2020-04-07 11:16:00 Automobile

Fahrbericht Hyundai Santa Fe: Western-Romantik mit Premium-Versprechen

In den Weiten des vermeintlich wilden Westens hat der Hyundai Santa Fe mit Abstand die meisten Freunde, in Deutschland sind die Kunden wesentlich zurückhaltender und entscheiden sich in viel größerer Zahl für das kleinere Modell Tucson. Mit einem umfangreichen Sicherheits- und Komfortangebot versucht der Santa Fe Boden gut zu machen. Wie ihm das gelingt, zeigt unser Alltagstest.

Seit fast 20 Jahren leiht die Hauptstadt des US-Bundesstaates Neu Mexiko dem Hyundai-SUV ihren Namen. Über die Generationen ist es beträchtlich gewachsen, von ursprünglich 4,50 Meter auf aktuell 4,77 Meter. Das Format eines Sorentos, den die Schwestermarke Kia im gleichen Segment anbietet, hat er damit zwar noch nicht erreicht, aber in der Kabine ist inzwischen so viel Platz, dass man optional eine dritte Sitzreihe bekommen kann.

Die aktuelle Generation des Santa Fe setzt sich stylistisch deutlich vom Vorgänger ab. Die gewachsene physische Präsenz ist verbunden mit einer deutlicheren Design-Orientierung an anderen Modellen der Marke. Ein ausladender Frontgriff, schmale Scheinwerfergläser im Stile eines Kona, dazu die auffällige Chromspange auf der rückwärtigen Klappe, die das Heck optisch in die Breite zieht. Mit Chrom wird rundum nicht gegeizt, die schwarz umrandeten Radläufe setzen dazu den Akzent. Was die Zeichner bewogen hat, die hinteren Blinker bis unter das Niveau der Klappen-Öffnung abzusenken, kann man nur mutmaßen. Als Bestandteil der Rückleuchten wären sie für den nachfolgenden Verkehr nicht leichter zu sehen gewesen, sondern auch besser gegen kleine Rempler geschützt.

Reichlich Platz in der zweiten Reihe

Dass Hyundai bei Material-Auswahl und –Verarbeitung, aber auch in der Gestaltung von Informations- und Bediensystemen Anschluss an das Premium-Segment sucht, ist im Innenraum gut zu sehen. Besonders dann, wenn die Ausstattungslinie wie im Falle des Testwagens auch die Bezeichnung „Premium“ führt. Die Platzverhältnisse verdienen dieses Prädikat allemal, denn vorn ist die Kabine zwischen den Türen 1,52 Meter breit, hinten immerhin noch 1,45 Meter. Die 2,77 Meter betragende Distanz zwischen den Achsen ist vorbildlich ausgenutzt. Das zeigt die Beinfreiheit auf der Rücksitzbank. Und wenn es ans Beladen geht, kann man hinter dem Beifahrersitz bis zu 2,20 Meter langes Stückgut transportieren. Ein Kofferraumvolumen von 625 Liter (Fünfsitzer) bis maximal 1695 Liter spricht für sich, und die Ladekante ist mit 75 Zentimetern auch nicht zu hoch. Die hinteren Sitze sind zudem einzeln verschiebbar.

Die Möblierung mit Lederbezügen bis hin zum Armaturenbrett lässt keine Wünsche offen, auch nicht die Komfortfunktionen des Gestühls, denn die Sitze sind nicht nur beheiz- sondern auch belüftbar. Ein wenig mehr Seitenstabilität würde man sich von den vorderen Polstern noch wünschen, doch bieten sie auch für lange Strecken gute Bequemlichkeit. Sehr wohnlich kommt der Textilbezug des Dachhimmels rüber und wer auf den hinteren Sitzen mehr Privatsphäre sucht, zieht einfach die Jalousien der Seitenfenster hoch. In der Premium-Version ist wirklich alles drin, lediglich für Metallic-Lackierung oder Panorama-Hub/Schiebedach muss extra gelöhnt werden.

Das aufgeräumte Cockpit kommt ohne Effekthascherei aus. Darin zu finden: Ein Sieben-Zoll-Instrumentendisplay, auf dem dank leicht durchschaubarer Bedienlogik allerlei Daten zum Fahrzeugstatus abgerufen werden können, dazu bis zu acht Zoll für den Navi-Monitor, wo auch das 360-Grad-Bild beim Einlegen des Rückwärtsganges eingespielt wird. Das Head-up-Display hat einen guten Kontrast. Ein echter Gewinn ist der Totwinkel-Assistent, der beim Setzen des Blinkers ein Kamerabild in das Hauptdisplay projiziert.

Eine gute Idee ist ebenso der Ausstiegs-Assistent, der ein plötzliches Öffnen der hinteren Türen verhindert, wenn sich dort ein anderes Fahrzeug nähert. Mit weiteren Features, etwa Querverkehrswarner, Anfahralarm und dem adaptiven Tempomaten mit Abstandsregelung und Stopp-Funktion befindet sich die Premium Ausgabe des Santa Fe absolut auf der Höhe der Zeit. Die schlechte Nachricht ist: Alle die genannten Systeme sind nur für Fahrzeuge mit Automatikgetriebe verfügbar. Dafür haben die Handschalter einen anderen Vorteil: Sie dürfen bis 2500 Kilogramm auf den Haken nehmen, beim Automaten ist es eine halbe Tonne weniger.

Druckvoll und gut gedämmt

Der 2,2 Liter große Vierzylinder-Dieselmotor ist ein dem Jungbrunnen entstiegener alter Bekannter. Die Kur hat ihm nicht nur zu einem SCR-Kat verholfen, sondern auch zu ein paar PS und etwas Drehmoment mehr. 200 Pferdestärken und 440 Newtonmeter lauten die jetzt gültigen Werte. Die volle Durchzugskraft liegt bei 1750 Umdrehungen an, so dass schon kurz nach dem Anfahren ordentlich Druck zu spüren ist. Der kraftvolle Motor läuft kultiviert und für die Insassen geräuscharm, was an der guten Dämmung liegt. Zwar haben sich die Verbrauchswerte gegenüber der Vorgängerversion reduziert, nicht aber die Diskrepanz zwischen Soll und Ist. Die offiziellen 5,9 Liter im Mittel zu erreichen, dürfte in der Praxis so gut wie unmöglich sein, aber die 7,7 Liter, die für den immerhin rund zwei Tonnen schweren Testwagen ermittelt wurden, sind ein durchaus hinnehmbarer Wert.

Federn und Dämpfer sind auf den europäischen Geschmack abgestimmt, straff zwar, aber ohne unkomfortabel zu wirken. Selbst mit 19 Zoll großen Felgen gibt es am Abrollkomfort nichts zu tadeln. Zum Premium-Anspruch hätte ein adaptives Fahrwerk gut gepasst, aber vermutlich wollte man den Santa Fe nicht weiter verteuern und so unterbleibt solch ein Angebot. Die Lenkung wirkt unterwegs ein wenig wattig, beim Manövrieren zum Beispiel auf Parkplätzen lernt man ihre Leichtgängigkeit aber zu schätzen. Die Acht-Gang-Automatik schaltet unauffällig und sanft. Der Allradantrieb lässt keine Traktionsprobleme zu, bei geringer Last wird der Vortrieb hauptsächlich von der Vorderachse geleistet.

Fazit: Kein Autohersteller hat etwas zu verschenken, auch Hyundai nicht. Ein Basispreis von mehr als 50 000 Euro sieht erst einmal saftig aus. Deshalb sei jede(r) eingeladen, genau hinzuschauen, was man dafür alles bekommt. Im Vergleich zu einem elektrischen Kona etwa, der schon fast an dieser Preismarke kratzt, aber weder Platz-, noch Komfort-Level des Santa Fe erreicht, ist das Western-SUV schon fast ein Schnäppchen. Die Optik ist modern, die Fahreigenschaften stimmen, Assistenten sind in Fülle an Bord – so kann man sich als „Premium“ auch mit Premium messen. (ampnet/afb)

Daten Hyundai Santa Fe 2.2 AWD

Maße (Länge x Breite x Höhe (in m)): 4,77 x 1,89 x 1,68
Radstand (m): 2,77
Motor: R4-Dieselmotor, Direkteinspritzung, Turbo, 2199 ccm
Antrieb: Allradantrieb, Achtgang-Automatik
Leistung: 147 kW / 200 PS bei 3800 U/min
Maximales Drehmoment: 440 Nm bei 1750-2750 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,4 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 5,9 Liter
Testverbrauch: 7,7 Liter
Tankinhalt: 71 Liter
CO2-Emissionen: 150-158 g/km (Euro 6d-Temp)
Leergewicht / Zuladung: min.1860 / max. 704 kg
Gepäckraum: 625 - 1695 Liter
Basispreis: 52 600 Euro
Testwagenpreis: 53 290 Euro

Veröffentlicht am 07.04.2020

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Fotos: Auto-Medienportal.Net/Hyundai
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