2026-05-04 09:26:00 Automobile

Fahrbericht Audi RS 3 Competition Limited: Vielleicht der letzte

Carzoom.de
Fotos: Autoren-Union Mobilität/Matthias Knödler

Der Audi RS 3 Competition Limited ist mehr als nur eine weitere Evolutionsstufe eines ohnehin schon extrem sportlichen Kompaktwagens – er feiert auch ein Jubiläum: Hier kommt ein halbes Jahrhundert Fünfzylinder-Technologie zum Tragen, in einem Fahrzeug, das den Verbrennungsmotor noch einmal stolz zelebriert.

Was 1976 im Audi 100 mit damals beachtlichen 136 PS begann, entwickelte sich mit dem Einsatz von Turboaufladung rasch weiter – zunächst bis hin zu 306 PS im legendären Sport Quattro. In Kombination mit dem Quattro-Allradantrieb wurde der Fünfzylinder zu einem technischen und emotionalen Highlight. Ob im Rallyesport, in der IMSA-Serie oder am Pikes Peak – der Motor schrieb Motorsportgeschichte. Ein wesentlicher Teil seiner Faszination liegt bis heute in der charakteristischen Zündfolge 1-2-4-5-3, die für den unverwechselbaren Klang sorgt.

Pünktlich zum Jubiläum legt Audi eine streng limitierte Version auf: 750 Exemplare des RS 3 Competition Limited. Jedes Fahrzeug ist fortlaufend nummeriert – unser Testwagen trägt die Vorseriennummer 000. Ganz klar: Hier geht es nicht nur um Performance, sondern auch um Exklusivität.

Optisch setzt der Competition Limited schöne Akzente. Mattschwarze Kohlefaser-Elemente ziehen sich durch das gesamte Fahrzeug – von der Frontlippe über die Seitenschweller bis hin zur hinteren Stoßstange. Besonders auffällig sind die seitlichen Flap Wings an der Front, die im Windkanal entwickelt wurden und in Kombination mit einem mittleren Einsatz im Dachspoiler für zusätzlichen Abtrieb sorgen.

Zur Auswahl stehen drei exklusive Lackierungen: Malachitgrün (eine Hommage an den Sport Quattro), Gletscherweiß matt und die RS-typische Farbe Daytonagrau Perleffekt.

Die größte Revolution steckt im Detail – genauer gesagt im Fahrwerk. Erstmals setzt Audi im RS3 auf eine Coilover-Konstruktion. Die vorderen Dämpfer sind höhenverstellbar und verfügen über externe Ölreservoirs, während die hinteren Dämpfer in robuster Doppelrohrbauweise ausgeführt sind.

Eine Verneigung vor dem Rennsport: Der Fahrer kann zum erstenmal selbst Hand anlegen. Über schwarze und rote Stellschrauben lassen sich Low-Speed- und High-Speed-Dämpfung sowie die Druckstufe individuell einstellen. Mitgeliefertes Werkzeug und detaillierte Anleitungen im Bordbuch machen das Setup erstaunlich zugänglich. Insgesamt stehen 12 Klicks für Low-Speed, 15 für High-Speed und 16 für die Druckstufe zur Verfügung.

Ein verstärkter Rohrstabilisator an der Hinterachse (nun 45 statt 40 Millimeter) sowie härtere Federn sorgen zusätzlich für mehr Präzision. Keramikbremsen an der Vorderachse sind serienmäßig.

Im Innenraum setzt Audi auf eine Mischung aus Motorsport und Understatement. RS-Sportsitze, bezogen mit Mikrofaser-Stoffen, weiße Instrumente und ein bewusst reduziert wirkendes Cockpit schaffen eine fahrerorientierte Atmosphäre. Keine überladene Displaylandschaft, sondern ein funktionales Armaturenbrett mit genau den Informationen, die man braucht.

Vier Kilogramm Dämmmaterial wurden entfernt – ein kleiner Eingriff mit großer Wirkung. Der Fahrer rückt akustisch näher an den Motor, der Klang wird intensiver und authentischer. Unterstützt wird das durch schneller und weiter öffnende Abgasklappen.

2021 hatten wir den RS 3 als „alltagstaugliches Biest“ beschrieben. Der Competition Limited geht noch einen Schritt weiter. Mit 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 290 km/h Vmax liefert er beeindruckende Beschleunigung, doch seine wahre Stärke liegt im Zusammenspiel von Fahrwerk, Allradantrieb und Torque Splitter. Kurven werden mit einer Präzision und Stabilität durchfahren, die selbst erfahrene Fahrer überrascht – und begeistert.

Lenkung, Bremsen und Schaltverhalten wirken nochmals geschärft, direkter, kompromissloser. Das Fahrwerk vermittelt enorme Rückmeldung, ohne im Alltag unkomfortabel zu wirken. Man spürt: Die Ingenieure hatten bei diesem Projekt nicht nur eine klare Vision, sondern auch Freude an der Umsetzung.

Nicht alle Märkte kommen in den Genuss dieses Sondermodells. Aufgrund fehlender Homologation – etwa bei den Sitzen – bleiben die USA und Kanada außen vor. Stattdessen erhalten andere Märkte definierte Kontingente, darunter Japan mit 100 und Mexiko mit 50 Fahrzeugen.

Von den insgesamt 750 Einheiten entfällt das Gros auf den Sportback, es wird jedoch auch eine Limousine mit Stufenheck angeboten. Besonders interessant für Sammler: Spezifische Bauteile des Competition Limited sind nicht einzeln erhältlich – sie bleiben exklusiv diesem Modell vorbehalten.

Mit Blick auf die kommende Euro-7-Norm steht fest: Mitte 2027 wird der Fünfzylinder in Europa Geschichte sein. In anderen Märkten mag er weiterleben, doch hierzulande dürfte der RS3 Competition Limited der letzte seiner Art sein.

Gerade deshalb ist er mehr als nur ein sportlicher Kompaktwagen – er ist ein Stück Automobilgeschichte, ein emotionales Statement in einer Zeit des Umbruchs. Vielleicht lässt sich so der stolze Preis besser verschmerzen: Es müssen mindestens 108.365 Euro den Besitzer wechseln, mehr als 40.000 Euro über dem regulären RS 3. (aum)

Daten Audi RS 3 Sportback Competition Limited

Länge x Breite x Höhe (m): 4,39 x 1,85 x 1,44
Radstand (m): 2,63
Motor: R5-Benziner, 2480 ccm, Turbo, Direkteinspritzung
Leistung: 195 kW / 400 PS bei 5600-7000 U/min
Max. Drehmoment: 500 Nm bei 2250-5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 290 km/h (abgeregelt)
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 3,8 Sek.
Durchschnittsverbrauch: 9,3 Liter
CO2-Emissionen: 214 g/km (Euro 6d)
Leergewicht / Zuladung: min. 1640 kg / max. 415 kg
Kofferraumvolumen: 282–1104 Liter
Bereifung: 265/30 R19 vorn, 245/35 R19 hinten
Basispreis: 108.365 Euro

Veröffentlicht am 04.05.2026

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