Im Rückspiegel: Der erste Mercedes wird fertig
Jellinek forderte von DMG-Chefingenieur Wilhelm Maybach ein modernes, leistungsstarkes und sicheres Fahrzeug. Auslöser war der tödliche Unfall des Rennfahrers Wilhelm Bauer mit einem von Jellinek eingesetzten Daimler Phönix 23 PS beim Bergrennen Nizza–La Turbie 1900. Jellineks Rennwagen startet unter dem Pseudonym „Mercédès“. Der Vorname seiner ältesten Tochter wird wenig später zum Markennamen der Automobile von Daimler.
Wilhelm Maybach, leitender Konstrukteur der Daimler-Motoren-Gesellschaft, entwickelte daraufhin mit seinen Mitarbeitern ein von Grund auf neu konzipiertes Fahrzeug. Der Mercedes 35 PS löste sich erstmals völlig vom Prinzip der motorisierten Kutsche: Sein tiefer Schwerpunkt, der lange Radstand und die breite Spur verliehen ihm ein bis zu diesem Zeitpunkt unerreichtes Maß an Fahrsicherheit und Stabilität. Dazu kamen eine schräg stehende Lenksäule und das Getriebe mit Fußkupplung – wichtige Lösungen für eine gute Ergonomie und bis heute Merkmale im Automobilbau.
Ein Meilenstein war auch der Antrieb des neuen Autos. Das neue Konzept erlaubte den Einsatz eines neuen „Hochleistungsmotors“. Dieser von Josef Brauner konstruierte Vierzylinder mit 5,9 Litern Hubraum lieferte 35 PS (26 kW) bei 950 Umdrehungen in der Minute – ein für damalige Verhältnisse spektakulärer Wert. Der von Maybach erfundene Bienenwabenkühler, der für eine besonders effiziente Kühlung sorgte, machte eine hohe Dauerleistung möglich. Seine Wabenstruktur an der Front des Fahrzeugs entwickelt sich vom technisch notwendigen Konstruktionsdetail zum ikonischen Designelement der Marke und ab 1926 von Mercedes-Benz.
Der erste Mercedes 35 PS wurde mehrere Wochen lang ausgiebig erprobt und technisch verfeinert. Nach diesem Einfahren wurde der erste Mercedes der Geschichte am 22. Dezember 1900 per Bahn nach Nizza an Emil Jellinek versandt. Mit Erfolg setzte der DMG-Geschäftspartner den neuen Automobiltyp bei der Woche von Nizza vom 25. bis 29. März 1901 ein: Der Mercedes 35 PS dominierte die Wettbewerbe und siegte unter anderem beim Rennen Nizza–Salon–Nizza über 392 Kilometer sowie beim Bergrennen Nizza–La Turbie.
Nach dem Mercedes 35 PS von 1900 brachte die DMG ein Jahr später die Schwestermodelle Mercedes 12/16 PS und Mercedes 8/11 PS auf den Markt. Diese erste Mercedes-Generation wurde 1902 durch den Mercedes-Simplex abgelöst. Die Baureihe erhielt den Namenszusatz aufgrund der für damalige Verhältnisse besonders einfachen Bedienung.
Eine weitere strategische Entscheidung von großer Tragweite fiel ebenfalls im Jahr 1900: Die DMG kauft ein 185.000 Quadratmeter großes Gelände in Untertürkheim, um ein neues Werk zu bauen. Daraus entwickelt sich das heutige Mercedes-Benz Stammwerk. Gottlieb Daimler erlebt diese wichtigen Weichenstellungen nicht mehr. Er verstarb am 6. März 1900 im Alter von nur 65 Jahren. (aum)
Veröffentlicht am 15.11.2025
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