2025-02-19 15:25:00 Automobile

ZDK-Präsident fürchtet Kostenlawine für Autofahrer

Carzoom.de
Fotos: Auto-Medienportal.Net/Pro Motor/Volz

Wird das eigene Auto bald unerschwinglich? „Die individuelle Mobilität darf nicht zum Luxus werden“, warnt ZDK-Präsident Arne Joswig bei der Vorlage der Jahresbilanz des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. Denn auf die Autobesitzer rollt in Deutschland eine neue Kostenlawine zu: „Wenn die Klimaziele eingehalten werden sollen und die E-Mobilität nicht vorankommt, wird der CO2-Preis bis zum Jahr 2030 explodieren“, so Joswig. Der alte Bundestag hatte Anfang des Monats beschlossen, den CO2-Preis schrittweise zu erhöhen.

Der Autoverkehr wird 2027 in den CO2-Emissionshandel aufgenommen. Die Kosten dafür werden an der Tankstelle an die Autofahrer weitergegeben. Dort dürften die Preise in den nächsten Jahren auf deutlich über zwei Euro je Liter Benzin und Diesel steigen. „Bei dann möglichen rund 2,50 Euro pro Liter Kraftstoff können sich viele Menschen das Autofahren kaum leisten. Die Politik muss deshalb Lösungen entwickeln, die Mobilität für alle Schichten der Gesellschaft erschwinglich zu halten, ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren“, fordert Joswig.

Dass Autos in Anschaffung und Betrieb stetig teurer werden und die Einkommen nicht Schritt halten, merken Autohändler und Werkstätten schon seit Jahren. Gebrauchtwagen und das Arbeitsaufkommen in den Werkstätten haben dem deutschen Kraftfahrzeuggewerbe 2024 das Geschäft gerettet. Neuwagen hingegen haben den zaghaften Aufschwung eher gebremst. Im aktuellen Jahr wird es kaum besser aussehen, befürchtet Verbandspräsident Joswig. Der ZDK vertritt 36.000 Autohäuser und Werkstätten mit 428.000 Beschäftigten.

Die Betriebe haben zwar im vergangenen Jahr 5,6 Prozent mehr Umsatz gemacht und 218,9 Milliarden Euro eingenommen. Aber der Verkauf von Neuwagen ging bei den Händlern um ein Prozent zurück. Wegen der steigenden Preise für neue Autos weichen Privatkunden auf Gebrauchtwagen aus: 6,5 Millionen Pkw wechselten 2024 die Besitzer, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Als Folge steigt das Durchschnittsalter des Autos auf deutschen Straßen wieder und liegt mittlerweile bei 10,3 Jahren.

Die alternde Fahrzeugflotte hilft zwar dem Werkstattgeschäft: Hier machten die ZDK-Mitglieder 7,4 Prozent mehr Umsatz und nahmen 36 Milliarden Euro ein, denn ältere Autos müssen häufiger in die Reparatur. Andererseits zeigt sich hier die chronische Wachstumsschwäche der Autobranche. Und das schlägt sich auch auf die Klimabilanz der Verkehrs nieder, denn es werden auch weniger elektrisch betriebene Neuwagen abgesetzt: Der Absatz von Batteriefahrzeugen ging im vergangenen Jahr um 27,4 Prozent zurück – vor allem wegen der Ende 2023 abrupt beendeten Förderung.

Für 2025 sieht der ZDK keinen Anlass für Optimismus: In einer aktuellen Umfrage im Januar und Februar unter 690 Kfz-Betrieben sind 57 Prozent der Unternehmen weniger zuversichtlich als vor einem Jahr, und nur elf Prozent sind optimistischer. Rund ein Drittel der Betriebe erwarten sich wenige Tage vor der Bundestagswahl keine Veränderung für ihr Geschäft.

Auch die Kaufzurückhaltung bei Elektroautos hält offenbar an. Drei Viertel (76 Prozent) der befragten Händler beurteilen die Bestellungen von batterieelektrischen Fahrzeugen durch Privatkunden „eher schlechter“ bzw. „schlechter“ als im Vorjahr. „Die Politik hat im letzten Jahr tatenlos zugesehen, wie Monat für Monat die Neuzulassungen für Elektrofahrzeuge in den Keller gingen“, so ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn, Sprecher des Fabrikatshandels. „Die Anstrengungen zum Hochlauf der E-Mobilität müssen sich jetzt verdoppeln.” Zu den wichtigsten Instrumenten nennen die befragten Händler Strompreissenkungen, eine staatliche Kaufprämie und verbesserte Sonderabschreibungen für gewerbliche Fahrzeuge. CDU und FDP haben sich im Wahlkampf bereits gegen eine Kaufprämie für Elektroautos ausgesprochen.

Doch es gibt auch erfreuliche Nachrichten aus den deutschen Autowerkstätten: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge hat im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht. 25.221 junge Menschen haben einen Ausbildungsvertrag als „Kfz-Mechatroniker/in“ geschlossen. Das sind 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr. „Junge Menschen sehen im Kfz-Handwerk und den Ausbildungsberufen der Automobilbranche ihre Zukunft“, so Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün. „Wer den nächsten Schritt gehen will, muss allerdings für einen Meisterkurs rund 15.000 Euro bezahlen. Ein Studium hingegen ist kostenlos.“ Hier müsse die Politik endlich handeln, akademische und handwerkliche Weiterbildung gleich behandeln. (aum)

Veröffentlicht am 19.02.2025

UnternehmenZDKJahresbilanz 2024


 
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