125 Jahre Motorsport bei Skoda (5): Der Traum vom zweiten Le-Mans-Start platzt
Das neue Modell basierte auf einem Gitterrahmen aus dünnwandigen, miteinander verschweißten Stahlrohren, während der Vorgänger sowie der Super Sport noch modifizierte Serienfahrwerke besaßen. Um ein bestmögliches Fahrverhalten zu erreichen, wurde die Last optimal auf beide Achsen verteilt. Kupplung, Fünf-Gang- und Verteilergetriebe waren im Heck untergebracht, wo sie eine zusammenhängende Baugruppe bildeten.
Der Antriebsstrang des Skoda 1100 OHC bestand aus einem längs eingebauten Vierzylinder-Reihenmotor mit Doppelzündung und zwei im Zylinderkopf angeordneten Nockenwellen. Aus einem Hubraum von 1089 Kubikzentimetern erzeugte er eine für die damalige Zeit beeindruckende Leistung von 92 PS bei 7700 Umdrehungen in der Minute (die Maximaldrehzahl lag bei 8.500 U/min). Das entsprach einer Literleistung von knapp 85 PS. Ursprünglich lief der Motor mit hochoktanigem Flugbenzin, das über zwei Doppelvergaser der tschechoslowakischen Marke Jikov und später des italienischen Herstellers Weber zugeführt wurde.
Auch die Einzelradaufhängung spielte eine wichtige Rolle. Die Lenkung wurde über ein Dreispeichenlenkrad bedient, das zum leichteren Einsteigen abgenommen werden konnte. Ein weiteres fortschrittliches Element für die damalige Zeit war die Torsionsstabfederung der von Borrani hergestellten 15-Zoll-Speichenräder. Dank der Verwendung von glasfaserverstärktem Kunststoff wog der 3,88 Meter lange, 1,43 Meter breite und nicht einmal ein Meter hohe Rennwagen nur 583 Kilogramm. Damit erreichte der Skoda 1100 OHC konkurrenzfähige Beschleunigungswerte und eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 190 und 200 km/h, je nach Übersetzungsverhältnis. Dazu trug auch der geringe Luftwiderstand der von Designer Jaroslav Kindl entworfenen Karosserie bei. Die erste Modellvariante besaß noch zwei Klappscheinwerfer, die jedoch bald durch eine für den Rennsport geeignetere Lösung ersetzt werden mussten. Das zweite Modell verfügte über zwei feststehende Scheinwerfer, die unter aerodynamischen Glasabdeckungen montiert waren.
Der 1100 OHC feierte bei seiner öffentlichen Premiere sofort einen Sieg: Auf dem Stadtkurs in Mladá Boleslav gewann der erfahrene Werksfahrer Miroslav Fousek Ende Juni 1958 das Rennen. In den folgenden Jahren saßen auch die Rennfahrer Václav Bobek sen., Václav Cízkovský, Josef Vidner und Jaroslav Bobek am Steuer des schnellen Skoda. Neben Motorsportveranstaltungen im eigenen Land feierten Fahrer auch im Ausland Erfolge, obwohl der 1100 OHC aufgrund der schwierigen politischen Lage Ende der 1950er und 1960er Jahre nur in kommunistischen Ländern an den Start gehen konnte. Die Pläne für eine Teilnahme am 24-Stunden-Rennen von Le Mans wurden daher nicht verwirklicht.
Auf die beiden Fahrzeuge mit offenen GFK-Karosserien, die Ende 1957 und Anfang 1958 entstanden, folgten 1959 zwei geräumigere Coupé-Varianten mit geschlossenen Karosserien aus Aluminiumblech. Dennoch gelang es den Ingenieuren, das Gewicht der Coupés auf nur 555 Kilogramm zu begrenzen und dabei die gleiche Höchstgeschwindigkeit beizubehalten.
Die offenen Versionen des Rennwagens sind noch erhalten. Das Exemplar aus dem Skoda-Museum nimmt regelmäßig an Oldtimer-Veranstaltungen im In- und Ausland teil. Das zweite Fahrzeug befindet sich im Besitz von Skoda UK und wird vor allem in Großbritannien für Promotionzwecke eingesetzt. Die beiden Coupés wurden bei Unfällen zerstört, eines wurde von Skoda wieder aufgebaut. (aum)
Veröffentlicht am 03.06.2026



























