2026-10-09 08:46:00 Automobile

Fahrbericht Xpeng L03: Chinese mit deutschem Anspruch

Carzoom.de
Fotos: Xpeng via Autoren-Union Mobilität

Markus Schrick, Europa- und Deutschlandchef des chinesischen Herstellers Xpeng, hat einen eigenen Blick auf seine Marke und definiert sie als den „deutschesten Hersteller“ der chinesischen Anbieter in Europa. Angesichts einer fünfprozentigen Beteiligung von Volkswagen an dem vor gerade zwölf Jahren gegründeten Konzern, eine durchaus berechtigte Definition, wobei VW am Ende wahrscheinlich von der Verbindung stärker profitiert als der chinesische Partner. Xpeng ist deutlich mehr als ein weiterer Automobilhersteller auf dem Weltmarkt und versteht sich als Technologiekonzern, der humanoide Roboter ebenso herstellt wie Flugautos und leistungsstarke Chips.

Die Älteren unter uns erinnern sich an die gescheiterten Bemühungen von Daimler-Benz, sich in den 1980er Jahren zu einem „integrierten Technologiekonzern“ zu entwickeln. In Europa ist Xpeng (noch) ausschließlich als Automobilhersteller unterwegs – die Roboter kommen zunächst erst in China auf den Markt -, und mit dem neuen L03 (das Modell hätte übrigens einen weniger kryptischen Namen verdient) erweitert die Marke das Angebot jetzt nach unten. Der elektrische L03 kommt mit zwei Akkugrößen (58,3 kWh und 71,2 kWh) und mit Heck- und Allradantrieb auf den Markt. Die Preisliste beginnt bei 35.600 Euro für den L03 mit Heckantrieb und einem 189 kW (245 PS) starken Antrieb mit einer Reichweite von 444 Kilometern. Die Version Long Range mit einem 71,2 kWh starken Akku kostet mindestens 38.600 Euro und kommt bis zu 520 Kilometer weit. Topmodell ist der L03 mit Allradantrieb und einem 285 kW (388 PS) starken Antrieb und dem 71,2 kWh großen Energiespeicher, was sich in eine Reichweite von 440 Kilometern übersetzt. Die Preisliste beginnt bei 41.600 Euro.

Für die erste Ausfahrt rund um Basel stand die großzügig ausgestattete Variante „Ultra Performance“ (46.600 Euro) bereit. Das Design des 4,65 Meter langen SUV-Coupés stammt von dem ehemaligen Ferrari-Chefdesigner JuanMa López, der sich der in diesem Segment globalen Formensprache angepasst hat. Offensichtlich haben sich die Kreativen weltweit darauf verständigt, Formen zu entwickeln, die auf keinen Fall aus dem selbstauferlegten Rahmen fallen dürfen. Das Ergebnis ist beim L03 ein durchaus elegantes Coupé-Design mit einer flach gezeichneten Silhouette, die auch im Fond trotz des abfallenden Hecks ein großzügiges Raumerlebnis erreicht.

Der Mensch hinter dem Lenkrad blickt auf eine digitale Informationszentrale, die durch den zentralen Bildschirm ergänzt wird. Freunde analoger Bedienhilfen werden enttäuscht feststellen, dass bei Xpeng die Zeiten von klassischen Schaltern endgültig abgelaufen ist. Stattdessen kommt der Sprachassistent ins Spiel, der die Befehle zügig in die Tat umsetzt, und für die Navigation mit Google Maps kombiniert ist. Dennoch wäre der eine oder andere Schalter für die einfachen Dinge wie Spiegeleinstellung, Klimatisierung und mehr eine willkommene Ergänzung zur digitalen Ausrüstung.

Einmal in Fahrt nähert sich der L03 tatsächlich der von Markus Schrick gelieferte Definition des „deutschesten aller Chinesen“. Die Lenkung, bei den Mitbewerbern aus der Volksrepublik immer wieder kritisiert, ist vergleichsweise präzise und zeigte sich auf den kurvenreichen Straßen in den Vogesen und Schwarzwald als angenehmer Partner. Das Fahrwerk – vorne McPherson, hinten eine Fünflenker-Achse - ist deutlich in Richtung Komfort ausgelegt, sodass der L03 als dynamischer Kurvenräuber ausfällt. Das stand auch nicht im Lastenheft. Dafür werden die Unebenheiten der Fahrbahn sauber geschluckt, und höchsten gemeine Querrillen teilen sich an die Insassen im L03 mit.

Für den Spurt zwischendurch kommt die Einstellung Sport ins Spiel, und dann kommen auch Dynamiker auf ihre Kosten. Zwischen 0 und 100 km/h vergehen 4,5 Sekunden, und bei 180 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Als Verbrauch verspricht Xpeng zwischen 15,3 und 18,4 kWh pro 100 Kilometer. Nach der ersten Ausfahrt im Stadtverkehr, über Landstraßen und einem kurzen Auftritt auf der Autobahn meldete der Bordcomputer 15,5 kWh. Dank des niedrigen cw-Werts von 0,228 herrscht im Innenraum angenehme Ruhe, und das feine Audiosystem XOpera liefert über 18 Lautsprecher die Unterhaltung. An der Ladesäule vergehen 20 Minuten, um den Akku von zehn auf 80 Prozent zu laden.

Xpeng bezeichnet den L03 als „AI driven SUV“, also als SUV mit künstlicher Intelligenz, und das zeigt sich in praktischen Situationen, zum Beispiel, wenn sich der Mensch hinter dem Lenkrad in einer Sackgasse festgefahren hat. Dann kennt der L03 den Weg aus der Bredouille und rangiert den SUV wieder zurück. Außerdem kann der L03 natürlich vom Smartphone gesteuert einparken.
Wenig überraschend ist die vollständige Ausstattung. Dazu gehören neben den helfenden Assistenzsystemen, ein Glasdach, Wärmepumpe, zwei Lautsprecher in der Kopfstütze des Fahrers, ein Head-up-Display, belüftete Frontsitze und eine Schublade unter der Rücksitzbank. In das Gepäckabteil passen zwischen 539 und 1131 Liter.

Im kommenden Jahr wird Xpeng dem elektrischen L03 eine Version mit Reichweitenverlängerung zur Seite stellen, und gegen Ende 2027 wird der L02 das Angebot weiter nach unten ausbauen. (aum)

Daten Xpeng L03 Ultra Performance

Länge x Breite x Höhe (m): 4,65 x 1,92 x 1,60
Radstand (m): 2,85
Antrieb: Elektro, AWD
Gesamtleistung: 285 kW / 388 PS
Max. Drehmoment: 451 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 4,5 Sek.
Elektr. Reichweite: 441 km (WLTP)
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 18,4 kWh
Leergewicht / Zuladung: min. 20240 kg / max. 505 kg
Preis: 46.600 Euro

Veröffentlicht am 09.10.2026

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