Kleine Schäden, große Kosten
Der Tausch einer Windschutzscheibe hätte früher oft nur wenige hundert Euro gekostet. Bei modernen Fahrzeugen hingegen muss die Kamera für Fernlichtautomatik und Spurhaltesystem mit ausgebaut und später neu kalibriert werden. Die Kosten liegen fast in allen Fällen im vierstelligen Bereich, wobei der VW Golf in der Stichprobe mit über 2400 Euro am teuersten ist. Nur beim MG 4 zahlen Verbraucher unter 1000 Euro für die kompletten Arbeiten inklusive Kalibrierung der Kamera. Unverständlich ist für den ADAC zudem die Differenz beim Suzuki Swace und Toyota Corolla: Obwohl beide Fahrzeuge baugleich sind und in England sogar vom gleichen Band laufen, kostet die Windschutzscheibe beim Suzuki über 200 Euro mehr.
Noch extremer fallen die Kosten beim Parkrempler vorne links aus: In dem fiktiven Beispiel müssen Scheinwerfer und Stoßfänger getauscht werden. Hier ist vor allem die Lichttechnik der große Kostentreiber. Während die Kosten beim Fiat 500 mit knapp 3000 Euro noch einigermaßen im Rahmen sind, schießt der BMW 330e mit fast 8000 Euro Gesamtkosten durch die Decke. Hintergrund ist der dort eingebaute (und inzwischen aus dem Programm genommene) Laser-Scheinwerfer, der rund 3300 Euro netto pro Stück kostet. Zum Vergleich: Ein LED-Scheinwerfer würde eine Ersparnis von etwa 1700 Euro bedeuten.
Auffällig hoch fallen auch die Reparaturkosten beim Volvo XC 60 aus: Trotz vergleichsweise niedriger Kosten für die Lackierarbeiten kommen Kunden hier auf eine Gesamtsumme von knapp 6000 Euro.
Wenig besser sieht die Lage beim simulierten Parkrempler am Fahrzeugheck aus. In dem Beispiel muss der Stoßfänger mitsamt Sensoren getauscht werden, was je nach Hersteller große Preisunterschiede mit sich bringt. Auf den ersten Blick überrascht, dass das Tesla Model Y als günstigster Kandidat aus diesem Szenario hervorgeht. Der Hersteller verzichtet im Fahrzeugheck auf zusätzliche Sensorik und nutzt die Daten der Kamera für die Assistenzsysteme. Dementsprechend werden „nur“ gut 2800 Euro für die Maßnahme fällig.
Abermals stellt sich der VW als teuer heraus, was nicht nur am überdurchschnittlich hohen Arbeitslohn, sondern vor allem an den Sensoren liegt: Für die Reparatur müssen zwei Steuergeräte getauscht werden, die jeweils 674 Euro netto kosten. Das ist aus Sicht des Automobilclubs unnötig teuer, denn in dem simulierten Unfall wurde nur eines der Steuergeräte beschädigt. Dass trotzdem beide getauscht werden müssen, liegt am vorgesehenen Reparaturplan von VW, da sich ein altes und ein neues Gerät scheinbar nicht aufeinander abstimmen lassen.
Ein weiterer Kostentreiber ist in vielen Beispielen, dass Hersteller mögliche Reparaturen an den Stoßfängern verbieten, da diese im Anschluss nachlackiert werden müssten. Das könne aufgrund der unterschiedlich dicken Lackschichten zu einer Fehlfunktion der Sensoren führen, so die Argumentation. Kurios ist nach Meinung des ADAC allerdings, dass die Ersatzteil-Stoßfänger vom Hersteller oft lediglich grundiert geliefert werden und sie ohnehin noch händisch in der jeweiligen Wagenfarbe lackiert werden müssen. Es besteht also der Verdacht, dass hier höhere Kosten entstehen, obwohl sie durch einfache Reparaturen vermeidbar wären.
Dieser Punkt ist eine der Kernforderungen, die der ADAC aus der Markterhebung ableitet: Hersteller können dafür Sorge tragen, dass die montierten Systeme robust, langlebig und vor allem reparaturfreundlich ausgelegt werden. Bei einer beschädigten Scheinwerferabdeckung müsse es beispielsweise möglich sein, allein diese zu tauschen und nicht die komplette Lichteinheit für mehrere tausend Euro. Das ist nicht nur unnötig teuer, sondern auch nicht im Sinne der Nachhaltigkeit. Zudem haben die hohen Reparaturkosten zur Folge, dass auch die Versicherungsbeiträge weiter ansteigen.
Verbrauchern empfiehlt der ADAC, sich nach einem Unfall mehrere Kostenvoranschläge einzuholen und die Preise zu vergleichen. Ein wesentlicher Kostentreiber sind meist die Stundenlöhne, weshalb es sich oft lohnt, bei Freien Werkstätten anzufragen, so der Tip des Automobilclubs. (aum)
Veröffentlicht am 12.02.2026

