E-Auto-Umstiege verdoppeln sich bei Privatkäufern
Besonders deutlich zeigt sich die Reaktion bei Vielfahrern. Wer jährlich mehr als 12.000 Kilometer zurücklegt, wechselte wesentlich häufiger auf ein E-Auto als Personen mit geringerer Fahrleistung. Die Quote beträgt 14,7 gegenüber 8,0 Prozent. Bei gebrauchten Stromern fällt der Abstand noch größer aus: 10,7 Prozent der Vielfahrer vollzogen diesen Schritt, gegenüber 4,5 Prozent bei den Wenigfahrern. Gleichzeitig legten elektrische Gebrauchtwagen stärker zu als neue Modelle. Kürzere Entscheidungs- sowie Beschaffungszeiten könnten angesichts hoher Spritkosten eine Rolle spielen, vermutet der Versicherer.
Eine Befragung von mehr als 4000 Menschen im Rahmen des HUK-E-Barometers stützt diesen Zusammenhang. 24 Prozent der Führerscheinbesitzer geben an, wegen der Entwicklung der Benzin- und Dieselpreise erstmals über einen vollelektrischen Pkw nachzudenken oder eine bereits geplante Anschaffung vorzuziehen. HUK-Vorstand Jörg Rheinländer sieht deshalb insbesondere gebrauchte E-Autos als möglichen „Gamechanger“, regt deshalb eine Ausweitung staatlicher Förderung auf dieses Segment an.
Auch die gesellschaftliche Akzeptanz steigt langsam. Erstmals bewerten 52 Prozent der Deutschen reine Elektroautos als gut oder sehr gut. Besonders dynamisch entwickelte sich die Zustimmung unter Frauen: Sie stieg binnen eines Quartals von 37 auf 45 Prozent. Bei Männern erhöhte sich der Wert von 54 auf 59 Prozent.
Bei den Marken verschieben sich die Kräfte vor allem im Neuwagengeschäft. BYD steigerte seinen Anteil unter den Umsteigern von Verbrennern auf neue E-Autos von 0,8 auf 3,3 Prozent. Leapmotor erhöhte sich von 1,8 auf 3,4 Prozent. Tesla gelang nach einem Einbruch im Vorjahr eine markante Erholung: Der Anteil kletterte von 5,6 auf 12,2 Prozent. Deutsche Hersteller verloren dagegen mit Ausnahme von Opel/Stellantis durchweg an Boden. Bei elektrischen Gebrauchtwagen hingegen behaupten sich die Marken des VW-Konzerns. Volkswagen erreicht inzwischen 17,1 Prozent und damit etwa jeden sechsten Wechsel. Audi kommt auf 6,8 Prozent, Skoda auf 5,0 Prozent und Cupra auf 3,0 Prozent.
Regional weisen Schleswig-Holstein und Niedersachsen die stärkste Dynamik auf, gefolgt von Bayern. Stuttgart führt unter den deutschen Großstädten. Beim privaten E-Auto-Bestand liegt der Landkreis Starnberg mit 7,4 Prozent vorn. Besonders schnell wächst der Bestand in Cloppenburg und Schweinfurt, Gelsenkirchen bildet das Schlusslicht.
Parallel gewinnen Plug-in-Hybride durch die seit Jahresbeginn mögliche Förderung an Bedeutung. Besonders bei gebrauchten Fahrzeugen nimmt der Wechsel zu den Teilzeitstromern mit Stecker zu. Mild- und Vollhybride ohne Lademöglichkeit verlieren dagegen an Attraktivität. Der Plug-in-Hybrid zeigt zudem zunehmend seine Rolle als Übergangstechnologie: 39,4 Prozent der bisherigen Fahrer wechselten beim Neuwagenkauf im zweiten Quartal zu einem reinen E-Auto, während 38,1 Prozent dem Plug-in-Konzept treu blieben. (aum)
Veröffentlicht am 13.08.2026
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