2021-03-09 13:31:00 Automobile

Elektroautos: Bestand steigt weltweit auf 10,9 Millionen

Carzoom.de
Fotos: Auto-Medienportal.Net/Jens Meiners

Im Jahr 2020 stieg der weltweite Bestand an Elektroautos auf 10,9 Millionen, ein Plus von mehr als drei Millionen gegenüber dem Vorjahr. China liegt mit gut fünf Millionen E-Autos weiter unangefochten auf Platz eins, gefolgt von den USA mit 1,77 Millionen. Deutschland hat sich mit fast 570.000 Fahrzeugen um drei Plätze auf Rang drei vorgearbeitet. Bei den Pkw-Neuzulassungen liegt Deutschland nun weltweit auf Platz zwei weltweit. Die neuen Zahlen stammen aus einer aktuellen Erhebung des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW).

Das ZSW wertete für diesen Überblick nur Daten von Fahrzeugen aus, die Strom laden können, also von batterieelektrischen Fahrzeugen sowie von solchen mit Range extender-Systemen und Plug-in-Hybrid-Modelle. Das ZSW findet bei den neu zugelassenen Stromern jetzt erstmals drei deutsche Hersteller auf den ersten sechs Plätzen. Tesla führt mit fast 500.000 Neuzulassungen, wird aber vor allem von VW bedrängt.

Klimaeffekte des E-Autos liegen in weiter Ferne

Das ZSW weist aber auch darauf hin, dass eine deutliche höhere Marktdynamik erforderlich ist, wenn die Klimaschutzziele im Verkehr im Jahr 2030 erreicht werden sollen. Mit den heutigen Zahlen und Wachstumsraten wird es noch lange dauern, bis ein positiver Einfluss der Elektromobilität auf das Klima spürbar werden wird. Der Fahrzeugbestand weltweit liegt bei rund 1,4 Milliarden, die weitaus meisten mit Verbrennungsmotoren ausgestattet und mit einer maximalen „Lebenserwartung“ von 18 Jahren unterwegs. Selbst in Deutschland liegt die Lebensdauer eines Personenwagens inzwischen bei rund zehn Jahren.

Neuzulassungen steigen auf Rekordhoch

Die Zahl der Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen hat weltweit im Jahr 2020 deutlich zugenommen: Sie stieg um 38 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 3,18 Millionen – die Entwicklung lief damit deutlich gegen den Trend des Gesamtmarktes, der besonders durch die Corona-Pandemie von einem spürbaren Rückgang geprägt war. Während die Zulassungszahlen für E-Autos in Europa um 134 Prozent auf 1,37 Millionen stiegen, trugen die großen Märkte China und USA hingegen kaum zum Wachstum bei: Es gab auf dem chinesischen Markt nur 1,25 Millionen Neuzulassungen (drei Prozent Wachstum). Was auch damit zusammenhängt, dass China seine Förderung des Elektroautos deutlich zurückgefahren hat. So konnte Europa China überholen. In den USA war die Zahl mit 322.400 Neuzulassungen, ein Minus von zwei Prozent, sogar zum zweiten Mal in Folge rückläufig.

Bei anderen Nationen ging es dagegen rasant nach oben, am deutlichsten in Deutschland: Dort stieg die Zahl der Neuzulassungen – getrieben von der extrem starken Förderung durch den Staat – von 108.530 im Jahr 2019 auf nunmehr 394.632. Das ist ein Plus von 264 Prozent – die weltweit höchste Wachstumsrate. Deutschland liegt nun bei den Neuzulassungen auf dem zweiten Rang hinter China und verdrängt die USA auf Platz drei. An vierter Position folgt Frankreich. Dort kletterten die Neuzulassungen auf 194.700, ein Wachstum von 180 Prozent. Ein deutliches Marktwachstum weisen auch Dänemark (245 Prozent), Italien (250 Prozent), Spanien (136 Prozent) und Großbritannien (140 Prozent) auf – jedoch auf deutlich niedrigerem absolutem Niveau bezüglich der Fahrzeugzahlen.

Weiterhin mehr Dynamik nötig

„Der positive Trend ist jedoch auch auf höhere Fördersätze für Elektrofahrzeuge im Rahmen von Corona-Konjunkturpaketen und zusätzliche Maßnahmen wie die abgesenkte Mehrwertsteuer in Deutschland zurückzuführen“, kommentiert Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW. „Es gilt deshalb, diesen Förderimpuls sukzessive in ein marktgetriebenes Wachstum zu überführen, um das Ziel der Bundesregierung von sieben bis zehn Millionen Elektroautos im Bestand bis 2030 effizient erreichen zu können. Hierfür müssen in Deutschland im Schnitt jedes Jahr rund eine Million E-Fahrzeuge neu zugelassen werden.“ Staiß erwartet vom ambitionierten neuen EU-Klimaschutzziel einen deutlich größeren Druck auf den Erfolg von E-Autos. Den zehn Millionen E-Autos stünden dann nach heutigen Zahlen in Deutschland immer noch mehr als 50 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren gegenüber.

In Norwegen wurden im Jahr 2020 mit einem Anteil von 62,4 Prozent deutlich mehr Elektrofahrzeuge zugelassen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die anderen Länder folgen mit deutlichem Abstand. In Schweden liegt der Wert bei 29,1 Prozent. In Deutschland ist der Anteil auf 10,9 Prozent gestiegen und hat sich damit im Vergleich zu 2019 mehr als verdreifacht. In China, dem Land mit den absolut höchsten Neuzulassungszahlen, liegt der Anteil mit 6,2 Prozent deutlich niedriger, in den USA verharrt er bei rund zwei Prozent.

Drei deutsche Hersteller unter den Top 6 – Tesla Nummer 1

Bei den Neuzulassungen 2020 steht der Hersteller Tesla mit 499.600 E-Autos nach wie vor an der Spitze. Mit wenig Abstand folgt die VW-Gruppe. Der Wolfsburger Autokonzern hat fast aufgeschlossen und kommt bereits auf 421.600 verkaufte Modelle. Das chinesische Unternehmen SAIC, das fast ausschließlich auf dem heimischen Markt tätig ist, folgt auf Rang drei (254.300). BMW (192.600) und Daimler (163.000) liegen mit Platz vier und sechs ebenfalls in den Top-Ten, insbesondere durch den Verkaufserfolg ihrer Plug-In-Hybrid-Modelle.

Addiert man sämtliche Neuzulassungen der vergangenen Jahre weltweit, führt mit über 1,38 Millionen Elektro-Pkw weiterhin Tesla deutlich. Auf dem zweiten Platz folgt ebenfalls unverändert BYD aus China (916.400). Auf Rang drei vorgerückt ist VW mit 778.300 zugelassenen Elektro-Pkw. Platz vier besetzt BMW mit 603.200. Beide deutschen Hersteller haben sich gegenüber 2019 erheblich verbessert, der Abstand zum Marktführer Tesla ist aber noch deutlich.

Bei den Modellen liegt Tesla vorne – wie bislang

Das Model 3 von Tesla liegt mit 362.800 neu zugelassenen Exemplaren weiterhin deutlich in Führung. Mit großem Abstand folgen der nur in China und im Jahr 2020 erstmals verkaufte Hongguang Mini EV (119.300) sowie der Renault Zoe (102.900). Das beste deutsche Ergebnis erzielte auf Anhieb der Volkswagen ID.3 mit 56.900 verkauften Modellen (Platz sechs). Weitere deutsche Modelle in den Top Ten sind der Audi e-tron sowie der Plug-In-Hybrid VW Passat GTE. Damit sind nun erstmals drei deutsche Hersteller unter den beliebtesten Neuzulassungen zu finden. Bei den Neuzulassungen 2020 erreicht nur ein Plug-In-Hybrid-Modell die Top Ten, alle anderen sind rein batterieelektrische Fahrzeuge. Bei den kumulierten Neuzulassungen sind noch drei Plug-In-Hybrid-Modelle unter den ersten zehn Plätzen.

Den Spitzenplatz bei den kumulierten Neuzulassungen erreicht das Model 3 von Tesla: 812.900 zugelassene Exemplare. Weiterhin auf den Rängen zwei und drei folgen Nissan Leaf (494.800) und Model S (308.700). Unter den Top-Ten bei den kumulierten Neuzulassungen findet sich bislang noch kein deutsches Modell.

VW führt in deutschem Markt

Blickt man auf den deutschen Markt, zeigt sich ein anderes Bild im Vergleich zu den weltweiten Zahlen: Die meisten Zulassungen entfallen nun erstmals auf die VW-Modelle, sie besetzen drei der ersten fünf Plätze. Rang eins behauptet weiterhin der Renault Zoe mit 30.376 Exemplaren, ein Plus von rund 21.000. Auf den E-Golf entfallen 17.438 Zulassungen. Das Model 3 von Tesla kommt auf 15.202 Fahrzeuge, der VW-Passat GTE und der VW ID.3 auf jeweils über 14.000.

„Die erfolgreiche Aufholjagd der deutschen Hersteller bei den neu zugelassenen Elektroautos zeigt, dass sie auf dem richtigen Weg sind“, sagt Prof. Dr. Markus Hölzle, ZSW-Vorstandsmitglied und Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien. Mit der zunehmenden Anzahl an Elektrofahrzeugen gewinne künftig außerdem das Recycling von Batteriezellen an Bedeutung, so Hölzle. „Die Wiederverwendung von Metallen wie Kobalt oder Lithium, aber auch von Graphit aus Batterien ist wichtig für die Nachhaltigkeit der Produktionsprozesse und bietet zudem einen verbilligten Zugang zu diesen Rohstoffen.“ Alle Daten unter https://www.zsw-bw.de/mediathek/datenservice (ampnet/Sm)


Veröffentlicht am 09.03.2021

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