2026-09-21 11:06:00 Automobile

Praxistest Nissan Micra: Kleiner Stromer mit großem Charakter

Carzoom.de
Fotos: Nissan via Autoren-Union Mobilität

Vergessen Sie den grauen Mäuschen-Look der Vergangenheit! Nissan belebt den legendären Micra als schickes Elektroauto wieder. Die technische Basis teilt sich der Japaner mit dem ebenfalls charmanten Renault 5 E-Tech. Doch optisch geht der Micra mit seinen markanten Rundscheinwerfern und dem futuristischen Heck komplett eigene Wege.

Das Auge fährt mit – und beim neuen Micra schaut man gerne hin. Vorbei sind die Zeiten, in denen der Japaner die graue Maus auf dem Supermarkt-Parkplatz war. Die Designer haben tief in die Nostalgie-Kiste gegriffen und die charakteristischen Kulleraugen der erfolgreichen dritten Generation neu interpretiert. Das Ergebnis ist ein echter Hingucker, der spürbar frischen Wind in die Innenstadt bringt. Unter dem markanten Blechkleid schlägt allerdings ein französisches Herz, denn der Micra nutzt die AmpR-Small-Plattform des Allianz-Partners Renault.

Im Innenraum setzt sich der moderne Eindruck fort. Hinter dem Steuer blickt der Fahrer auf eine gelungene Kombination aus zwei großen Digital-Bildschirmen und genug echten, physischen Tasten für die Klimabedienung. Die Materialauswahl in der mittleren Ausstattungslinie Advance ist gut gelöst: Wo man hinschaut und anfasst, verbergen freundliche Stoffbezüge das ansonsten teilweise verbaute Hartplastik.

Auf den vorderen Sitzen reist es sich absolut langstreckentauglich, während es im Fond konstruktionsbedingt etwas enger zugeht. Erwachsene über 1,80 Meter stoßen hier schnell mit den Knien an die Vordersitze und auch die Luft über den Mitreisenden im Fond kann dünn werden, aber für den Nachwuchs reicht´s allemal. Der Kofferraum bietet mit 326 bis 1.106 Litern ausreichend Stauraum für den Wocheneinkauf, leidet aber unter einer recht hohen Ladekante.

Schlüssel in die Tasche, Startknopf drücken – und nichts hören. Typisch E-Auto rollt der Micra lautlos vom Hof. Für unseren Test steht die Topvariante mit dem 110 kW (150 PS) starken Elektromotor bereit. Was auf dem Papier nach mäßigem Temperament klingt, entpuppt sich in der Praxis als goldrichtige Motorisierung für den urbanen Dschungel. Da das maximale Drehmoment von 245 Newtonmetern ab der ersten Umdrehung anliegt, sprintet der Micra extrem knackig von der Ampel weg. Bei Ampelstarts zieht er manch dickerem Verbrenner-SUV mühelos davon.

Das Fahrwerk glänzt mit einer ausgewogenen Abstimmung: Der Nissan Micra liegt satt auf der Straße und wieselt bei Bedarf extrem agil um enge Kurven. Die angenehm direkte Lenkung vermittelt dabei jederzeit einen guten Fahrbahnkontakt. Selbst auf der Autobahn schwimmt der Elektro-Zwerg bis zur abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h souverän mit. Geht es allerdings über holpriges Kopfsteinpflaster oder derbe Schlaglöcher, macht sich die straffe Federung bemerkbar und reicht die Stöße so manches Mal ungefiltert an die Insassen weiter.

Wie schlägt sich der 52-kWh-Akku im Alltag? Nissan verspricht eine WLTP-Reichweite von gut 416 Kilometern. Im gemischten Testbetrieb mit Autobahn-Etappen, Landstraßen und Stadtverkehr pendelte sich der Verbrauch bei rund 15,5 kWh pro 100 Kilometer ein. Das ergibt eine realistische Reichweite von rund 335 Kilometern, was für ein Stadtauto völlig ausreicht. Wenn der Akku leer ist, wird er am DC-Schnelllader mit maximal 100 kW nachgeladen. Damit schrumpft die Ladezeit von zehn auf 80 Prozent auf gut 30 Minuten.

Kommen wir zu den Preisen. Der Nissan Micra startet in der Basisversion „Engage“ mit kleiner 40-kWh-Batterie und 90 kW (120 PS) bei 27.990 Euro. Die von uns im Praxistest gefahrene Variante „Advance“ mit dem großen 52-kWh-Akku und 110 kW (150 PS) ist ab 32.990 Euro erhältlich. Dafür glänzt die Advance-Linie serienmäßig bereits mit Highlights wie einer effizienten Wärmepumpe, Google-Infotainment inklusive Smartphone-Spiegelung und einer Vielzahl an Assistenzsystemen.

Im direkten Vergleich mit dem Konzernbruder Renault 5 E-Tech wird es allerdings knifflig: Der Franzose ist in der vergleichbaren Techno-Ausstattung bereits schon für 31.290 Euro erhältlich. Damit ist der Japaner rund 1700 Euro teurer, was der Tatsache geschuldet ist, dass Renault erst kürzlich die Preise für den R 5 spürbar gesenkt hat. Mal sehen, ob und in welcher Form Nissan demnächst nachziehen wird. (aum)

Daten Nissan Micra

Länge x Breite x Höhe (m): 3,97 x 1,74 x 1,49
Radstand (m): 2,54
Antrieb: elektr., FWD, 1-Gang-Getriebe
Leistung: 110 kW / 150 PS
Max. Drehmoment: 245 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,0 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 14,7 kWh
Testverbrauch 15,5 kWh
Batteriekapazität: 52 kWh
WLTP-Reichweite: 416 km
Leergewicht / Zuladung: min. 1527 kg / max. 403 kg
Kofferraumvolumen: 326–1106 Liter
Max. Anhängelast: 500 kg
Basispreis: 32.990 Euro

Veröffentlicht am 21.09.2026

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