Auch Motorradfahrer fahren häufig (zu) dicht auf
„Fast die Hälfte der Motorradfahrenden benötigt mehr Strecke zum Bremsen als zuvor geschätzt. Der Bremsweg wird also zu großen Teilen zu kurz eingeschätzt“, verweist IfZ-Leiter Matthias Haasper auf die jüngste Studie des Instituts aus Essen. Dabei spielt keinesfalls mangelnde Routine eine Rolle. Auch diejenigen, die im Jahr viele Kilometer auf zwei Rädern zurücklegen, haben oft Schwierigkeiten einzuschätzen, wie ihr Bremswege bei verschiedenen Geschwindigkeiten ausfällt. Sie verschenken durch zu geringen Abstand wertvollen Raum für ihre Sicherheit. Viele gehen zudem irrtümlich davon aus, mit dem Motorrad grundsätzlich schneller zum Stehen zu kommen als ein vorausfahrender Pkw. „Ein klassischer Irrglaube“, betont Haasper.
Die Studienergebnisse zeigen zudem ein grundlegendes Wahrnehmungsproblem: Viele Motorradfahrer wissen zwar, wie viele Meter Abstand theoretisch sinnvoll wären, können diese Distanz im Straßenverkehr jedoch nur schwer korrekt einschätzen. Dadurch kann es passieren, dass sie dichter auffahren, als sie selbst glauben: Der gewünschte Abstand wird zwar gedanklich festgelegt, im realen Verkehrsgeschehen jedoch häufig deutlich kürzer umgesetzt.
Gemeinsam mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat startet das IfZ daher heute die Kampagne „#AbstandKommtAn“ und setzt dabei mit Motiven, die vor allem über Social Media viral gehen sollen, auf klare Botschaften, anschauliche Beispiele und praxisnahe Tipps. „Anders als im Auto fehlt auf dem Motorrad die schützende Karosserie, was den notwendigen Abstand umso wichtiger macht. Kommt es zu einer abrupten Bremsung des Vorausfahrenden, kann ein zu geringer Abstand schnell sehr gefährlich werden“, unterstreicht Kay Schulte, Referatsleiter Unfallprävention beim DVR.
Laut IfZ-Studie fällt es den meisten sehr schwer, benötigte Bremswege richtig einzuschätzen, was sie auch selbst bestätigen. Als Bemessungsgrundlage für ihre Schätzungen geben 58 Prozent das „Bauchgefühl“ an. Damit dürfte jedem schnell klar werden, wie wichtig es ist, größere Abstände einzuhalten. Mehr Luft nach vorn ist sicherlich die beste „Knautschzone“ auf dem Motorrad: rechtzeitiger sehen, was kommt, mehr Zeit zum Reagieren und mehr Raum zum Bremsen. Das bedeutet mehr Kontrolle im Straßenverkehr und weniger Risiko bei unerwarteten Manövern Vorausfahrender. Ein paar Meter mehr können im Ernstfall entscheidend sein. (aum)
Veröffentlicht am 16.04.2026
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