2021-04-16 10:01:00 Automobile

AvD und Dekra testen Felgenpflegemittel

Kaum ein anderes Ausstattungsdetail dominiert den optischen Auftritt eines Autos wie die Felgen. Sie rangieren bei der werksseitigen Sonderausstattung wie auch bei der Nachrüstung ganz weit vorn in der Beliebtheitsskala. Auch wenn der Stückpreis schnell mehrere Hundert Euro ausmacht oder exklusive Komplettsätze den Aufpreis mit Leichtigkeit über 2000 Euro treiben. Leider reagieren Aluminium, Magnesium oder Titan unschön auf Verschmutzungen mit Bremsstaub und Schmutz oder die Salzkruste, die sich nach den kalten Monaten auf Kreuz- oder V-Speichen abgelagert hat. Damit die Ästhetik erhalten bleibt und dem „Felgenfraß“ Einhalt geboten wird, ist spätestens jetzt die Zeit für eine gründliche Reinigung gekommen. Die schlechte Nachricht: Viele Waschanlagen scheitern an der Aufgabe, die Felgen korrekt und tiefgehend vom Schmutz zu befreien.

Um sie nicht nur sauber, sondern auch rein zu bekommen, ist Handarbeit gefragt. In den Regalen von Zubehörlieferanten und Baumärkten finden sich ganze Kohorten spezieller Pflegemittel für Leichtmetallfelgen. Was die taugen, hat der Automobilclub von Deutschland jetzt gemeinsam mit den Experten des Labors für Umwelt- und Produktanalytik der DEKRA in einem Test mit überraschendem Ergebnis untersucht. Sechs höherwertige Produkte für den Privatgebrauch haben die Prüfer unter die Lupe genommen, durchgefallen ist trotz erheblicher Preisdifferenzen keines von ihnen.

Untersucht wurden folgende Felgenreiniger:

Alu-Teufel Spezial Felgenreiniger von Tuga Chemie für 13,55 Euro pro Liter
Felgenreiniger Pro+ von Total Wash für 17,98 Euro pro Liter
P21S Felgen-Reiniger Power Gel von Dr. Wack für 23,99 Euro pro Liter
Felgenbeast von Sonax für 14,99 Euro pro Liter
Felgenreiniger Spezial von Liqui Moly für 14,99 Euro pro Liter
Hot Rims Wheel & Tire Cleaner von Meguiar’s für 25,21 Euro pro Liter

Wichtig ist, dass der Reiniger zwar die Schmutzablagerungen und die Salzschicht entfernt, nicht aber den Werkstoff der Felgen angreift. Die Material-Verträglichkeitsprüfung bestätigte allen Reinigern hier gute Eigenschaften, auch bei der Wirkung auf Gummi und Karosserielack. Nur der Hot Rims Wheel & Tire Cleaner von Meguiar‘s erzeugt auf den vier Prüflacken eine Mattierung, wenn er für 24 Stunden auf eine auf 50 Grad
Celsius erwärmte Oberfläche einwirken kann. Alle Hersteller raten allerdings ausdrücklich davon ab, die Reiniger auf erwärmter Oberfläche einzusetzen, die vom Bremsen erhitzten Felgen sollten vor der Behandlung abkühlen. Auch vor Arbeiten bei direkter Sonneneinstrahlung warnen die Anbieter. Dies gilt vor allem bei lackierten Felgen.

Bei der Prüfung der Aluminiumverträglichkeit fällt der Reiniger des kalifornischen Autopflegespezialisten ebenfalls negativ auf. Denn im 24-Stunden-Langzeitversuch ergeben sich sowohl auf dem Rohmaterial wie auch auf eloxiertem Alu unschöne Verfärbungen, bei Raumtemperatur ebenso wie auch bei warmer Oberfläche (50 Grad). Das umgekehrte Bild ergibt die Verträglichkeitsprüfung auf Kupfer und Messing. Egal ob kalte oder warme Oberfläche, beinahe alle Reiniger hinterlassen nach 24 Stunden Einwirkzeit leichte Verfärbungen. Die fallen allerdings nicht so gravierend aus, dass sie als Angriff zu bewerten sind. Nur der Alu-Teufel Spezial von Tuga Chemie bleibt auch bei diesen beiden Metallen ohne Beanstandung. Dafür erweist er sich mit Stahl nicht optimal verträglich, ebenso wie die Reiniger von Total, Sonax, Liqui Moly und Meguia‘s. Auch hier zeugen leichte Verfärbungen von einer aggressiveren chemischen Zusammensetzung der Reiniger. Allein das P21S Power Gel von Dr. Wack hinterlässt hier keine Rückstände.

Alkalisch oder pH-neutral – zwei Auslegungen, ein Ziel

Neben Metallen, Lack und Gummi finden sich auch Kunststoffe direkt an den Felgen, zum Beispiel in Form der Nabenkappen, aber auch im Bereich der Radträger und Fahrwerksteile. Untersucht wird die Wirkung der Testreiniger auf acht im Fahrzeugbau verbreitete Kunststoffe. Die gute Nachricht: Wird der Reiniger nach Herstellervorgaben eingesetzt, zeigen sich sämtliche Prüf-Kunststoffe auch nach 24-Stunden unbeeindruckt. Nur wer das P21S Power Gel auf warme Oberflächen aufbringt und einwirken lässt, wird an Bauteilen aus Polyethylen (PE-HD), Polypropylen (PP) oder Polystyrol (PS) „sehr leichte Quellungen“ feststellen können. Während bei allen Reinigern einheitlich bis zu einer Temperatur von 100 Grad kein Flammpunkt messbar ist, bringt die Analyse der pH-Werte deutliche Unterschiede.

So weist der Test für Alu-Teufel Spezial, Felgenbeast, Felgenreiniger Spezial, Felgenreiniger Pro+ und P21S Power Gel jeweils pH-Werte im neutralen Bereich aus. Allerdings setzen diese Produkte allesamt neben Tensiden zur Reinigung auch auf Natriummercaptoacetat, das sich bei der Anwendung durch seinen charakteristischen Geruch nach faulen Eiern bemerkbar macht. Einen anderen Weg geht hingegen Meguiar‘s bei seinem Hot Rims Wheel & Tire Cleaner, der sich als eindeutig alkalischer Felgenreiniger erweist. Hier liegt wohl auch der Grund, dass die Einwirkzeit mit lediglich 15 Sekunden angegeben wird, während diese bei den pH-neutralen Produkten zwischen vier und sieben Minuten liegt.

Ohne Handarbeit zeigen sich Unterschiede

Die Untersuchung erfolgte vergleichend an natürlich verschmutzen Aluminiumfelgen verschiedener Personenwagen. Die Reiniger wurden jeweils zur Hälfte auf die Felge aufgebracht und anschließend mit einem scharfen Wasserstrahl abgespült. In einer zweiten Prüfung wurde anstelle des Wasserstrahls manuell mit einem Schwamm gereinigt. In allen Fällen entspracht die Einwirkzeit der Herstellerempfehlung, wobei bei einem genannten Zeitintervall regelmäßig die längere Dauer gewählt wurde. Die Bewertung der Reinigungsleistung erfolgte anschließend visuell. Und da sich der Verschmutzungszustand an Vorder- und Hinterrädern unterscheidet, erfolgte die vergleichende Prüfung an einem Paar Vorder- oder Hinterräder desselben Fahrzeugs. Alle Reiniger säubern ausgezeichnet, wenn die Reinigung durch manuellen Einsatz unterstützt wird. Ohne die Handarbeit zeigen sich jedoch Unterschiede.

Die beste Reinigungsleistung zeigen der Alu-Teufel Spezial Felgenreiniger von Tuga Chemie und der Felgenreiniger Spezial von Liqui Moly, die allenfalls leichte Schmutzrückstände hinterlassen. Auf Platz drei folgt das Felgenbeast von Sonax. Bemerkenswert ist dabei, dass die drei Bestplatzierten Produkte am unteren Ende der Preisskala des Testfelds rangieren. Auf Platz vier folgt das P21S Felgen-Reiniger Power Gel von Dr. Wack. Es hinterlässt leichte Verschmutzungen und in einem Fall auch deutliche Schmutzrückstände an den Felgen der Vorderachse. Die besonders von Bremsstaub stärker verschmutzten Vorderräder stellen für den Felgenreiniger Pro+ von Total Wash ebenfalls eine harte Nuss dar, die er nur in wenigen Testfällen zu knacken vermag, zumeist bleiben auch nach der Reinigung deutliche Schmutzreste zurück. Als nicht zufriedenstellend erweist sich die Performance des Hot Rims Wheel & Tire Cleaner von Meguiar‘s, mit knapp 26 Euro immerhin das teuerste Produkt im Test. Ein Grund dafür könnte die kurze Einwirkzeit (nur 15 Sekunden) sein. Bei allen anderen Testkandidaten lagen die empfohlenen Einwirkzeiten immerhin zwischen vier und sieben Minuten.

Fazit: Alle Reiniger erweisen sich als nützliche Helfer

Scheut man sich indessen nicht, den Reiniger manuell zu unterstützen, verdient die Reinigungsleistung aller Kandidaten ein „sehr gut“. Wer die Arbeit hingegen ganz und gar dem Reiniger überlassen will und den Eigeneinsatz auf das anschließende Abspülen der Felge mit Wasser beschränkt, ist mit den günstigen Testsiegern von Tuga Chemie und Liqui Moly am besten bedient. Das in dieser zweiten Disziplin unbefriedigende Ergebnis des Hot Rims Wheel & Tire Cleaer des Premium-Autopflegers Meguiar‘s könnte möglicherweise besser ausfallen, wenn der Hersteller die empfohlene Einwirkzeit überdenkt und ein etwas längere Zeitspanne empfiehlt. So reicht es gerade noch für ein „gut“. Grundsätzlich ist es allerdings in keinem Fall eine gute Idee, einen Felgenreiniger stundenlang eintrocknen zu lassen oder bei direkter Sonneneinstrahlung auf eine warme Oberfläche aufzubringen.

Schließlich erweisen sich alle getesteten Felgenreiniger als sehr nützliche Helfer, mit denen die Reinigung der Räder deutlich einfacher ausfällt als nur mit Wasser und Bürste. Das gilt besonders beim saisonalen Räderwechsel, wenn die Sommerräder montiert und die Winterpneus eingelagert werden. Dann gilt es, auch die Rückseite gründlich zu reinigen. Von Hausmitteln wie Backofenreiniger rät der AvD dringend ab. Die sind zwar günstiger zu haben als Spezialreinigungsmittel, aber eher für den Gebrauch auf emaillierten Oberflächen gedacht und haben eine wesentlich aggressivere chemische Zusammensetzung. Das führt am Auto leicht zu Beeinträchtigungen an Lacken oder Metallen und sogar zu Schäden an Gummi- und Kunststoff-Bauteilen. (ampnet/mk)

Veröffentlicht am 16.04.2021

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Fotos: Auto-Medienportal.Net/Michael Kirchberger
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