2026-02-09 16:51:00 Automobile

Der AvD ist für Augenmaß statt pauschaler Tempolimits

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Fotos: Autoren-Union Mobilität

Die aktuelle Diskussion um flächendeckende Tempolimits auf Autobahnen sowie um eine generelle Einführung von Tempo 30 in Städten greift nach Ansicht des Automobilclubs von Deutschland (AvD) zu kurz. Verkehrssicherheit lasse sich „nicht durch starre Vorgaben“ erreichen, sondern durch differenzierte, situationsangepasste Maßnahmen, die dort ansetzen, wo reale Risiken bestehen. Hierzu zählten eine intelligente Verkehrssteuerung sowie der konsequente Ausbau von sicherer Infrastruktur.

Deutschland nimmt in Europa eine Sonderrolle ein, da es kein generelles Tempolimit auf Autobahnen gibt. Zur richtigen Einordnung gehört nach Meinung des AvD aber auch, das nur rund 1,4 Prozent des gesamten deutschen Straßennetzes Autobahnabschnitte ohne feste Geschwindigkeitsbegrenzung sind. Gleichzeitig sind Autobahnen statistisch die sichersten Straßen. Lediglich etwa zehn Prozent aller Unfälle mit Personenschäden ereignen sich dort, deutlich weniger als innerorts oder auf Landstraßen. Die Hauptursache schwerer Verkehrsunfälle sei nicht das Fehlen eines pauschalen Tempolimits, sondern Ablenkung, zu geringer Abstand, Fehlverhalten beim Spurwechsel und eine nicht angepasste Fahrweise.

„Rund 30 Prozent aller Autobahnstrecken sind bereits heute mit festen oder dynamischen Tempolimits ausgestattet, die sich an Verkehrsaufkommen, Wetter oder Baustellen orientieren. Diese situationsabhängigen Regelungen erhöhen nachweislich die Sicherheit und sind wirksamer als ein starres, flächendeckendes Limit, das weder Verkehrsrealität noch regionale Unterschiede berücksichtigt“, so der AvD.

Geschwindigkeitsbeschränkungen können in Städten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten, allerdings sollten diese gezielt und nicht flächendeckend gelten. Internationale Beispiele wie Helsinki zeigten positive Effekte, ließen sich jedoch aufgrund unterschiedlicher Stadtstrukturen, Verkehrsaufkommen und Kontrollintensität nicht eins zu eins auf deutsche Städte übertragen, betont der Automoibilclub. Zudem seien in der finnischen Hauptstadt nicht ausschließlich das extreme Tempolimit entscheidend, sondern vielmehr weitere bauliche Maßnahmen. Auch in Deutschland ließe sich durch den infrastrukturellen Ausbau, wie sichere Fußgängerüberwege, Kreisverkehr statt Kreuzungen und eine automatisierte Verkehrsüberwachung, das Unfallrisiko deutlich senken. Wie ein Gutachten der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) bestätigt, können bauliche Maßnahmen an Unfallschwerpunkten die Zahl schwerer Unfälle um bis zu 40 Prozent senken, unabhängig vom individuellen Fahrverhalten.

In Deutschland nimmt ohnehin die Zahl der Tempo-30-Zonen seit Jahren zu. Der AvD begrüßt dies insbesondere in Wohngebieten sowie rund um sensible Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Spielplätzen. Eine pauschale Einführung der extremen Geschwindigkeitsbeschränkung in gesamten Innenstädten sieht der Club jedoch kritisch. Sie könne den Verkehrsfluss beeinträchtigen, Ausweichverkehre in Wohnstraßen verlagern und durch häufige Geschwindigkeitswechsel zusätzliche Lärm- und Emissionseffekte verursachen. „Leistungsfähige Hauptverkehrsachsen“ seien weiterhin notwendig, um Verkehr zu bündeln und sensible Bereiche zu entlasten.

Der AvD setzt sich daher für mehr gezielte Verkehrsüberwachung, den Ausbau sicherer Infrastruktur und intelligente Verkehrssteuerung ein. „Verkehrssicherheit braucht Augenmaß, Differenzierung und wirksame Lösungen statt pauschaler Tempolimits“, heißt es abschließend. (aum)

Veröffentlicht am 09.02.2026

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