Youngtimer für den Alltag statt Gold für die Garage
Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) steigt der Bestand an Pkw mit Oldtimerstatus in Deutschland kontinuierlich: Von 793.589 Fahrzeugen im Jahr 2023 auf 846.562 (plus 6,7 Prozent) im Folgejahr und 888.355 (+4,9 %) zu Beginn vergangenen Jahres. 2025. Die Gesamtzahl der Autos, die 30 Jahre und älter sind, lag bereits im vergangenen Oktober bei über 1,55 Millionen. Zu diesen klassischen Oldtimern kommt eine große Zahl an Youngtimern mit einem Alter von mehr als 20 Jahren. Hier liegt der aktuelle Bestand bei über 4,65 Millionen Fahrzeugen. Diese Werte deuten bereits auf eine Verschiebung des historischen Fahrzeugmarktes hin.
Abgesehen von echten Kultmodellen wie dem VW Käfer oder Mercedes-Benz 300 SL verlieren traditionelle Oldtimer aus der Zeit vor 1970 ein wenig an Attraktivität. Gleichzeitig steigt aber das Interesse an den jüngeren Klassikern. Vieles deutet darauf hin, dass dieser Trend eng mit dem Generationenwechsel unter den Käufern zusammenhängt. Dieser Sammler-Nachwuchs ist heute 40 oder 50 Jahre alt und bevorzugt Autos, die sie aus ihrer Jugend kennen, möglichst im Originalzustand und mit geringer Laufleistung. Zudem ist eine Abkehr vom reinen Anlageobjekt, dem so genannten Garagengold, hin zu einem technisch zuverlässigen historischen Fahrzeug zu beobachten, das deutlich mehr im Alltag eingesetzt werden kann, stellt der AvD fest. Modelle wie der BMW 3er (E36), Porsche 944 oder VW Golf IV stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die gute Verfügbarkeit von Original-Ersatzteilen sowie qualifiziertem Fachpersonal für Wartung und Instandhaltung.
Diese veränderte Nachfrage führt zu unterschiedlichen Wertentwicklungen. Die Historic Automobile Group International (HAGI) erhebt seit Jahrzehnten weltweit Fahrzeug- sowie Transaktionsdaten und veröffentlicht regelmäßig Indizes zur Preisentwicklung klassischer Automobile. Demnach sind insbesondere bei Fahrzeugen mit hoher Verfügbarkeit Preisrückgänge zu verzeichnen. Dies ist beispielsweise bei den Pagoden von Mercedes-Benz aus den 60er-Jahren oder beim Porsche 911 F-Modell (1965–1973) zu beobachten.
Doch es geht nicht ausschließlich um Hersteller und Typen, wie Dietrich Hatlapa erläutert: „Zustand, Historie und Dokumentation sind ebenso entscheidend für die Wertentwicklung“, sagt der HAGI-Experte. „Der Markt ist sehr selektiv.“ So berichtet Hatlapa von einem BMW Z3 M, der deutlich über dem marktüblichen Preis verkauft wurde. Dieses Modell gehört eigentlich zu den produktionsstärkeren, entscheidend für den Preis war jedoch eine seltene Farbe.
Festzuhalten bleibt, dass Old- und Youngtimer weiterhin voll im Trend sind. Klassik-Messen, wie die Techno-Classica in Essen (zuletzt knapp 200.000 Besucher) oder die Retro Classics in Stuttgart (fast 80.000) verzeichneten auch in 2025 wieder steigende Besucherzahlen und immer mehr Aussteller. Der Deutsche Oldtimer-Index (DOX) entwickelt sich seit Jahren positiv und gibt unter den Fahrzeugen mit der größten Wertentwicklung den Ford Taunus 20 M (23,8 Prozent Zuwachs) sowie den Opel Rekord C 1700 (11,4 Prozent) an. (aum)
Veröffentlicht am 05.02.2026





