Fahrbericht Mercedes-Benz GLC: Computer auf Rädern
Gegenüber der bisherigen Verbrenner-Version ist der elektrische GLC in allen Bereichen deutlich gewachsen. In der Länge legt der GLC um 13 Zentimeter auf 4,84 Meter zu, und der Radstand wuchs auf 2,97 Meter, wovon vor allem die Passagiere im Fond profitieren. Trotz der deutlich gewachsenen Abmessungen spricht Mercedes noch immer von einem „Midsize-SUV“. Gleichzeitig legte das Gepäckabteil auf 580 Liter zu, bei umgeklappter Rücksitzlehne entsteht ein bis zu 1740 Liter fassendes Verlies für sperrige Güter. Vorne spendierten die Entwickler dem GLC-Kunden einen zusätzlichen Kofferraum (128 Liter), in dem ein Trolley problemlos gelagert werden kann.
Der elektrische GLC 400 4-Matic mit Allradantrieb kann zudem gebremst bis zu 2,4 Tonnen ziehen, und die Stützlast von 100 Kilo ermöglicht den Transport von Pedelecs. Der Zuwachs in den Abmessungen ist dem zwischen den beiden Achsen platzierten Akku geschuldet, der 94 kWh leistet und dank der 800-Volt-Technik in zehn Minuten Energie für bis zu 303 Kilometer speichern kann. Als Reichweite verspricht Mercedes 568 bis 713 Kilometer. Vier weitere GLC-Versionen werden folgen.
Der GLC ist allerdings mehr als ein neues Modell, vielmehr, so die Strategen in Stuttgart, „markiert der neue elektrische GLC einen Wendepunkt im Midsize-Segment. Er ist das erste Modell einer völlig neuen Fahrzeugfamilie“, und das wird beim ersten Blick deutlich. Der wuchtige neue verchromte Grill mit dem beleuchteten Stern im Zentrum soll „Prestige und Selbstbewusstsein“ ausstrahlen. Daran hat es den Modellen aus Stuttgart in der Vergangenheit eigentlich nicht gemangelt. Auf Wunsch lässt sich der Innenraum mit veganen Materialien ausrüsten.
Nach dem Einsteigen wird der „Wendepunkt“ auf den ersten Blick deutlich. Vor den beiden Menschen auf den von der Aktion Gesunder Rücken zertifizierten Sitzen breitet sich der so genannte MBUX Hyperscreen mit einer 99,3 Zentimeter messenden Diagonale aus. Der Monitor ist das sichtbare Zeichen der digitalen Aufrüstung. Insgesamt stehen 40 Apps, Videostreaming und der direkte Zugang zu Disney+ bereit.
Das Mercedes-Benz Operating System (MB.OS) steuert vom Infotainment über die Komforteinstellungen bis zum Laden alle anfallenden Aufgaben. Dabei übernimmt die Künstliche Intelligenz eine entscheidende Rolle. Sie erkennt, unterstützt von Sensoren und Kameras, das Verhalten des Menschen hinter dem Lenkrad und passt sich neuen Bedingungen an. Das künstliche Hirn ist in der Lage, rund 254 Billionen Operationen pro Sekunde durchzuführen. Die Rechner sind mit der Intelligent Cloud von Mercedes-Benz verbunden, um Aktualisierungen „over the air“ der Software im GLC zu ermöglichen. Mit MB.OS wird der GLC zu einem rollenden Computer.
Zum Beispiel kann in Zukunft die automatische Parkfunktion um einen Rückfahrassistenten ergänzt werden, um knifflige Situationen zu entschärfen. Mit dem neuen Helfer kann sich der GLC beispielsweise rückwärts aus engen Gassen manövrieren. Dafür registriert der Rechner die letzten 150 Meter und wenn der Mensch hinter dem Lenkrad erkennt, dass man nicht weiterkommt, genügt ein Druck auf einen Schalter, und der GLC rangiert wie ferngesteuert aus der komplizierten Situation. Dieser Assistent kann später aufgespielt werden.
Doch genug der Theorie und rein in den GLC. Trotz der unübersehbaren digitalen und futuristischen Aufrüstung ist der Innenraum durchaus vertraut. Die Sitze sind typisch Mercedes komfortabel und erreichen einen guten Seitenhalt. Der Innenraum ist dank des gläsernen Panoramadach (gegen Aufpreis erleuchten nachts 162 Sterne) hell und aufgeräumt. Einmal in Fahrt zeigt der neue elektrische GLC, nun ja, Eigenschaften wie ein GLC. Die Leistung (insgesamt 460 kW) entfaltet sich vom Start an, und dank der präzisen Lenkung, und der aus der S-Klasse übernommene Luftfederung mit einer guten Mischung aus Dämpfung und Federung schluckt der GLC die Sünden der Infrastruktur. Lediglich kurze Bodenwellen machen sich dezent bemerkbar.
Das One-Box-Bremssystem greift zuverlässig ein, wobei das System bei jeder Verzögerung die maximale Rekuperation berechnet. Die Rekuperation erreicht bis zu 300 kW. Insgesamt stehen vier Stufen für die Energierückgewinnung bereit. Außerdem lässt sich der GLC im „One Pedal-Modus“ bewegen, sodass der GLC vor Ampeln zum Beispiel alleine bis zum Stillstand abbremst. Nach einer kurzen Gewöhnung lässt sich diese Technik problemlos einsetzen.
Bei Bedarf entwickelt der GLC 400 4-Matic mit Allradantrieb dynamische Eigenschaften. Zwischen 0 und 100 km/h vergehen gerade 4,3 Sekunden, und bei 210 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Für die Kunden in China und den USA kann auch der MB Pro Drive Assistent geordert werden. Die Europäische Union hat bisher noch keine Regelung für diese Technik definiert. Nach einer ersten Ausfahrt im Süden Portugals über Landstraßen und Autobahn mit maximal 120 km/h meldete der Bordcomputer einen Verbrauch 20,8 kWh. Mercedes verspricht 14,9 bis 18,9 kWh. Die Preisliste beginnt bei 71.281 Euro. (aum)
Daten Mercedes-Benz GLC 400 4-Matic
Länge x Breite x Höhe (m): 4,84 x 1,91 x 1,64
Radstand (m): 2,97
Antrieb: Elektro, AWD
Gesamtleistung: 360 kW
Max. Drehmoment: 800 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 4,3 Sek.
Elektr. Reichweite: 568–715 km (WLTP)
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 14,9-18,9 kWh
CO2-Emissionen: 0 g/km (WLTP)
Leergewicht / Zuladung: min. 2535 kg / max. 505 kg
Preis: 71281 Euro
Veröffentlicht am 23.03.2026
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