2021-03-11 10:26:00 Automobile

Das Fahrradjahr 2020: Die Branche boomt in allen Bereichen

Im Corona-Jahr 2020 galt das Fahrrad als einer der wenigen Gewinner – das unterstreichen die aktuellen Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV). So wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 5,04 Millionen Fahrräder verkauft, das sind mehr rund 17 Prozent mehr als 2019. Gefragt waren Räder aus allen Segmenten – vom E‑Bike bis zum Kinderrad, vom City-Rad bis zum Mountainbike, wie der Pressedienst Fahrrad meldet. Der Umsatz im deutschen Zweiradhandel stieg 2020 um 61 Prozent auf 6,44 Milliarden Euro.

Von den über fünf Millionen Fahrrädern des vergangenen Jahres wurden 3,73 Millionen importiert. Länder wie Kambodscha (22 Prozent) und Bangladesch (acht Prozent) liegen an der Spitze. Mittlerweile lässt sich aber eine verstärkte Rückholung der Produktion nach Europa feststellen. So haben sich Produktionsstätten in Portugal, Ungarn, Bulgarien oder Polen als Alternativen mit kurzen Transportwegen herausgestellt. Der Anteil der in Deutschland produzierten Räder lag im letzten Jahr bei 2,2 Millionen Fahrzeugen.

Der Boom der Elektroräder blieb ungebrochen und erreichte mit 1,95 Millionen verkauften Exemplaren erneut ein Rekordergebnis. Das bedeutet eine Wachstumsrate von 43,4 Prozent und deultich mehr Pedelecs als neu zugelassene Pkw mit Benzinmotor oder Hybridantrieb (ca. 1,89 Millionen Stück). Elektrifiziert werden mittlerweile so gut wie alle Radgattungen. „Wir rechnen damit, dass in etwa zwei Jahren jedes zweite in Deutschland verkaufte Fahrrad ein E‑Bike sein wird“, prognostiziert Dr. Thomas Leicht, Leiter E‑Bike-Systeme bei Brose. Insgesamt 7,1 Millionen Pedelecs und S-Pedelecs sind mittlerweile in Deutschland unterwegs.

Im Schnitt 1279 Euro

Der Durchschnittspreis für ein neu gekauftes Fahrrad liegt in Deutschland laut ZIV mittlerweile bei 1279 Euro und hat erstmals die 1000-Euro-Marke geknackt. 2014 lag der Durchschnittspreis beispielswesie noch bei 528 Euro. Das liegt einerseits an der wachsenden Nachfrage nach E‑Bikes, aber auch an einem wachsenden Qualitätsverständnis der Kunden. „Preise von 2500 Euro aufwärts sind bei E‑Bikes bereits Normalität und werden von Kundinnen gerne und bereitwillig bezahlt, da sie Qualität wollen“, sagt Anja Knaus, Pressesprecherin beim E‑Bike-Pionier Flyer.

Die Zahl der verkauften Cargobikes beziffert die Branche mit über 103.000, davon rund 78.000 mit Elektromotor. Deutschland ist damit der größte Markt für diese Gattung in Europa, so der Pressedienst Fahrrad. Nicht nur bei Privatpersonen, auch bei Logistikern wird das Lastenrad immer beliebter. Rund 76 Millionen Euro Umsatz sollen im zurückliegenden Jahr von Lastenrad-Logistikern erzielt worden sein. Aktuell sollen rund 100 Unternehmen mit 2600 Beschäftigten in der Radlogistik tätig sein, Tendenz steigend.

Im Jahr 2019 arbeiteten in der deutschen Fahrradwirtschaft rund 281.000 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Berufen bzw. als Selbstständige. Das geht aus einer Studie der Westfälischen Hochschule hervor, die im Auftrag des ZIV, des Verbund Service und Fahrrad (VSF) und des Bundesverband Zukunft Fahrrad (BVZF) erstellt wurde. Die Zahl setzt sich zusammen aus den Bereichen Herstellung (21.000), Handel (43.000), Dienstleistung (2000) sowie Vor- und nachgelagerte Betriebe (11.000). Den Großteil macht allerdings der Fahrradtourismus aus. Hier sind rund 204.000 Beschäftigte tätig.

Urlaub auf zwei Rädern

Eine Fahrradtour war im vergangenen Jahr für viele Menschen eine willkommene Urlaubsalternative zur ausfallenden Auslandsreise. Für 2020 fehlen noch Zahlen, aber bereits 2018 betrug der Umsatz im Fahrradtourismus laut der Studie der Westfälischen Hochschule 11,6 Milliarden Euro. Darin enthalten sind Leistungen wie Umsatz vor Ort in Form von Übernachtung oder Verpflegung sowie die An- und Abreise per Auto oder Bahn. „Fahrradtourismus war in der Vor-Corona-Zeit schon ein wachsender Markt. Egal, ob als Familienurlaub oder als Abenteuerfahrt im Bikepacking-Modus – die Nachfrage nach Gepäcktaschen als Reisebegleiter hat nochmals zulegen können“, bestätigt Peter Wöstmann, Pressesprecher beim Taschenspezialisten Ortlieb.

Auch Dienstrad-Leasing ist seit der Einführung 2012 ein stark wachsender Bereich. Immer mehr Beschäftigte nutzen die steuerlichen Vorteile, die sich über die Gehaltsumwandlung beim Erwerb über den Arbeitgeber ergeben. Allein für das Jahr 2020 rechnet der BVZF mit 340.000 neu geleasten Rädern in Deutschland. Die hohen Durchschnittspreise machen den Markt zu einem Wachstumstreiben. Hinzu kommen fahrradnahe Servicebereich wie Versicherungen, Routing oder GPS-Tracking, die ebenfalls beliebter werden. Die Umsatz 2018 im Bereich Dienstleistung betrug bereits 560 Millionen Euro. (ampnet/jri)

Veröffentlicht am 11.03.2021

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