Caravaning-Händler: Die Werkstatt soll zum Profitcenter werden
Eine Verbesserung der Lage auf dem Caravaning-Markt ist kaum in Sicht, die Absatzzahlen bleiben aktuell rückläufig. 52.637 Reisemobile wurden in diesem Jahr bis zum 1. August verkauft, das entspricht einem Minus von 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bis zum Jahresende rechnet der Handel mit weiteren Einbußen, 27 Prozent der Betriebe erwarten einen Rückgang um 4 bis 5 Prozent bis zum Jahresende.
Die GSR Unternehmensberatung und die Marktforscher von Miios haben rund 100 Caravaning-Händler kurz vor dem Caravan Salon im August befragt, um ein Bild der allgemeinen Stimmungslage zu zeichnen. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass der Werkstattbereich in vielen Betrieben noch eine Menge an Wertschöpfungspotenzial bietet. Denn: Viele Kunden klagen über lange Wartezeiten. 21 Tage dauert es durchschnittlich, um einen Werkstatttermin zu erhalten. 14 Tage vergehen im Mittel, bis beim Hersteller bestellte Reparaturteile eintreffen, Zubehöranbieter brauchen fünf Tage für den Versand.
Dabei liegen im Servicebereich große Chancen, aber nur 40 Prozent der Betriebe führen ihre Werkstatt als Profitcenter. Auch wenn die Stundenverrechnungssätze in den vergangenen fünf Jahren von 128 auf 162 Euro netto gestiegen sind, kann die Werkstatt gewinnbringend arbeiten. Denn „jeder Wohnmobilkunde gibt erstmal viel Geld für Enttäuschung aus. Die Qualität der Fahrzeuge ist bescheiden. Zur Kundenbindung könnte eine kostenlose Customizing-Beratung angeboten werden“, sagt Steffen Raschig, Leiter International Key Accounts beim Schraubenhersteller Würth und selbst Wohnmobilist. Er weiß, dass kaum ein Reisemobil „von der Stange“ gekauft wird, für den Einbau von Sonderausstattungen wie Markise, Solaranlage oder Sat-TV sind Kunden dann gerne bereit, viel Geld auszugeben.
Dieser Beratungsservice würde überdies den Wechsel der Kunden zu freien Werkstätten verhindern, die mit deutlich niedrigeren Stundenverrechnungssätzen arbeiten. Dafür aber Garantiearbeiten vollständig ablehnen, die vom Hersteller mit nur rund 90 Euro je Stunde vergütet werden. Der Anteil von Gewährleistungsarbeiten in den Werkstätten der Caravaning-Händler liegt aktuell bei 35 Prozent, etwa jede dritte Reparatur fällt unter die Garantie.
Auch Ariane Finzel, Geschäftsführerin des Deutschen Caravaning-Handelsverbandes, zeigt sich besorgt: „Die Kaufzurückhaltung ist auch in unserer Branche angekommen.“ Der Mangel an Fachkräften, der unter anderem Auslöser für die langen Wartezeiten auf Werkstatttermine ist, werde durch die hohen Kosten für die Ausbildung zum Caravan-Techniker von rund 10.000 Euro nicht verringert. Außerdem ändere sich das Kundenprofil, die Generation Tesla und iPhone erwarte eine störungsfreie Nutzung ihrer gekauften Fahrzeuge. Dabei sind erste Schritte zur Digitalisierung schon erfolgt, etwa durch die Steuerung der Bordtechnik mithilfe des Smartphones. (aum)
Veröffentlicht am 25.09.2026
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