunde ein 14-tägiges Rückgaberecht. Außerdem werden in Mirafiori auch Fahrzeuge von Leasinggesellschaften für den Verkauf aufbereitet.
Besonders beliebt sind diese Teile in Frankreich, wo die Werkstätten ihre Kunden auf diese Alternative hinweisen müssen. Deutschland liegt beim Umsatz deutlich abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Dem größten Anteil nehmen dabei aufbereitete Motoren ein, gefolgt von Getrieben und Adblue-Tanks sowie Turboladern.
Während in einem Teil der Mirafiori-Fabrik die neuen Fiat 500 ihre Laufbahn beginnen, rollen die ausgeweideten Fahrzeuge am Ende auf einem Transporter in Richtung Schrottpresse. (aum)
Veröffentlicht am 04.06.2026














