2020-10-29 09:16:00 Automobile

Im Rückspiegel: Mercedes-Benz S-Klasse – Generation S (3)

Die S-Klasse von Mercedes-Benz ist der Inbegriff der Luxuslimousine – und das trotz einer Inflation von Konkurrenzmodellen. Denn die Erfahrung der Stuttgarter reicht weiter zurück. Und die Verkaufszahlen liegen noch im Auslauf des Vorgängermodells höher als diejenigen von Audi A8 und BMW 7er zusammen. Wir sind jede Modellgeneration gefahren – vom „Ponton“ aus den 50er-Jahren bis hin zum brandneuen W 223, der in dieser Woche vorgestellt wurde.

W 220 – Debüt 1998

Die S-Klasse von 1998, vorgestellt auf dem Pariser Salon, war vielleicht eine Überreaktion auf die Kritik am W 140: Mit 504 bzw. 516 Zentimetern Länge, 186 Zentimetern Breite und 144 Zentimetern Höhe erheblich kompakter als das Vorgängermodell, im Entwurf viel zurückhaltender und mit schwächeren Drei-Ventil-Ottomotoren ausgerüstet stand der W 220 für neue Bescheidenheit. Der Aufwand war trotzdem erheblich: Für die Fahrpräsentation in Zürich wurden Navigations-CDs eigens entwickelt und gepresst, denn die Schweiz war damals noch nicht entsprechend digital kartographiert.

Die Handschaltung verschwand. Zum Marktstart gab es den S 280 (204 PS/150 kW), S 320 (225 PS/166 kW), S 430 (279 PS/205 kW) und S 500 (306 PS/225 kW) sowie den Turbodiesel S 320 CDI (197 PS/145 kW). Die interessanteren Motoren folgten erst noch: Der Zwölfzylinder S 600 mit 367 PS (265 kW), der S 55 AMG mit 360 PS (265 kW) und der S 400 CDI mit zunächst 250 PS (184 kW) starkem V8-Turbodiesel. Erstmals gab es einen Allradantrieb. Und es wurde noch besser: Zum Facelift 2002 wurde der S 55 AMG per Kompressor, der S 600 per Turboaufladung zwangsbeatmet; die Leistung beider Modelle stieg auf glatte 500 PS (368 kW). Besser konnte es nur der S 65 AMG – mit geradezu unglaublichen 612 PS (450 kW). Beim S 500 gab es gegen einen erklecklichen Aufpreis eine Sprit sparende Zylinderabschaltung, die die Leistung verringerte; kaum ein Kunde griff zu.

Wir sind viele Modelle gefahren, zuletzt einen S 350 4Matic, ausgerüstet mit dem 245 PS starken 3,7-Liter-Sechszylinder. Das Auto fährt sich weich und höchst komfortabel, auffällig ist jedoch die enttäuschende Verarbeitungsqualität. Reizvoll ist der W 220 vor allem als S 400 CDI sowie mit dem extrem leichtfüßigen V12-Biturbo als S 600.

W 221 – Debüt 2005

Die unter Peter Pfeiffer gezeichnete S-Klasse, präsentiert im Juni 2005, war wieder deutlich gewachsen: Die Kurzversion ist 5,08 Meter lang, die Langversion übertrifft mit 5,23 Metern sogar den W 140. Die Breite liegt bei 1,87 Metern, die Länge beträgt 1,47 Meter. Das Motorenprogramm war bald unüberschaubar: Es umfasste Ottomotoren mit sechs, acht und zwölf Zylindern, Dieselmotoren mit vier, sechs und acht Zylindern sowie einen V6-Hybrid. Zwei Höhepunkte markierten der S 63 AMG mit 6,2-Liter-V8-Hochdrehzahlmotor und 525 PS (386 kW) sowie der S 250 CDI mi 2,1-Liter-Vierzylinder-Diesel und 204 PS (150 kW). Es spricht für die überragende Aerodynamik des modisch wirkenden W 221, dass auch dieses Modell eine Spitze von stolzen 240 km/h erreicht. Dem steht ein Norm-Kraftstoffverbrauch von nur 5,7 Litern pro 100 Kilometer gegenüber.

Die Fahrvorstellung fand in St. Moritz statt, und es gab einen Kulturwechsel zu verzeichnen: Statt des obligatorischen Schoppen Weins bekamen die Motorjournalisten mittags eine Karte erlesener Wasserqualitäten präsentiert. Was nichts am legendären „Nightliner“ an der Hotelbar ändert.

Wir sind dieses Modell in vielen Varianten gefahren, zuletzt einen S 500 4-Matic, eines der letzten Exemplare, das vom Band gerollt ist. Der 4,7-Liter-V8 hatte zu diesem Zeitpunkt eine Biturbo-Aufladung bekommen und leistet gewaltige 435 PS (320 kW). Damit war das Fahrgefühl ausgesprochen zeitgemäß. Nur das Design wirkte etwas angestaubt; so unproportioniert der W 221 von außen wirkt, so zerklüftet präsentiert sich die breite Armaturentafel, deren Zentralbildschirm die Eleganz eines angesetzten Taxameters verströmt.

W 222 – Debüt 2013

Besser hätte man es nicht choreographieren können: Kurz vor der Präsentation der S-Klasse im Jahr 2013 in den Airbus-Werkshallen in Hamburg-Finkenwerder ging ein gewaltiges Gewitter nieder. Die Präsentation wurde dem Anspruch dieser S-Klasse gerecht. Beim W 222 spielte die Elektronik eine nochmals größere Rolle, doch die Hardware wuchs auch: Die Modelle sind 512 bzw. 525 Zentimeter lang, 190 Zentimeter breit und 150 Zentimeter hoch. Die Motorenpalette war anfangs an das Vorgängermodell angelehnt, wobei der Vier-Zylinder-Diesel entfiel. Mit der Modellpflege Mitte 2016 wurde eine neue Generation von Reihen-Sechs-Zylinder-Motoren eingeführt, etliche Modelle erhielten ein 48-Volt-Bordnetz.

Mit dem W 222 kehrte der Name Maybach zurück. Die von 2002 bis 2012 gebauten Modelle 57 und 62 basierten technisch noch auf dem W 140 – mit Elektronik-Komponenten des W 220. Nun wurde der Maybach eine Variante der S-Klasse mit längerem Radstand und eigenständigem Design. Die Entscheidung, die Marke wieder einzuführen, fiel relativ spät. Anfang 2018 sorgte eine neue Frontgestaltung für stärkere Differenzierung.

Am Lenkrad des W 222 fallen die eleganten, geschwungenen Linien auf, die das Interieur prägen. Mercedes-Benz hat einen eigenständigen Stil gefunden, der gut zum Image der Marke passt. Der S 560 mit seinem aufgeladenen 4,0-Liter-V8-Motor und 469 PS (345 kW) Leistung, präsentiert sich als extrem souveräne Variante; die Neun-Gang-Automatik schaltet fast unmerklich. (ampnet/jm)

Veröffentlicht am 29.10.2020

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