2026-04-18 10:06:00 Automobile

Praxistest Opel Corsa Electric: Nicht ganz billig, aber stimmig

Carzoom.de
Fotos: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger

Der Corsa von Opel ist erneut der meistverkaufte Kleinwagen in Deutschland. Während sich immer mehr Hersteller aus dieser Klasse zurückgezogen haben, weil mit kleinen Autos angeblich auch nur kleines Geld zu verdienen ist, haben die Rüsselsheimer ihren Bestseller immer wieder erneuert oder aufgewertet, mit der jüngsten Erfrischung gibt es auch einen neuen, leistungsfähigeren Elektroantrieb. Dessen Batterie speichert nun 51 kWh, eine Kilowattstunde mehr als die im weiterhin erhältlichen 1500 Euro billigerem Basis-Elektriker. Dessen Motor liefert 100 kW (136 PS), der kräftigere Stromer bringt es auf 115 kW (156 PS) – und verbraucht weniger.

14,2 bis 14,5 kWh gibt Opel für das stärkere Modell als WLTP-Wert an, der bisherige Corsa Electric verlangt 15,7 bis 16,2 kWh für 100 Kilometer. Die Reichweite steigt damit auf theoretische 429 Kilometer, realistisch kommt die magische Marke jedoch zumindest in Sichtweite, bevor es zum Energietanken geht. An der Schnellladesäule mit 100 kW kommt der Akku in rund 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent seiner Kapazität.

Mit beständigen Wachstum ist der Corsa schon seit geraumer Zeit dem angestammten Längenmaß der Vier-Meter-Klasse entwachsen. Aktuell streckt er sich auf 4,06 Meter, sein Radstand liegt bei 2,54 Metern, was den Fond auch für Erwachsene und den Kofferraum für größeres Gepäcke nutzbar macht. Auf der Rückbank sitzen zwei Erwachsene mit weniger als 1,90 Meter Körpergörße recht kommod, klappt man deren Rückenlehnen um, lassen sich im Transportabteil 1042 Liter statt der 267 Liter bis zur Abdeckung unterbringen. Als Zugfahrzeug taugt der Corsa Electric jedoch wegen der fehlenden Freigabe einer Anhängelast nicht.

Der Innenraum ist fabelhaft möbliert, die Materialien sind sorgsam ausgewählt und zusammengestellt, es herrscht eine sportlich elegante Atmosphäre. Die Sitzbezüge sind mit hellen Ziernähten versehen, am Lenkrad findet sich schnell eine passende und komfortable Position. Ablagen gibt es in großer Zahl und an den richtigen Stellen, die Verarbeitung bietet keinen Anlass für Kritik. Die Bedienung erfolgt weitgehend über den mittleren Touchscreen, immerhin lässt sich die Audiolautstärke mit einem klassischen Drehsteller schnell und zielgenau anpassen und auch der oft besserwisserische Spurassistent kann mit einem nachhaltigen Knopfdruck auf der Mittelkonsole abgeschaltet werden. Zumindest bis zum nächsten Startvorgang, dann ist der aufdringliche Hefler erneut aktiv.

Per Startknopf wird der Antrieb zum Leben erweckt, mit einer Schaltwippe auf dem Mitteltunnel kann die Fahrtrichtung ausgewählt werden. Besonders wenn es eilt, gelingt dies nicht immer treffsicher und statt des Rückwärtsgang bleibt die Anzeige auf „Neutral“ stehen. Erst nach einigen Kilometer Erfahrung gewöhnt man sich an die störrische Wippe. Apropos Wippe: Lenkradpaddles zum Einstellen der Rekuperationsstufe hat der Corsa nicht, hier wird immer mit gleichbleibenden Schleppmoment verzögert. Die Bremsen sprechen dafür angenehm harmonisch an wie auch die Lenkung trotz kräftiger Servounterstützung ein gutes Straßengefühl gibt.

Das sind beste Voraussetzungen für eine Menge Fahrspaß. In flinken 8,1 Sekunden sprintet der elektrische Corsa von 0 auf 100 km/h, trotz seines üppigen Leergewichts von 1544 Kilogramm. Zügiges Einfädeln vom Beschleunigungsstreifen und flott erledigte Überholvorgänge sind schätzenswerte Tugenden des Elektrikers. Auch schwungvoll auf der Landstraße gefahrene Kurven machen Freude, das Fahrverhalten ist tadellos, die Federung nicht zu hart geraten.

So kann Opels Kleinster mit vielen seiner Eigenschaften punkten. Formal ist der nunmehr ausschließlich als Viertürer angebotene Kleinwagen ohnehin gelungen, mit dem Familiengesicht der Rüsselsheimer, dem markentypischen „Vizor“ am Bug, gibt er sich mit klarer Zugehörigkeit zu erkennen. Reichweite und Ladezeiten sind akzeptabel, die Anmutung und hohe Fertigungsqualitäten zeichnen ihn darüber hinaus aus.

Nur beim Preis heißt es Kröten schlucken, denn mit 31.490 Euro ordnet sich schon das Grundmodell deutlich oberhalb des deutlich größeren Frontera Electric ein. Wer Komfort und Assistenz in vollen Zügen genießen möchte, muss die Spitzenversion „Ultimate“ wählen, und dann stehen mindestens 35.685 Euro auf der Rechnung. Immerhin ist dann unter anderem das Matrix-LED-Licht an Bord, ebenso Lederoptik der Sitzbezüge, Navigation, Leichtmetallräder und der zweifarbige Metalliclack. Kann den Luxus Sünde sein? (aum)

Daten Opel Corsa Electric

Länge x Breite x Höhe (m): 4,06 x 1,96 x 1,44
Radstand (m): 2,54
Antrieb: Elektromotor, FWD, Reduktionsgetriebe
Systemleistung: 115 kW / 156 PS
Drehmoment: 260 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,1 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 14,2 – 14,5 kWh
Testverbrauch: 15,8 kWh
WLTP-Reichweite: 429 km
Batteriekapazität: 51 kWh (netto 49 kWh)
Ladeleistung: max. 100 kW
Leergewicht / Zuladung: min. 1544 kg / max. 376 kg
Kofferraumvolumen: 267–1042 Liter
Max. Anhängelast: n.a.
Basispreis: 31.490 Euro
Testwagenpreis: 35.685 Euro

Veröffentlicht am 18.04.2026

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