Im Bücherregal: 22 Touren durch Europa
Schmackhaft sind die einzelnen Berichte mit wundervollem Bildmaterial gewürzt, wer möchte nicht auch einmal auf den hohen Klippen der norwegischen Fjorde stehen und seinen Blick in die Tiefe lenken? Dass dort unten gerade ein Kreuzfahrtschiff seine Bahn durch das tiefblaue Wasser zieht, ist nicht unwahrscheinlich. Und dass die norwegische Regierung mit ihrer fortschrittlichen Klimapolitik die Zahl der Kreuzfahrer arg zusammengestampft hat, erfährt man im Road-Trip-Verzeichnis ebenfalls.
Die Dauer der empfohlenen Reisen fallen unterschiedlich aus. Während den Nordwesten Irlands zwei Tagen veranschlagt werden, geht die Tour durch die nordische Fjord-Landschaft über fünf Tage auf der legendären Küstenstraße RV17. Gut 600 Kilometer gilt es zu fahren, gebremst werden muss für die automatischen Mautstationen vor Brücken oder Tunnels und für Rentiere, die weitaus häufiger auftreten als ein Elch.
Gut sind die Empfehlungen zur optimalen Reisezeit. Während Skandinavien vor allem von Juni bis September seine Reize entfaltet, wird vom sommerlichen Besuch in Kroatien Montenegro, der Cote d’Azur und Nordspanien abgeraten. Dorthin sollte der Road Trip im Frühjahr oder Herbst führen, um die große Sommerhitze zu umgehen. Wobei die sich ja gerade kaum kalkulierbar ausbreitet. Ganzjährig besuchbar sind dagegen Luxemburg, die polnische Ostseeküste und Malta.
Fünf Tage Reisezeit schlagen die Autoren für den Roadtrip durch die Slowakei vor, die wohl die wenigsten Urlauber auf dem Schirm hatten. Beschrieben wird sie als „Land der temperamentvollen Gemächlichkeit“, wo es ein ständiges Hin und Her von Trends und Traditionen gibt. Dass es eine Weinbaukultur gibt, dass die Kirschbäume hier kaum weniger anmutig blühen als in Japan und die Hohe Tatra als das Dach der Slowakei gilt, erfährt der Leser hier ebenfalls. Weinanbau findet sich auch beim südlichen Nachbarn, Ungarn produziert anspruchsvolle Rebensäfte, die weit entfernt vom gruselig süßen Erlauer Stierblut liegen.
Die Klassiker unter den Reisezielen fehlen natürlich nicht, sieben Tage sollten für die rund 500 Kilometer um die oberitalienischen Seen herum reserviert werden. Auch wenn die nördliche Region des Piemont vielen Sommerfrischlern geläufig ist, stößt der Leser des Marco-Polo-Bandes immer wieder auf hilfreiche Tipps. So etwa, dass auf dem Weg zum eher unbekannten Lago d’Orta im Städtchen Crusinalio der Werksverkauf der Edeldesignmarke Alessi auf Kunden wartet, die bereit zur Schnäppchenjagd auf Kochgeschirr sind. Ohnehin ist die Gegend ganz auf Schwermetall eingestellt. Etwas weiter nördlich hat Beretta seinen Hauptsitz, allerdings ohne Outlet.
Wo es hingegen in Nordspanien das Beste aus zwei Genusswelten gibt, weiß Marco Polo ebenfalls. In der Stadt Haro liegen das Zentrum der berühmten Rioja-Weine und die Kunst der Tapas-Küche nahe beieinander. Wer letztlich reif für die Insel ist, findet Empfehlungen für Korfu, das griechische Eiland, das schon Kaiserin Sissi ins Herz geschlossen hat und Malta, das für viel mehr als nur Aquavit oder Falken steht.
Die Roadtrip-Sammlung kostet beim Buchhändler 24,95 Euro und ist ein herrlicher Literaturgenuss mit vielen Informationen und Beschreibungen, die einfach Lust aufs Reisen machen (aum/mk)
Veröffentlicht am 29.06.2026

