2026-09-03 14:36:00 Automobile

Nissan Leaf: Runde drei für den Elektro-Pionier

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Fotos: Nissan via Autoren-Union Mobilität

Der Nissan Leaf ist eines der wichtigsten Modelle der jüngeren Autogeschichte. Denn als 2010 die ersten Exemplare der Baureihe vom Band rollten, war der Wagen das erste Großserienfahrzeuge, das als reines Elektroauto konzipiert worden war. Fast ein Jahrzehnt lang dominierte das Modell den Markt als meistverkauftes Elektroauto der Welt. 2019 löste Tesla den Leaf mit dem Model 3 als Elektro-Vorreiter ab. Das zeigte sich auch an der zweiten Generation des Leaf von 2018, die von der Fachpresse teils heftig kritisiert wurde – unter anderem wegen der fehlenden aktiven Akku-Kühlung. Generation Nummer drei soll nun wieder vieles besser machen.

Am 19. September kommt der neue Nissan Leaf zu den Händlern. Und schreibt damit erneut Geschichte. Der Leaf sei das erste Elektrofahrzeug überhaupt, das in dritter Generation auf den Markt kommt, betont man bei Nissan stolz. Entsprechend rückte der Hersteller den neuen Leaf bei einem Event in Düsseldorf in den Mittelpunkt und stellte ihm gleich das gesamte elektrifizierte Portfolio der Marke zur Seite.

Neben dem Leaf standen auf dem Veranstaltungsgelände Areal Böhler die beiden mit e-Power-Antrieb verfügbaren Modelle Qashqai und X-Trail sowie die weiteren Elektroautos der Marke: das SUV Ariya, das seit 2022 angeboten wird, und der neue Nissan Micra. Der Kleinwagen, der seit Anfang des Jahres bei den Händlern verfügbar ist, soll übrigens mit dafür verantwortlich sein, dass der neue Leaf erst jetzt auf den Markt kommt.

Denn die offizielle Präsentation der dritten Generation liegt bereits mehr als ein Jahr zurück. Auch die erste Fahrveranstaltung ist inzwischen fast ein Jahr her. Offizieller Marktstart bei den Händlern allerdings ist nun der 19. September. Die beiden neuen E-Modelle sollten offenbar nicht gleichzeitig eingeführt werden, um den Vertrieb nicht zu überlasten. Der Micra bekam also den Vortritt. Anschließend kam die Sommerpause. Nun ist der Leaf an der Reihe.

Mehr als 700.000 Exemplare des Nissan Leaf wurden seit dem Marktstart 2010 weltweit verkauft. Für ein Fahrzeug, das das Segment der Elektro-Pkw maßgeblich mitbegründete, klingt das nach einem soliden Wert. Allerdings ist seitdem viel passiert. Die E-Mobilität hat die Nische verlassen und ist zum Zukunftsthema der gesamten Branche geworden. Die Verkaufszahlen explodierten. Tesla etwa setzte vom Bestseller Model Y allein im vergangenen Jahr mehr als 900.000 Exemplare ab. Von solchen Dimensionen ist der Nissan Leaf weit entfernt. Optisch hingegen hat sich die dritte Generation dem Elektro-Bestseller von Tesla merklich angenähert. Aus dem 2010 vorgestellten Elektro-Kompaktwagen ist inzwischen ein SUV-Coupé geworden.

Besonders stolz sind die Japaner auf die Fortschritte bei Effizienz und Reichweite. Weniger als 14 kWh pro 100 Kilometer soll der Stromer nach WLTP verbrauchen. Dazu trägt auch das windschlüpfige, aerodynamische Design bei. Der cW-Wert liegt bei 0,25. Die Reichweite des E-Modells soll dadurch auf bis zu 624 Kilometer steigen. Damit rückt der Leaf auf der Liste der reichweitenstärksten Elektroautos deutlich nach oben. Gegenüber der Vorgängergeneration hat sich die maximale Reichweite in etwa verdoppelt.

Allerdings gilt der Wert nur für die Variante mit der größeren Batterie, die über eine Kapazität von 75 kWh verfügt. Das Modell mit dem kleineren 52-kWh-Akku schafft maximal 436 Kilometer. Doch auch das ist mehr, als die zweite Generation mit ihrem Topmodell zu bieten hatte.

Den Reichweitengewinn führt Nissan – neben der Aerodynamik – auch auf die verwendete Zellchemie zurück. Der Hersteller setzt beim Leaf auf einen Nickel-Mangan-Cobalt-Akku (NMC), der sich durch seine hohe Energiedichte von anderen Akku-Typen wie Lithium-Eisenphosphat (LFP) unterscheidet. Auf gleichem Raum lässt sich damit mehr Energie speichern. Der Leaf bleibt deshalb auch mit dem großen 75-kWh-Akku und einem Gewicht von weniger als zwei Tonnen für ein Elektroauto vergleichsweise leicht.

Leicht und gediegen zeigt sich der Wagen auch bei einer Testfahrt durch Düsseldorf und Umgebung. Die maximale Leistung von 160 kW lässt den Leaf zügig, aber nicht brachial wie manch anderes Elektroauto beschleunigen. Über einen Kippschalter unterhalb des Armaturenbretts lassen sich die Fahrmodi Eco, Standard, Sport und Individuell auswählen. Daneben befindet sich die Taste für den e-Pedal-Modus, der stärkeres Rekuperieren ermöglicht.

Anders als beispielsweise beim Nissan Micra ist echtes One-Pedal-Driving mit dem Leaf jedoch nicht möglich. Der Wagen verzögert nicht bis zum Stillstand, sondern kriecht immer leicht weiter. Das ist letztlich Gewöhnungssache und schmälert den insgesamt überzeugenden Eindruck der dritten Leaf-Generation kaum.

Positiv zu erwähnen ist das Infotainment: Die Integration verschiedener Google-Dienste in die beiden 14,3-Zoll-Bildschirme fühlt sich gerade für Android-Nutzer von Beginn an intuitiv an. Dazu gehört unter anderem eine intelligente, speziell auf Elektroautos ausgelegte Routenführung inklusive Ladeplanung. Navigationshinweise werden über in die Kopfstützen integrierte Lautsprecher direkt am Ohr des Fahrers ausgegeben.

Überhaupt hinterlässt der Innenraum einen stimmigen Eindruck. Die verwendeten Materialien fühlen sich größtenteils hochwertig an. Auf dem Lenkrad des Testwagens verzichtet Nissan zudem auf Touchflächen. Stattdessen gibt es klassische Knöpfe und haptische Regler – etwa zur Steuerung des Radios oder zur Gestaltung der Cockpit-Ansicht.

Genau dort zeigt sich allerdings auch, dass der Leaf zumindest bei der Testfahrt das Effizienzversprechen des Herstellers nicht halten kann. Die Anzeige weist etwas weniger als 17 kWh pro 100 Kilometer aus. Das ist einerseits mehr als die von Nissan angegebene WLTP-Effizienz der neuen Generation, andererseits aber noch immer weniger als die zweite Generation laut WLTP verbrauchte.

Die Richtung stimmt also: Nissan hat mit seinem einstigen Elektro-Pionier in dritter Generation zumindest auf dem Papier wieder Anschluss an die Konkurrenz gefunden. Jetzt muss der Leaf zeigen, ob sich dieser Fortschritt auch bei den Verkaufszahlen bemerkbar macht. Auf den Markt kommt der Wagen zu Preisen ab 35.950 Euro. (aum)

Daten Nissan Leaf Evolve

Länge x Breite x Höhe (m): 4,35 x 1,81 x 1,55
Radstand (m): 2,96
Antrieb: Vorderradantrieb, 160 kW (217 PS)
Max. Drehmoment: 355 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7.6 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 13,8-14,7 kWh
Batteriekapazität: 75,1 kWh
Reichweite (WLTP): 585 km
Max. Ladeleistung: AC 11 kW / 150 kW DC
Leergewicht / Zuladung: 1956 kg / 444 kg
Kofferraumvolumen: 437/1052 Liter
Anhängelast (ungebremst): 750 kg
Preis: ab 48.000 Euro
Testwagen: 49.350 Euro

Veröffentlicht am 03.09.2026

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