2025-08-30 09:56:00 Automobile

Rock & Rolls-Royce Phantom

Carzoom.de
Fotos: Auto-Medienportal.Net/Rolls-Royce

2025 feiert der Rolls-Royce Phantom sein hundertjähriges Bestehen. Und unter allen Modellen der britischen Luxusmarke ist das Flaggschiff untrennbar mit einigen der größten und außergewöhnlichen Namen der Musik- und Popkultur verbunden. Von der Goldenen Ära Hollywoods bis zum Aufstieg des Hip-Hop: Wo immer Stars sich neu erfanden oder Musikstile entstanden, war auch dieses Automobil nicht weit – nicht allein als Statussymbol, sondern als Ausdruck für Individualität, Exzentrik und Dekadenz.

Schon die frühen Medien-Ikonen wussten den Phantom für sich zu beanspruchen. Marlene Dietrich, bereits ein Star, als sie 1930 in Hollywood zu Dreharbeiten des Films „Marokko“ ankam, wurde sie im Paramount-Studio mit Blumen beschenkt – und einem grünen Phantom I. Das Auto schaffte es prompt auf Leinwand und Werbetafeln. Ein Reporter der Los Angeles Times schrieb damals: „Man könnte meinen, Paramount habe einen Rolls-Royce engagiert, um der deutschen Diva die Ehre zu erweisen.“

Auch Elvis Presley trug sich ins Geschichtsbuch des Phantom ein. 1963 bestellte der „King“ einen Phantom V in Mitternachtsblau. Das Interieur? Ein Mikrophon, ein Notizblock in der Armlehne, Spiegel und Kleiderbürste – angeblich damit er jederzeit bereit war für einen Auftritt. Doch auch die Hühner seiner Mutter fanden Gefallen am spiegelglatten Lack und pickten so hartnäckig darauf herum, dass er die Karosserie in hellblau neu lackieren musste.

John Lennon wiederum trieb die Verbindung von Popkultur und Phantom auf die Spitze. Zunächst hatte er sich ein schwarzes Exemplar mit Kühlschrank, Cocktailbar und Fernseher gegönnt – fast schon britisch zurückhaltend. 1967, kurz vor Erscheinen des „Sgt. Pepper’s“-Album, ließ er den Wagen in psychedelischen Farben bemalen, mit Ornamenten, astrologischen Symbolen und blumigen Fantasien – ein rollendes Symbol des „Summer of Love“. Lennon selbst kommentierte später trocken: „Es ist mein Auto – und ich wollte, dass es so aussieht wie meine Musik.“ Jahre später erzielte der Wagen auf einer Auktion den Rekordpreis von 2,3 Millionen Dollar – und wurde damit selbst zur wertvollsten Rock’n’Roll-Ikone auf Rädern. Ein zweiter Phantom V, den Lennon 1968 kaufte, war ganz in Weiß gehalten – passend zum White Album – inklusive Plattenspieler, 8-Track, Telefon und Fernseher.

Noch weiter ins Reich der Exzentrik trieb es Liberace. Sein Phantom V war nicht lackiert, sondern mit winzigen Spiegelmosaiken überzogen, sodass er in Las Vegas buchstäblich mit einer Diskokugel auf vier Rädern fahren konnte. „Das Auto reflektiert nur, was ich ohnehin bin – ein wandelnder Spiegelball“, witzelte er in einer seiner Shows. Elton John, ein erklärter Bewunderer Liberaces, führte diese Tradition weiter. Er kaufte sich gleich mehrere Phantoms, teils spontan auf dem Weg zum Konzert, und rüstete sie mit Faxgerät, Fernseher, Videoplayer und einer Soundanlage aus, die so mächtig war, dass die Heckscheibe verstärkt werden musste, um nicht zu zerbersten. Ein anderer Phantom des „Rocketman“ war pink-weiß lackiert, den er kurzerhand seinem Percussionisten Ray Cooper überließ, als er nach einer Tour in der Sowjetunion seine Band nicht bar bezahlen konnte. „Er hat mir den Rolls einfach in die Hand gedrückt – als wäre es ein Scheckheft“, erinnerte sich Cooper später. Jahre danach holte derselbe Cooper damit den jungen Damon Albarn von der Schule ab – der später als Blur-Frontmann selbst ein Stück britischer Popgeschichte schrieb.

Und dann ist da noch die Legende, die nie ganz verschwindet: Keith Moon, der exzessive Schlagzeuger von The Who, soll an seinem 21. Geburtstag einen Rolls-Royce in den Pool des Holiday Inn in Flint, Michigan, gesteuert haben. Ob es wirklich ein Phantom war, ob überhaupt ein Wagen im Wasser landete, bleibt unklar. Moon selbst sagte Jahre später in einem Interview: „Es war gar kein Rolls. Ich habe nur die Handbremse von einem Lincoln gelöst.“ Zum Jubiläum inszenierte Rolls-Royce das Bild noch einmal: Ein ausgedienter Prototyp wurde ins Wasser des Tinside Lido bei Plymouth abgelassen – dort, wo auch die Beatles einst für ihre „Magical Mystery Tour“ posierten.

Mit der Jahrtausendwende trat der Phantom in ein neues Kapitel: Hip-Hop. Kaum eine Musikrichtung hat Rolls-Royce so sehr ins kollektive Gedächtnis geätzt wie Rap. Pharrell Williams und Snoop Dogg parkten 2004 in „Drop It Like It’s Hot“ neben einem Phantom VII, Lil Wayne verewigte das Modell auf einem Albumcover, 50 Cent ließ sich in einem Drophead Coupé durch die Serie „Entourage“ chauffieren. „Der Rolls ist kein Auto, er ist ein Statement“, rappte 50 Cent einmal. Besonders ikonisch: das Ausstattungsfeature „Starlight Headliner“, ein Dachhimmel mit hunderten Glasfasersternen, das in vielen Rap-Texten als „Stars in the roof“ besungen wurde.

Doch nicht immer waren die Stimmen so wohlwollend. In den 1970er-Jahren wurde der Rolls-Royce in Großbritannien zur Zielscheibe für Spott und Klassenkritik. Karikaturisten stellten den Phantom als „rollenden Palast der Reichen“ dar, während Streiks und Wirtschaftskrisen das Land erschütterten. Punkbands wie die Sex Pistols verspotteten ihn als Inbegriff des Establishments, das es zu bekämpfen galt. Ein Kritiker schrieb 1977: „Der Phantom ist kein Traum – er ist die Erinnerung daran, dass einige wenige alles haben, während viele nichts besitzen.“ Ironischerweise hielt aber gerade diese Gegnerschaft den Mythos lebendig: Je stärker der Phantom als Symbol von Dekadenz geschmäht wurde, desto mehr reizte er jene, die ihren Außenseiterstatus in Luxus übersetzen wollten. So wurde der Phantom über acht Generationen hinweg Projektionsfläche für Sehnsüchte, Exzentrik und Statussymbol, ebenso wie Reizobjekt für Neid und Spott. (aum)

Veröffentlicht am 30.08.2025

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