2026-05-25 08:21:00 Automobile

125 Jahre Motorsport bei Skoda (1): Der erste Sieg wurde nicht anerkannt

Carzoom.de
Fotos: Auto-Medienportal.Net/Skoda

Skoda führt den Beginn seiner Motorsport-Ära auf einen Motorraderfolg im Juni 1901 zurück. Seinerzeit errang Narcis Podsednícek auf einer Slavia B der Vorläuferfirma Laurin & Klement beim fast 1200 Kilometer langen Rennen Paris–Berlin einen Sieg, der im Ziel allerdings nicht offiziell bestätigt wurde. Der Werksfahrer war als einer von insgesamt zehn Teilnehmern in der Zwei- und Dreiradkategorie. Podsednícek erreichte Berlin nach drei Tagen als Erster seiner Klasse. Sein Triumph überraschte auch deshalb, weil niemand mit ihm gerechnet hatte, als er morgens um drei Uhr durch das Ziel fuhr: Das Zeitnahmebüro war geschlossen und kein Rennkommissar erreichbar. Narcis Podsednícek ließ sich die Ankunft deshalb zunächst von örtlichen Polizisten bestätigen. Der Veranstalter erkannte die Aufzeichnung der Schutzmänner jedoch nicht an und kürte stattdessen vier Franzosen auf Dreirädern der Marke De Dion-Bouton zu den Gewinnern.

Trotz des unglücklichen Ausgangs wurde schnell klar, dass Siege im Motorsport das Geschäft und damit auch die Entwicklung des aufstrebenden Unternehmens aus Mladá Boleslav beflügeln würden. Aus diesem Grund begannen Václav Laurin und Václav Klement bereits unmittelbar nach der Premiere des ersten Automobils des Unternehmens, der Voiturette A, mit dem Bau eines Rennwagens. Diese Strategie erwies sich als erfolgreich: Mit einer Leistung von 9 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h belegten drei Voiturette B von L & K 1906 beim berühmten Semmering-Rennen in Österreich den ersten, zweiten und vierten Platz.

Die Fahrzeuge von Laurin & Klement behaupteten sich in den folgenden Rennen im In- und Ausland gegen die Konkurrenz und zogen noch mehr Aufmerksamkeit auf den Automobilhersteller. Das Modell FC, das auf der F-Serie der Personenkraftwagen basierte, garantierte in dieser Zeit den Erfolg. Zwischen 1907 und 1909 entwickelte der Konstrukteur, Rennfahrer und Chefingenieur Otto Hieronimus 19 Fahrzeuge dieses Typs, die sich sowohl im Aussehen als auch in der Technik unterschieden. Je nach Klassifizierung hatten die Reihenvierzylinder des L & K FC Hubräume zwischen 2,0 und 2,5 Litern mit unterschiedlichen Bohrungs- und Hubmaßen. In allen Fällen wurden die Hinterräder über ein Drei-Gang-Getriebe angetrieben.

1908 war ein besonders erfolgreiches Jahr für den jungen Automobilhersteller. Im März ging er mit mehreren Fahrzeugen in verschiedenen Klassen beim Bergrennen von Zbraslav-Jíloviste an den Start und sicherte sich sechs erste und fünf zweite Plätze sowie einen dritten Platz. In Ries bei Graz feierte Laurin & Klement einen Doppelsieg in der Zwei-Liter-Klasse. Otto Hieronimus selbst belegte bei einer Langstreckenfahrt von St. Petersburg nach Moskau über 686 Kilometer den ersten Platz in seiner Klasse und bewies damit die Zuverlässigkeit der von ihm konstruierten Fahrzeuge. Auch bei der anspruchsvollen Prinz-Heinrich-Fahrt in Deutschland ließ der L & K FC die Konkurrenz hinter sich. Über neun Tage führte die Strecke über 2200 Kilometer von Berlin über Kiel und Hamburg nach Hannover, Köln und Trier, bevor die Teilnehmer das Ziel in Frankfurt am Main erreichten.

Doch damit gab sich Otto Hieronimus nicht zufrieden; er konstruierte den Laurin & Klement FCS, der über einen OHV-Motor mit 3,5 Litern Hubraum verfügte. Beim Bergrennen am Semmering in Österreich belegte die Marke auf Anhieb die ersten drei Plätze in ihrer Klasse. 1908 startete Hieronimus in Brooklands in Großbritannien auf der weltweit ersten Strecke, die ausschließlich für Rennen und Testfahrten gebaut worden war. Auf dem 5,2 Kilometer langen Oval mit zwei Steilkurven erreichte er eine Geschwindigkeit von 118,72 km/h und stellte damit einen neuen Geschwindigkeitsrekord für die FCS-Fahrzeugklasse auf.

Die leistungsstärkste und kompromissloseste Variante des FC war 1909 der FCR. Er hatte eine schlanke Karosserie und einen pfeilförmigen Kühler und erreichte bei einem Hubraum von 5,6 Litern eine Leistung von 100 PS. Die Höchstgeschwindigkeit betrug für damalige Verhältnisse erstaunliche 140 km/h. Das Fahrzeug feierte sein Debüt am Semmering, wo Hieronimus sofort einen weiteren Klassensieg errang. Außerdem gewann er 1911 die Gesamtwertung bei den Bergrennen Zbraslav-Jíloviste und Triest-Opicina.

Der erfolgreiche Rennfahrer Alexander „Sascha“ Graf Kolowrat-Krakowsky war eine weitere Persönlichkeit, die in dieser Zeit starken Einfluss auf die Unternehmensentwicklung hatte. Der in den USA aufgewachsene böhmische Adlige entschied sich gegen ein Agrarstudium in der Schweiz und verbrachte seine Zeit stattdessen in der Werkstatt, wo er Rennwagen aufmotzte. „Graf Kilowatt“, wie ihn seine Freunde nannten, fand immer wieder unkonventionelle Lösungen. Es waren diese Improvisationsgabe und sein Einfallsreichtum, die ihm 1908 den Sieg beim Bergrennen in Gaillon, Frankreich, ermöglichten. Am 10. Oktober meldete sich Graf Kolowrat unter dem Pseudonym Doconald für das Rennen an, da er nicht wollte, dass sein Vater in Amerika von seinen Rennaktivitäten erfuhr.

Kolowrat wartete jedoch vergeblich auf seinen Laurin & Klement FC, der per Bahn in einer Holzkiste geliefert werden sollte. Also beschloss er, auf den Laurin & Klement Typ F zu setzen, mit dem er angereist war. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Fahrzeug bereits 18.000 Kilometer auf dem Tacho, eine für damalige Verhältnisse beachtliche Laufleistung. „Sascha“ und ein Mechaniker verbrachten die Nacht damit, seinen L & K FC für das Rennen vorzubereiten; die beiden bauten alles aus dem Auto aus, was für den Wettbewerb nicht unbedingt notwendig war. Sie entfernten sogar die Sitze und montierten an deren Stelle kleine Holzkisten ohne Rückenlehnen. Durch die Gewichtsoptimierung des Fahrzeugs gelang es Graf Kolowrat, das Leistungsdefizit seines Wagens auszugleichen. In seiner Klasse schlug er alle sieben Konkurrenten. (aum)

Veröffentlicht am 25.05.2026

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