Vom Patentmotorwagen zum DTM-Champion
Frankfurt wird vom 8. bis 12. September 2026 wieder zum Treffpunkt des internationalen Automotive Aftermarkets. Doch zwischen Diagnosegeräten, Werkstattausrüstung und Zukunftstechnologien erhält die Automechanika diesmal eine besonders reizvolle historische Note: Opel Classic ist erstmals mit einem eigenen Auftritt vertreten – und macht das erweiterte Oldtimer-Angebot der Fachmesse zur automobilen Zeitreise.
Im Freigelände, rund um den Stand F12 F74A, spannt die Marke aus Rüsselsheim den Bogen über mehr als ein Jahrhundert. Die Auswahl reicht vom Patentmotorwagen „System Lutzmann“ aus dem Jahr 1899 bis zu Rennwagen, die in der DTM und im Rallyesport für Furore sorgten. Es ist keine bloße Parade alter Modelle, sondern ein Streifzug durch Technikgeschichte, Design-Ikonen und sportliche Leidenschaft.
Ein Highlight ist der Opel Patentmotorwagen „System Lutzmann“. Er gilt als erstes in Rüsselsheim gebautes Opel-Automobil und rollte im Frühjahr 1899 vom Hof. Sein liegender Einzylinder mit 1.545 Kubikzentimetern leistet bei 650 Touren gerade einmal 3,5 PS. Über ein Zweiganggetriebe und Treibriemen gelangt die Kraft an die Hinterachse; bei rund 20 km/h ist Schluss.
Deutlich jünger, aber kaum weniger charakterstark, ist der Opel Blitz LF8 TSA. Das Löschfahrzeug steht für eine Zeit, in der der Name Blitz nicht nur für Nutzfahrzeugkompetenz, sondern auch für praktische Einsatzstärke stand. Auf dem Opel-Blitz-Fahrgestell transportierte die Feuerwehr bis zu neun Personen, eine Tragkraftspritze sowie die nötige Ausrüstung zur Brandbekämpfung.
Wie weit Opel zugleich in die Zukunft denken konnte, demonstriert der MAXX von 1995. Die Studie griff einen Gedanken auf, der heute aktueller wirkt denn je: ein Fahrzeug, das sich in Raumangebot, Ausstattung und Gestaltung möglichst individuell anpassen lässt. Der MAXX war damit kein klassisches Konzeptauto um seiner selbst willen, sondern eine frühe Vision flexibler Mobilität für den Einstieg in die Opel-Welt.
Eine Ikone mit Gänsehaut-Faktor
Für die emotionale Seite des Rüsselsheimer Erbes steht der Opel GT. Als er 1968 erschien, brachte er das Versprechen des großen Sportwagens in ein kompakteres Format. Seine schlanke Coke-Bottle-Linie, die Klappscheinwerfer und die niedrige Silhouette machten ihn zur Design-Ikone. Der Werbespruch „Nur Fliegen ist schöner“ gehört längst zum festen Bestand deutscher Automobilgeschichte – der GT selbst erst recht.
Noch kompromissloser wird es bei den Rennfahrzeugen. Der Manta Breitbau-Rennwagen „Targa Florio 1974“ erinnert an eine Ära, in der spektakuläre Formen und mechanische Direktheit den Motorsport prägten. Daneben verkörpert der Calibra V6 4x4 die Hightech-Seite der 1990er: 500 PS, Allradantrieb und sequenzielles Getriebe machten ihn zum ernsthaften Titelanwärter. 1996 gewann Opel mit dem Calibra die Internationale Tourenwagen-Meisterschaft.
Der Astra Kit Car wiederum steht für die Rallye-Ambitionen der Marke um die Jahrtausendwende. Als seriennaher Wettbewerbswagen der Formel-2-Kit-Car-Klasse war er national wie international im Einsatz und zeigt, wie weit sich eine Großserienbasis mit dem richtigen technischen Aufwand vom Alltag entfernen kann. (aum)
Veröffentlicht am 24.08.2026
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