125 Jahre Motorsport bei Skoda (9): Der Spider fand ein kurioses Ende
Abgesehen von der markanten Aluminiumkarosserie, die sich vorne und hinten hochklappen ließ, verwendeten die Konstrukteure für den Bau des Skoda Spider B5 hauptsächlich modifizierte Teile aus dem Serienmodell 110 L. Der Vierzylindermotor war hingegen ein Prototyp aus dem Skoda 720 und leistete 150 PS. Er wurde beim Spider vor der Hinterachse montiert.
Es wurde 1972 nur ein einziger dieser Rennwagen gebaut, der sich durch kompakte Abmessungen mit einer Länge von 3650 Millimetern, einer Breite von 1700 mm und einer Höhe von 850 mm auszeichnete. Der Hubraum des Motors stieg im Laufe der Jahre von ursprünglich 1,5 auf 1,6 und schließlich auf 1,8 Liter. In der letzten Saison 1975 kam zudem ein Motor mit 2,0 Litern Hubraum zum Einsatz, der je nach Gesamtübersetzung eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h ermöglichte. Die Konstrukteure statteten den Rennwagen zunächst mit einem Fünfgang-Renngetriebe aus dem Tatra 603 aus, ersetzten dieses jedoch bald durch ein selbst entwickeltes Getriebe.
Abgesehen von einer überarbeiteten Lenksäule entsprach die Lenkung der des Serienmodells. Modifizierte Serienbremsen (Scheibenbremsen nur vorne) sorgten für die nötige Verzögerung. Die Doppelquerlenkerachse vorne und die Schwingachse hinten basierten auf den entsprechenden Serienkomponenten des Skoda 110. Dessen Schraubenfedern und Stoßdämpfer waren für ein Fahrzeuggewicht von nur 630 Kilogramm ausgelegt. Auf den 13-Zoll-Aluminiumfelgen waren Dunlop-Rennreifen montiert.
Sein etwas unberechenbares Fahrverhalten brachte dem Spider B5 den Spitznamen „Skokan“ ein, was auf Tschechisch „Springer“ bedeutet. Stammfahrer Jaroslav Bobek stammte aus einer berühmten Motorsportdynastie. Sein älterer Bruder Václav war seit Ende der 1940er-Jahre erfolgreich mit Skoda-Fahrzeugen unterwegs. Sein Sohn Václav Bobek Jr. nahm 1975 und 1976 am Steuer des Spider B5 an tschechoslowakischen Bergrennen teil, der schließlich als Exponat im Werksmuseum landete. Jaroslav Bobek wechselte in dieser Zeit nach zahlreichen Siegen auf Rundstrecken und bei Bergrennen im In- und Ausland auf den moderneren Spider II Typ 733 mit 2,0-Liter-Motor und gewann 1972 und 1974 zwei Meisterschaften.
Der Skoda Spider II feierte Mitte der Saison 1975 sein Debüt. Die Karosserie musste neu entwickelt werden, da sie ursprünglich gemäß den technischen Vorschriften für Fahrzeuge bis
2000 ccm in der Europäischen Sportwagen-Meisterschaft gebaut worden war. Zu diesem Zweck wurden unter anderem die Aerodynamik-Experten des Flugzeugherstellers Aero hinzugezogen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Spider B5, der über eine modifizierte Standard-Bodenplattform verfügte, basierte der Spider II vorne auf einem selbsttragenden Skelett. Dieses wurde aus dünnem Stahlblech punktgeschweißt, und die daraus resultierende Gitterkonstruktion trug den leistungsstarken Motor.
Der Aluminium-Motor der 720-Serie von Skoda verfügte entweder über eine OHC- oder DOHC-Ventilsteuerung, Trockenölschmierung und leistete bis zu 180 PS. Das FT-200-Getriebe, Girling-Bremsen und Koni-Stoßdämpfer wurden importiert. Die Aufhängung der 13-Zoll-Räder mit Doppelquerlenkern vorne und Mehrlenkerachse hinten entsprach dem damaligen Stand der Technik in europäischen Rennwagen. Die Reifen stammten von Goodyear. Mit einem Leergewicht von 585 kg erreichte der Spider II je nach Übersetzung eine Höchstgeschwindigkeit von 200 bis 240 km/h und beschleunigte in nur vier Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Jaroslav Bobek bestritt in der Saison 1975 mehrere Rennen mit diesem Prototyp, darunter das berühmte Bergrennen Ecce Homo in Sterberk. Dort gelang es ihm als erstem Starter überhaupt, eine Zeit von unter vier Minuten zu erzielen. Auch bei anderen Rennen gehörte der Spider II zur Spitzengruppe und holte mehrere Siege. Die Karriere des bis dahin schnellsten Fahrzeugs von Skoda überhaupt endete mit einem ungewöhnlichen Unfall beim Bergrennen in Hlásná Trebán. Der siegreiche Jaroslav Bobek überquerte die Ziellinie und kollidierte mit einem anderen Auto, das aus unbekannten Gründen im Zielbereich rückwärts fuhr. Die Fahrer blieben unverletzt, doch das selbsttragende Skelett wurde so stark beschädigt, dass das Auto damals nicht repariert wurde.
Heute ist der Spider B5 eines der wertvollsten Exponate des Skoda-Museums in Mladá Boleslav. (aum)
Veröffentlicht am 08.06.2026
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