Hyundais größter schalltote Raum steht in Rüsselsheim
150 Millionen Euro hat der Konzern in das neue Testzentrum investiert, das unter dem offiziellen Namen Hyundai Motor Europe Technical Test Center (HMETC) firmiert. 25.000 Quadratmeter umfasst das Areal, untergebracht wurden mittlerweile Werkstätten, Prüfstände und Klimakammern, daneben der größte schalltote Raum innerhalb der Hyundai-Gruppe. Hier sollen vor allem Abrollgeräusche sowie die immer wichtiger werdenden Entwicklungsbereiche Lärm, Vibration und Rauigkeit untersucht werden.
Der Chef des Testzentrums, Tyrone Johnson, erklärt die Eröffnung der HMTEC-Erweiterung als klares Bekenntnis des Konzerns zur Rhein-Main-Region, das die Bedeutung von Europa in der langfristigen Wachstumsstrategie der Hyundai-Gruppe widerspiegele. Zwar werden die Erkenntnisse der vielfältigen Tests selbstverständlich auch an das koreanische Testzentrum Namyang weitergeleitet, sollen aber vor allem für die Neuentwicklung von Fahrzeugen für Europa genutzt werden. Die neuen Testmöglichkeiten und erweiterten Kapazitäten verkürze die Entwicklungszeit für neue Modelle und senkt dank umfassender Automatisierung auch den Personalaufwand. Dennoch sucht das HMETC ständig neue Mitarbeiter, die Zahl der aktuell in den Studios, Werkstätten und Büros beschäftigten 500 Mitarbeiter soll in den kommenden Monaten deutlich steigen.
Die freut natürlich auch Patrick Burghardt, den Rüsselsheimer Oberbürgermeister, der persönlich bei der Einweihung des HMTEC anwesend war. Zwar ist das Aufkommen an Gewerbesteuer bei einem Unternehmen, das keine Waren herstellt oder verkauft deutlich niedriger als im Handel oder bei industrieller Produktion, was die Aussichten für die leere Kassen der Stadt nicht wirklich verbessert. Dennoch zieht das attraktiv mit kupferfarbener Fassade, einem Dachgarten für Mitarbeiter und arbeitsfreundlichen Innenräumen gestaltete Technik-Zentrum weitere hochqualifizierte Fachkräfte nach Rüsselsheim, oder hält sie zumindest in der Region, wenn sie vom aktuellen Stellenabbau beim für Stellantis arbeitenden Test- und Technik-Dienstleister Segula, der ebenfalls auf dem städtischen Areal siedelt, betroffen sein sollten.
Die Automobilsparte des koreanischen Mischkonzerns mit den Marken Hyundai, Kia und Genesis meint es ernst mit den europäischen Wachstumsambitionen. Seit geraumer Zeit schon werden einige der hier verkauften Baureihen auch in europäischen Ländern hergestellt. Hyundai baut den i30, den Tuscon und den Kona in Tschechien in der Stadt Nosovice, in Izmit im orientalischen Osten der Türkei entstehen der i10 und der i20. Kia lässt die Modelle Ceed und Sportage sowie das Elektroauto EV4 im slowakischen Zilina fertigen.
Die Komplexität moderner Fahrzeuge und die sicherheitsrelevanten Forderungen seitens der EU bescheren den Mitarbeitenden im HMETC trotz der Erweiterung wohl noch viele volle Arbeitstage. Denn zulassungsrelevante Vorschriften wie die akustische Geschwindigkeitswarnung mittels Abgleich von Verkehrszeichenerkennung und tatsächlich gefahrenem Tempo stellt selbst den Experten vor höchst anspruchsvolle Aufgaben. Denn per Zusatzschild ausgewiesene Einschränkungen auf Tage oder Tageszeiten werden bei Limits und oft auch bei deren Aufhebung meist nicht erkannt. So bekennt David Labrosse, langjähriger Produktplaner im HMETC: „Da weiß ich manchmal auch nicht, bin ich jetzt zu schnell oder zu langsam.“ Der Franzose hatte bei seinem vorigen Arbeitgeber, bei Volkswagen in Wolfsburg, für den Polo IV verantwortlich gezeichnet. An den 2001 bis 2009 gebauten Kleinwagen mit seiner weitgehend analogen Technik wird er sich heute gewiss noch gerne erinnern. (aum)
Veröffentlicht am 06.11.2025





