2026-04-30 09:26:00 Automobile

Praxistest Fiat Panda Hybrid: Tolle Kiste eine Nummer größer

Carzoom.de
Fotos: Stellantis via Autoren-Union Mobilität

Zum Auftakt ein Rückblick: Anfang der 1980er Jahre überraschte Fiat die automobile Welt mit einem Modell, das die Italiener in der Werbung durchaus zutreffend als „tolle Kiste“ beschrieben. Der Entwurf für den minimalistischen Kleinwagen stammte von Giorgetto Giugiaro, der seine Schöpfung später als einen seiner „stolzesten Entwürfe“ einordnete. Seit 46 Jahren rollt der Panda, inzwischen zum Pandina befördert und in Italien unumstritten das beliebteste Modell, in der Nähe von Neapel von den Bändern. Im vergangenen Jahr bekam der „Kleine“ endlich einen „großen Bruder“, der als Grande Panda bei den Fiat-Händlern steht.

Die deutlich gewachsene „tolle Kiste“ hat auf 3,99 Meter zugelegt, und die Kunden können aus drei Antriebsformen wählen. Neben dem klassischen 1,2 Liter-Turbo-Dreizylinder bieten die Turiner den Grande Panda auch als Elektro- und Hybridversion an. Die Hybrid-Variante nutzt die Plattform Smart Car des Stellantis-Konzerns und kombiniert den bewährten und 100 PS (74 kW) starken 1,2-Liter Dreizylinder mit einem 21-kW-Elektromotor(29 PS), der seine Energie aus einem 48-Volt-Lithium-Ionen-Akku bezieht. Die Kraftübertragung auf die Vorderräder übernimmt ein Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.

Die elektrische Unterstützung soll unter anderem beim Beschleunigen helfen, und das funktioniert auch bei niedrigen Geschwindigkeiten, doch macht dies den Garnde Panda natürlich nicht gleich zu einem Dynamiker – das Temperament hält sich erwartungsgemäß in Grenzen, ist aber auch für die Langstrecke vollkommen ausreichend. Das klassische Biotop bleibt aber das städtische Umfeld. Hier übernimmt der Elektroantrieb regelmäßig und vom Menschen hinter dem Lenkrad unbemerkt die Regie, so dass die meisten innerstädtischen Kilometer elektrisch absolviert werden. Zwischen 0 und 100 km/h vergehen gemütliche 11,2 Sekunden, und bei 160 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Außerdem ist das so genannte E-Queing an Bord, so dass der Grande Panda im Stau zu einem E-Mobil mutiert. Die Zusammenarbeit der beiden Antriebe reduziert den Benzinverbrauch deutlich. Fiat verspricht 5,1 Liter für 100 Kilometer. Das Versprechen entspricht dann doch nicht ganz der Realität, doch sechs Liter sind in diesen Zeiten ein guter Wert.

Im Zeitalter des Retro-Designs wählten die Kreativen im Turiner Centro Stile im Stadtteil Mirafiori einen Mittelweg. Der Grande Panda besitzt zwar auf den ersten Blick erkennbare Elemente des Ur-Modells, aber gleichzeitig eine eigenständige Form, bei der wie beim Vorbild vor allem die praktischen Eigenschaften im Vordergrund stehen.

Der Mensch hinter dem Lenkrad blickt auf eine poppig bunte Umwelt, bei der die wichtigsten Bedienelemente problemlos erreichbar sind, und auch der Gang durch das Menü des zentralen Bildschirms verlangt kein aufwändiges Studium, ist vielmehr intuitiv ausgelegt. An Ablagen herrscht kein Mangel, die Sitze sind komfortabel und bieten ausreichend Seitenhalt. Das von Fiat ausgewählte Material „Bambox Bamboo Fiber Tex“ nutzt, wie könnte es in einem Panda anders sein, Bambusfasern für die Armaturentafel in der Topvariante La Prima.

Das Gepäckabteil fasst 412 Liter, was sich bei umgelegter Rückbank auf 1366 Liter steigern lässt. Allerdings erschwert die ziemlich hohe Ladekante das Beladen der Frachtabteilung. Vorne herrschen angenehme Raumverhältnisse, die den kleinen Fiat auch langstreckentauglich machen. Die bis zu drei Passagiere im Heck kommen sich konstruktionsbedingt hingegen näher als ihnen lieb ist.

Einmal in Fahrt zeigt sich die „große tolle Kiste“ von ihrer angenehmen Seite. Beim Start übernimmt zunächst der E-Motor die Regie, und wenig später beginnt der Dreizylinder sein Trommelspiel. Der kleine Verbrenner macht sich regelmäßig bemerkbar, wird aber nicht unangenehm. Überhaupt gehört der Grande Panda zu den akustisch zurückhaltenden Vertretern seiner Klasse. Erst jenseits 130 km/h machen sich Windgeräusche bemerkbar. Das Fahrwerk ist angenehm ausgelegt und gleicht die meisten Defizite der Infrastruktur aus. Lediglich bei gemeinen Querrillen wird es ein wenig ungemütlich. Die Lenkung ist präzise, die Bremsen greifen zuverlässig zu, und der Spurhalteassistent greift angenehm sanft ein. Wie bei vielen Stellantis-Modellen üblich, kann der Assistent über den Druck auf einen Schalter in den Ruhestand geschickt werden.

Die elektrische Reichweite ist angesichts des kleinen Akkus, der gerade 0,88 kWh leistet, überschaubar, doch dank der sehr guten Rekuperation beim Verzögern lädt der Energiespender schnell auf und liefert so zuverlässig den Strom für den E-Motor. So wird immer wieder ein „Segeln“ möglich. Um den E-Antrieb häufig einzusetzen, ist allerdings ein „sanfter Gasfuß“ angebracht.

Der Grande Panda kommt mit einem vollständigen Angebot an Fahrassistenten zu den Kunden. Dazu gehören unter anderem ein Tempomat, ein aktiver Notbremsassistent sowie der (mitunter nervige) Warner für zu schnelles Fahren (lässt sich ausschalten), und auch die Konnektivität ist ausreichend an Bord vertreten. Für die individuelle Gestaltung hat Fiat zudem mehr als 100 Komponenten auf Lager. Die Preisliste des Grande Panda Hybrid beginnt bei 19.900 Euro für die Variante Pop. Die Topversion La Prima kostet 24.990 Euro. (aum)

Daten Fiat Grande Panda Hybrid

Länge x Breite x Höhe (m): 3,99 x 1,76 x 1,58
Radstand (m): 2,54
Antrieb: R3-Benziner, 1200 ccm, MHD, FWD, 6-DCT
Leistung: 74 kW / 100 PS
Max. Drehmoment: 205 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 11,2 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 5,1 Liter
CO2-Emissionen: 130 g/km
Leergewicht / Zuladung: min. 1390 kg / max. 395 kg
Basispreis: 19.900 Euro

Veröffentlicht am 30.04.2026

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