2025-12-28 14:41:00 Automobile

Vor 100 Jahren ging ein Stern auf

Carzoom.de
Fotos: Mercedes-Benz via Autoren-Union Mobilität

Seit 1926 prägen die Autos von Mercedes-Benz die Automobilgeschichte. Mit wegweisenden Modellen und fortschrittlicher Technologie hat die Marke zahlreiche Meilensteine im Fahrzeugbau geschaffen. Im kommenden Jahr wird Mercedes 100 Jahre alt.

Wenn ein Hersteller von sich behaupten kann, dass er immensen Einfluss auf die Geschichte des Automobils hatte, dann ist es Mercedes-Benz. Denn die Urväter der Marke waren die Erfinder des Automobils. Und 2026 stehen etliche runde Jubiläen in diesem Zusammenhang an. Etwa 140 Jahre seit der „Geburtsurkunde des Automobils“. Denn auf den 29. Januar 1886 datiert das Patent, das Carl Benz auf das von ihm erfundene, dreirädrige „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ erhielt. Im gleichen Jahr 1886 stellte Gottlieb Daimler zudem seine „Motorkutsche“ vor: das erste Automobil mit vier Rädern. Von Mercedes-Benz sprach zu der Zeit freilich noch niemand. Denn unter diesem Markennamen werden erst seit dem Jahr 1926 Fahrzeuge vertrieben – nachdem Benz & Cie. und die Daimler-Motoren-Gesellschaft im Sommer vor demnächst 100 Jahren zur Daimler-Benz-AG fusionierten.

Seither prägten zahlreiche Innovationen nicht nur die Unternehmensgeschichte, sondern auch die Autowelt insgesamt. Einige besondere Fahrzeuge feiern 2026 ebenfalls ein Jubiläum. Zum Beispiel der Mercedes-Benz 300. Im kommenden Jahr ist es 75 Jahre her, dass das Oberklasse-Modell auf der ersten Nachkriegs-IAA 1951 in Frankfurt vorgestellt wurde. Besser bekannt ist der Wagen mit Sechszylinder-Reihenmotor heute unter dem Spitznamen „Adenauer“. Den erhielt das Modell aus dem einfachen Grund, dass sich Deutschlands erster Bundeskanzler für den Mercedes-Benz 300 als Dienstwagen entschied: Konrad Adenauer. Am 8. Dezember 1951 übergab Mercedes-Benz den Repräsentationswagen in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn an den Regierungs-Fuhrpark. Adenauer ließ sich anschließend in insgesamt sechs unterschiedlichen 300er-Modellen chauffieren. Selbst nahm er übrigens nie hinter dem Steuer Platz: Der erste Bundeskanzler besaß keinen Führerschein.

Der „Adenauer“-Benz war nicht das einzige Modell, das vor 75 Jahren auf der IAA 1951 debütierte. Mercedes-Benz zeigte dort auch die Baureihe W 187, Verkaufsbezeichnung Mercedes-Benz 220. Dabei handelte es sich um ein weiteres Oberklasse-Modell. Und zwar nicht um irgendeines, denn der Wagen, der bis 1954 gebaut wurde, gilt heute als Vorläufer der S-Klasse. Das erste Modell mit diesem Namen – die Baureihe 116 – kam dann im Jahr 1972 auf den Markt. Die S-Klasse wurde zum wohl prestigeträchtigsten Modell von Mercedes-Benz. Bis heute ist sie das technologische Flaggschiff. Denn im Laufe der Jahre punktete die Baureihe stets mit technischen Innovationen. 1978 etwa war das Modell das erste mit einem Antiblockiersystem (ABS) an Bord. Drei Jahre später, 1981, folgte die Weltpremiere des Airbags und des Gurtstraffers. Heute ist die S-Klasse als erstes Modell von Mercedes und eines der ganz wenigen Autos überhaupt dazu in der Lage, autonom auf Level 3 zu fahren. Heißt: Bei Geschwindigkeiten bis zu 95 km/h übernimmt der so genannte Drive Pilot die Fahraufgaben. Die Fahrerin oder der Fahrer kann hingegen währenddessen Zeitung lesen oder Filme schauen.

An derartiges war 1951 noch nicht zu denken. Dennoch arbeitete Mercedes-Benz auch damals an fortschrittlichen Technologien. So debütierte zum Beispiel in dem Jahr auf dem Pariser Autosalon auch der sportlich-luxuriöse 300 S (W 188). Der Zweitürer, der als Cabrio, Coupé und Roadster erhältlich war, war damals mit einer Spitzengeschwindigkeit von 175 km/h das schnellste deutschen Serienauto. Wobei das Wort Serie in diesem Fall einer Erklärung bedarf. Denn mit insgesamt lediglich 760 produzierten Einheiten ist der Mercedes 300 S sogar rarer als etwa der ikonische Flügeltürer 300 SL, der 1954 vorgestellt wurde.

Neben dem S-Klasse-Vorläufer feiert 2026 ein weiteres Modell mit erheblicher Bedeutung ein rundes Jubiläum, der Mercedes-Benz W 123 feiert seinen 50. Geburtstag. Er wurde 1976 vorgestellt. Das Modell der oberen Mittelklasse, das bis 1986 insgesamt 2,7 Millionen gefertigt wurde, gilt heute als der Vorläufer der E-Klasse; diese Bezeichnung wurde schließlich im Jahr 1993 eingeführt.

Schon kurze Zeit später, im Jahr 1996 und damit bald vor 30 Jahren, standen zwei weitere wichtige Premieren für Mercedes an. Die Marke aus Stuttgart brachte zum einen den neuen SLK auf den Markt: Ein neuer Roadster, der über ein automatisch schließendes Dach aus Stahl verfügte – Mercedes nannte die neue Konstruktion Vario-Dach. Ein weiterer Mercedes schrieb in dem Jahr ebenfalls Geschichte, nämlich der Mercedes-Benz C 36 AMG. Das Auto wurde 1996 zum ersten Mercedes-Safety-Car in der Formel 1. Beim Großen Preis von Frankreich auf der Rennstrecke in Magny-Cours debütierte der Wagen. Bis heute vertraut die Formel 1 auf Safety-Cars der Marke mit dem Stern.

Mercedes-Benz hat jedoch nicht nur durch deshalb eine enge Bindung zur Formel 1. Sondern diese geht bereits auf das Jahr 1954 zurück. Damals starteten die berühmten Silberpfeile erstmals in der nach dem Krieg neu gegründeten Motorsport-Königsklasse. Der argentinische Rennfahrer Juan Manuel Fangio konnte sich im Mercedes W 196 direkt im Debütjahr den Weltmeistertitel sichern und im Folgejahr, ehe sich Mercedes vorübergehend aus der Rennserie zurückzog, den Triumph wiederholen. Noch erfolgreicher war der Brite Lewis Hamilton mehr als ein halbes Jahrhundert später. Mercedes-Benz, inzwischen in die Formel 1 zurückgekehrt, war die Marke, mit der Hamilton sechs seiner bislang insgesamt sieben WM-Titel gewann.

Diese und weitere Geschichten der Mercedes-Benz-Historie lassen sich seit nun bald 20 Jahren konzentriert und spektakulär inszeniert nachvollziehen. Am 19. Mai 2006 eröffnete in unmittelbarer Nähe des Stammwerks im Stuttgarter Ortsteil Untertürkheim nämlich das große Mercedes-Benz-Museum. Mehr als 14 Millionen Besucher waren dort bereits zu Gast und tauchten in die Historie der Marke ein, die wie keine andere die Geschichte des Automobils geprägt hat.

Eines ist jetzt schon sicher: Diese Story wird weiter fortgeschrieben – und zwar in ganz großem Maßstab. Erst kürzlich gab Mercedes bekannt, in Dubai eine eigene Mercedes-Benz-Stadt aus dem Boden zu stampfen. Auf einer Fläche von rund 836.000 Quadratmetern soll im Dubai-Stadtteil Meydan ein Multi-Tower-Komplex mit Luxusappartements, Wellness- und Sport-Bereichen, Parkanlagen sowie diversen weiteren Bauten entstehen. Mal sehen, ob der Erfinder des Automobils nun auch den Städtebau revolutionieren wird. (aum)

Veröffentlicht am 28.12.2025

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