Praxistest Fiat 600 Hybrid Sport: Bella Figura mit dynamischer Note
Das Grunddesign des Fiat 600 orientiert sich noch ein wenig am Vorgänger 500 X. In der exklusiven Karosseriefarbe Acid Green sowie mit dem schmalen Greenhouse in kontrastreichem Schwarz und ebenfalls schwarzen Leichtmetallfelgen fällt die Ausführung „Sport“ optisch besonders auf. Das in Schwarz gehaltene Interieur (inklusive Dachhimmel) spiegelt den Ausstattungsnamen ebenfalls wider. Natürlich bestimmt Hartplastik in dieser Preisklasse die Materialauswahl, lediglich die Armauflagen der Türen sind etwas weicher ausgeführt. Das Lenkrad sowie die recht hohen Polsterwangen und Kopfstützen der sportlich angehauchten Sitze sind mit Kunstleder bezogen.
Das Lenkrad mit der ideal platzierten Daumenkuhle liegt markentypisch sehr gut in der Hand. Der leicht knurrige Unterton des Triebwerks verhehlt die Dreizylinderbauweise nicht, bleibt aber akustisch zurückhaltend. Das Ecometer unterstützt den Fahrer visuell mit den drei Bereichen „Charge“, „Eco“ und „Power“. Auffällig ist die für einen Mildhybrid recht starke Rekuperation. Die ersten Meter der Anfahrphase schafft der Hybrid auch rein elektrisch. Und im Charge-Modus wechselt die Geschwindigkeitsanzeige ins Blaue. Gleichwohl kann all das nicht verhindern, dass wir den versprochenen Normverbrauch von 4,8 bis 4,9 Litern auf 100 Kilometer nicht erreichten. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 55 km/h meldete uns der Bordcomputer rund sechs Liter.
Dass vier Tasten den Wählhebel für das unauffällig arbeitende Doppelkupplungsgetriebe ersetzen, erinnert eher an ein Elektroauto, bedarf bei einem Benziner jedoch einiger Gewöhnung und ist ergonomisch in dieser Form nicht die beste Lösung, da sich der Fahrer immer ein wenig vorbeugen muss. Andererseits schafft das Platz für ein riesiges Ablagefach in der Mittelkonsole. Auch das Handschuhfach fällt ziemlich üppig aus. Im Sinne des sportlichen Anspruchs darf der Fiat 600 übrigens auch mittels Schaltpaddles die Gänge manuell wechseln.
Das Fahrwerk ist recht komfortabel abgestimmt, ohne dass die Kurvendynamik darunter leiden würde. Die unmittelbar aus der Mittellage heraus reagierende, geschwindigkeitsabhängige Servolenkung arbeitet hervorragend und wird bei höherem Tempo dem dynamischen Versprechen des Modellnamens gerecht. Das kann vom sehr weichen Bremsgefühl hingegen nicht behauptet werden. Unterm Strich erweist sich der immerhin 145 PS starke Fiat 600 Hybrid aber als durchaus agil zu bewegender Kleinwagen. 8,5 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h und 200 km/h Höchstgeschwindigkeit sind durchaus ein Wort. Neun PS (7 kW) der Gesamtleitung kommen übrigens vom E-Motor.
Die Bedienung von Lüftung, Scheibenheizung und Klimaanlage verteilt sich auf eine Reihe von zehn Tasten. Ebenso viele finden sich auch auf dem Lenkradkranz. Dazu gesellt sich noch ein klassischer Drehregler für das Audiosystem. Die Warnsysteme schlagen akustisch Alarm und sind leider extrem laut. Was beim Kollisionswarner durchaus Sinn macht, wirkt beim Spurverlassenswarner dann doch etwas übertrieben. Es geht aber noch schlimmer: Wird bei laufendem Motor die Fahrertür geöffnet, schlägt der Fiat ebenfalls mit lautem Warnton Alarm.
In den hinteren Türen sticht das Hartplastik etwas deutlicher hervor als vorne. Knie- und Beinfreiheit im Fond gehen einigermaßen in Ordnung, die Kopffreiheit fällt etwas großzügiger aus. Es gibt zwar einen USB-Anschluss, aber keine Ablagen in den Türen, sondern nur Taschen an den Rückenlehnen der Vordersitze. Der Einstieg fällt zudem recht schmal aus. Erst hier wird ein wenig spürbar, dass der 600 fast zehn Zentimeter kürzer ist als der 500X. Immerhin ergibt die geteilt umklappbare Sitzbank in Verbindung mit dem doppelten Kofferraumboden eine nur ganz leicht nach vorne ansteigende Ladefläche mit rund 145 Zentimetern Länge. Viel Platz verschenkt Fiat allerdings in der Reserveradmulde, wo das Reifenpannenset Unterschlupf findet und mehr Platz als nötig beansprucht.
Trotz der recht schmalen Heckscheibe ist die Sicht nach hinten recht gut, während die mächtige C-Säule den Blick schräg nach hinten einschränkt. Aber eine Rückfahrkamera inklusive 360-Grad-Bordview ist ohnehin an Bord.
Die konzeptionelle Ausrichtung des Fiat 600 Sport wünschten wir uns einmal für die ausgestorbene Gattung eines B-Segment-Coupés. Doch in Zeiten der SUV- und Crossover-Allmacht bleibt das leider nur ein Traum. (aum)
Daten Fiat 600 Hybrid
Länge × Breite × Höhe (m): 4,18 × 1,78 × 1,53
Radstand (m): 2,72
Antrieb: 3-Zyl., 1199 ccm, Mildhybrid, FWD, 6-DCT
Systemleistung: 107 kW / 145 PS bei 5500 U/min
Max. Drehmoment: 230 Nm bei 1750 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 8,5 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 4,8–4,9 Liter
CO₂-Emissionen: 109 g/km
Testverbrauch: ca. 6,0 Liter
Leergewicht / Zuladung: 1280 kg / 495 kg
Kofferraumvolumen: 385–1256 Liter
Anhängelast: 1100 kg
Basispreis: 26.990 Euro
Testwagenpreis: 31.990 Euro (Ausführung Sport)
Veröffentlicht am 13.07.2026



















