2025-07-14 08:26:00 Automobile

Autohändler wollen VAD gründen: „Wir brauchen endlich eine Stimme, die gehört wird“

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Fotos: Autoren-Union Mobilität/Reinking

Ein neuer Verband der Autohändler steht vor der Gründung. Damit will sich die Branche in Berlin und Brüssel mehr Gehör verschaffen. „Wir brauchen endlich eine Stimme, die gehört wird“, sagt Burkhard Weller, „und nicht nur die Einladung zum Lichttest jedes Jahr.“ Weller ist größter BMW- und Toyota-Händler des Landes und Chef von 2600 Mitarbeitern und Mitinitiator der neuen Interessenvertretung. Seine Kritik geht an die Adresse des Zentralverbands des Kfz-Gewerbes (ZDK), von dem sich viele große Händler nicht mehr angemessen vertreten fühlen. Weller kündigt deshalb die Gründung des Verbandes der Autohändler Deutschlands (VAD) an.

30 der größten Unternehmen haben bereits Interesse bekundet. Als Gründungsdatum ist der 17. September vorgesehen. Es könne nicht sein dass sich der Autohandel mit einer halben Million Beschäftigten, davon fast 100.000 Auszubildende, zu wichtigen Fragen nicht äußere, sagte Weller auf dem Sommerempfang der Fachzeitschrift „Autohaus“.

Der Autohandel steht vor großen Herausforderungen: Die Neuwagen-Nachfrage, dieses Jahr rund drei Millionen Autos, bleibt liegt weit unter den alten Rekordwerten. Der wachsende Anteil an Elektroautos bedroht zudem die wichtigste Ertragssäule des Kfz-Gewerbes, das Werkstattgeschäft: Denn Elektroautos brauchen keinen Ölwechsel, haben weniger Bremsenverschleiß und müssen nie zur Abgasuntersuchung. Mit dem Fahrzeugservice verdienen die Autohäuser aber viel mehr als mit dem Verkauf von Neuwagen.

Das Gebrauchtwagengeschäft ist ebenfalls unter Druck: Für jeden Neuwagen werden in Deutschland 2,4 Gebrauchtwagen verkauft. Der Anteil wächst, weil Privatkunden vor den steigenden Autopreisen auf Gebrauchte ausweichen. Doch auch dieses lukrative Geschäft ist nicht mehr so einfach: Die ersten Elektroautos, die als Leasingrückläufer in die Autohäuser kommen, finden dort kaum Abnehmer – schon gar nicht zu den im Leasingvertrag kalkulierten Restwerten. „Problematisch dabei ist, dass ihr Restwert im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren aufgrund der sich ständig weiterentwickelnden E-Antriebs-Technologie deutlich geringer ausfällt“, schreibt dazu die Unternehmensberatung Berylls by Alix Partners in einem Bericht, der den Handel aufgeschreckt hat. Die Berechnungen zeigen, dass Elektroautos im Restwert durchschnittlich 6400 Euro unter dem Wert eines Benziners liegen.

„Wir brauchen eine Stützung des Verkaufs gebrauchter Elektroautos, wie auch bei Neuwagen“, sagt ein Mercedes-Händler auf dem „Autohaus“-Empfang. Wenn es um staatliche Förderung geht, werde in Berlin nur auf den VDA gehört, die Vertretung der Autohersteller. „Da bleiben wir leider außen vor.“ Während der Absatz von neuen Elektroautos von der Bundesregierung gefördert wird, auch um die Autohersteller zu unterstützen, lässt die Politik den Autohandel mit dem Problem allein.

Auch gegenüber den Herstellern wollen sich die Händler stärker positionieren. Vor zwei Jahren kündigten viele Herstelle an, ihren Vertrieb auf das Agenturmodell umzustellen. Aus selbstständigen Händlern sollten Agenturen werden, die nur noch im Auftrag des Herstellers Autos verkaufen. Auch der Internetvertrieb sollte so gestärkt werden, die Kunden per Mausklick direkt beim Hersteller ihre Neuwagen kaufen. Volkswagen, Audi, Jaguar, Ford oder Stellantis (Opel, Fiat, Peugeot u.a.) wollten so den Vertrieb an sich reißen. Jetzt haben die meisten Hersteller die Kehrtwende eingeleitet und wollen doch beim etablierten Modell mit selbstständigen Händlern bleiben. „Sie haben gemerkt, dass sie zwar Autos bauen, aber nicht gut verkaufen können“, so ein Händler.

Mindestens so ärgerlich für den Handel ist der politische Gegenwind, der den Betrieben in vielen Städten entgegenweht: In Berlin will eine Bürgerinitiative den privaten Autoverkehr praktisch ganz verbieten. Nur noch zwölf private Autofahrten sollen pro Jahr erlaubt sein. Ein entsprechender Volksentscheid wurde bereits zugelassen. Auch in Hannover wollte der grüne Oberbürgermeister die Innenstadt autofrei umbauen, bis ihm die SPD als Koalitionspartner abhanden kam. „Wir brauchen nicht Lastenrad oder Auto, sondern Lastenrad und Auto“, sagt Burkhard Weller, der den neuen Verband ins Zentrum der Debatte um den Verkehr der Zukunft rücken will.

Denn es liegt vor allem am Handel, die zurückhaltende Kundschaft von der umweltschonenden E-Mobilität zu überzeugen. Der E-Antrieb ist nicht die einzige neue Technologie, auf die sich der Handel einstellen muss: Digitale Funktionen werden im Auto immer wichtiger. Privatleasing und Abo-Modelle ersetzen zunehmend den klassischen Autokauf auch bei Gebrauchtwagen. Alles Themen, mit denen der neue Verband seine Mitglieder auch im operativen Geschäft beraten und unterstützen will.

Das ist dringend nötig, denn wie Hersteller und Zulieferer ist auch der Autohandel mitten in der Konsolidierung: Von den 7400 selbstständigen Unternehmen im Autohandel, die es 2020 in Deutschland gab, sind aktuell noch 5800 übrig. (aum)


Veröffentlicht am 14.07.2025

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