2026-10-26 11:51:00 Automobile

Kommentar: Potus rief und Audi kam

Carzoom.de
Fotos: Autoren-Union Mobilität/Audi

Der Audi-Chef Gernot Döllner legt dem amerikanischen Präsidenten in einer vertraulich wirkenden Geste die Hand auf die Schulter. Darf er das oder ist das der Versuch seinerseits, es nicht so aussehen zu lassen als habe Donald Trump ihn am Nasenring durch die Manege geführt, ausgerechnet bei einem Wahlkampfauftritt der Republikaner im hart umkämpften Bundesstaat Georgia? Die Regeln der Audi-Mutter verbieten solche Auftritte besonders im Wahlkampf. Aber selbst ein Bundeskanzler könnte sich nicht dagegen wehren, wenn Potus (President of the United States) ruft.

Es war sicherlich kein Zeichen für unternehmerischen Weitblick, dass Audi jetzt erst zu dem Schluss kommt, große und – im europäischen Sinn – übergroße SUV baut man am besten nah am Kunden. Es wird also Zeit, über ein Werk in den USA nachzudenken. Der Gouverneur von Georgia, Brian P. Kemp, ebenfalls Republikaner wie Potus, ist stolz auf seinen Erfolg und den seiner Behörden. Kemp bedankt sich ausdrücklich bei den Verantwortlichen der drei beteiligten Landkreise, aber nicht beim Präsidenten. Nur Trump lobte den Erfolg seiner europafeindlichen Zölle bei der Audi-Entscheidung. Kemp in einem Statement später diplomatische: „Nach den Erfolgen mit anderen großen Industriestandorten haben wir das Middle Georgia Megasite eigens zu diesem Zweck erworben und weiterentwickelt: um einen hochwertigen Automobilhersteller anzusiedeln, der Arbeitsplätze in diese Region bringt.“

Es geht um eine Investition von rund vier Milliarden US-Dollar für ein Werk, das rund 200.000 Premium SUV pro Jahr bauen soll. 4500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Audoi nannte als Baubeginn 2027, Potus den kommenden Monat. Die Produktion soll Anfang der 2030er Jahre anlaufen, wenn der Aufsichtsrat zustimmt. Denn die Entscheidung steht immer noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Konzerngremien.

Potus und Göllner handelten also ein voreilig, was das Geschmäckle an dieser Veranstaltung noch einmal heftig verstärkt. Nach den Midterm-Wahlen und nach dem Aufsichtsratsbeschluss wäre die Zeit gekommen gewesen, die Botschaft zu verkünden. Aber Donald Trump braucht solche Botschaften jetzt, um sich des Gegenwinds zu erwehren.

Gernot Döllner wird einigen Stürmen trotzen müssen. Wir werden das beobachten, manche mit Schadenfreude wegen der politisch inkorrekten Wahlhilfe für Potus, andere wegen des vorauseilenden Gehorsams eines deutschen CEO und wieder andere, denen es weniger um Stilfragen als um Complianceregeln geht. Die Medien werden daran mehr Freude haben als Döllner. (aum)

Veröffentlicht am 26.10.2026

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