125 Jahre Motorsport bei Skoda (2): Der Laurin & Klement RK macht zweimal Karriere
Der Laurin & Klement RK erinnert an ein fast vergessenes Kapitel der Automobilgeschichte: die Reichenberger Automobil Fabrik (RAF). Das Unternehmen, das im heutigen Liberec tätig war, spezialisierte sich auf maßgeschneiderte Luxusfahrzeuge. Sein Gründer war Baron Theodor von Liebieg, einer der ersten Autobesitzer in Mitteleuropa. Als die kostspielige Produktion von Karosserien für von Liebieg allmählich unrentabel wurde, suchte er nach einer Lösung. Gleichzeitig war er auch Vorstandsmitglied bei Laurin & Klement, so dass eine Übernahme durch das aufstrebende und effizientere Unternehmen aus Mladá Boleslav naheliegend war. Die Fusion erfolgte 1912 vollzogen.
Unmittelbar vor dem Verkauf hatte von Liebieg jedoch vom schwäbischen Spezialisten Daimler die Lizenz zum Bau von ventillosen Schiebermotoren für den RAF 18/50 PS erworben. Diese basierten auf dem so genannten Knight-Prinzip und galten damals als bahnbrechend. Im Jahr 1913 nahm Laurin & Klement das Luxus-Landaulet unter dem Namen RK praktisch unverändert in die eigene Modellpalette auf. Die Modellbezeichnung stand für „RAF-Knight“. Der aus dem Karosseriebau stammende Begriff Landaulet bezeichnet Automobile mit einer teilweise geschlossenen Karosserie, deren hinterer Dachteil wie bei einem Cabriolet geöffnet werden kann. Bis 1915 rollten 116 Exemplare des RK aus den Werkstoren in Mladá Boleslav.
Die sportliche Variante des Modells für Graf Kolowrat wurde 1913 gebaut. Das 1400 Kilogramm schwere Fahrzeug verfügte über einen 4712 Kubikzentimeter großen Schiebermotor mit 50 PS (37 kW). Der Vierzylinder übertrug seine Kraft über eine Lamellenkupplung auf ein Vier-Gang-Getriebe, dessen höchster Gang als Direktantrieb ausgelegt war. Längs angeordnete halbelliptische Federn bildeten das Fahrwerk. Es verfügte zudem über eine Schraubenspindellenkung. Neben einer handbetätigten Trommelbremse für die Hinterräder waren zwei Fußbremsen eingebaut, die jeweils auf die Drehmomentübertragung wirkten, eine vor dem Getriebe und die andere dahinter.
Graf „Sascha“ nutzte den Laurin & Klement RK als Privatwagen, nahm aber 1913 und 1914 auch erfolgreich mit ihm an der Alpenrallye teil, einem der beliebtesten Langstreckenrennen jener Zeit. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, stellte er das Fahrzeug dem Militär zur Verfügung. Bis 1916 hatte es 70.000 Kilometer ohne größere technische Probleme zurückgelegt – eine für damalige Verhältnisse bemerkenswerte Laufleistung. Nach Kriegsende gelangte der Laurin & Klement RK zurück zu seinem Besitzer, der als Aktionär freundschaftliche Beziehungen zum Hersteller unterhielt. Kolowrat-Krakowsky hatte daher keine Schwierigkeiten, die Firma davon zu überzeugen, das mittlerweile acht Jahre alte Fahrzeug umzubauen. Es erhielt einen neuen Vier-Zylinder-Rennmotor mit obenliegenden Ventilen und doppelter elektrischer Magnetzündung, der aus unverändertem Hubraum 75 PS (55 kW) lieferte. Von da an trug das Modell die Bezeichnung RK/M.
Nach dem Umbau stieg die Höchstgeschwindigkeit des Wagens von ursprünglich 90 bis 100 km/h auf bis zu 125 km/h. Mit Frantisek Svoboda am Steuer feierte der Laurin & Klement RK/M in der ersten Hälfte der 1920er-Jahre zahlreiche Erfolge auf heimischen Rennstrecken. Er gewann 1921 die Internationale Zuverlässigkeitsfahrt der Tschechoslowakei, triumphierte im folgenden Jahr beim Schöber-Rennen in der Klasse bis 5,3 Liter Hubraum und setzte auch bei Bergrennen Maßstäbe; Svoboda belegte beim Bergrennen Zbraslav – Jíloviste den dritten Platz.
In den folgenden Jahrzehnten wurde Kolowrats Auto mehrfach überholt und modifiziert und steht heute im Prager Nationalen Technischen Museum. 2015 gewann es eine der Hauptkategorien des Oldtimer-Eleganzwettbewerbs auf Schloss Loucen. (aum)
Veröffentlicht am 27.05.2026
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