2026-09-23 09:01:00 Automobile

Nissan Pixo: Elektrische Rückkehr ins A-Segment

Carzoom.de
Fotos: Nissan via Autoren-Union Mobilität

Nissan nimmt sich ein Beispiel am französischen Allianzpartner und wiederbelebt seine Modellhistorie, respektive setzt sie unter Strom. Nach dem Micra kehren die Japaner nun mit dem neuen Pixo ins europäische A-Segment zurück. Anders als sein zwischen 2009 und 2013 gebauter Vorgänger tritt der Kleinstwagen jedoch diesmal ausschließlich elektrisch an. Zusammen mit Renault entwickelt, rollt er auch in dessen Werk Novo Mesto in Slowenien vom Band. Der Marktstart ist für Anfang 2027 angekündigt, Preise und konkrete Ausstattungslinien sollen ab Dezember 2026 folgen.

Technisch nutzt der Pixo weitgehend die Basis des neuen Renault Twingo E-Tech. Die Grundarchitektur, der Elektroantrieb und der LFP-Akku stammen aus dem Allianzbaukasten und auch optisch zeigt die Silhouette des Stadt-Stromers Anleihen am französischen Elekto-Mini. Dennoch ist der Pixo keine bloße Badge-Engineering-Übung. Chefdesigner Masato Koyama gelang es, mit würfelförmig inspirierten Proportionen, an ein Robotergesicht erinnernde Scheinwerfergrafik sowie – nomen est omen – pixeligen Details in Frontstoßfänger, Rückleuchten, Modellschriftzug und Radverkleidungen einen eigenständigen Auftritt zu erschaffen.

Mit 3,80 Meter in der Länge und 1,79 Metern Breite bleibt der Pixo klar auf die Stadt zugeschnitten. Sein Radstand von 2,49 Metern fällt im Verhältnis dazu großzügig aus und soll bis zu vier Erwachsenen Platz bieten. Nissan verspricht einen offenen, überraschend geräumigen Innenraum, der sich auch für alltägliche Transportaufgaben eignet. Dazu tragen einzeln verschiebbare Rücksitze bei. Sie erlauben, den verfügbaren Raum abhängig von der Situation zwischen Fondbeinfreiheit und Gepäckraum zu verteilen.

356 Liter Kofferraumvolumen stehen bei aufgestellten Rücksitzen zur Verfügung. In diesem Wert enthalten ist ein 50 Liter großes Fach für das Ladekabel. Werden die Rücksitze umgelegt, wächst das Ladevolumen auf bis zu 1221 Liter. Für einen Kleinstwagen unter vier Metern Länge sind das stattliche Werte. Hinzu kommen 18 Liter Ablagemöglichkeiten im Innenraum, etwa für Smartphone, Trinkflasche, Tasche oder andere Alltagsgegenstände. Der Wendekreis von 9,9 Metern unterstützt den Einsatz in engen Wohnstraßen, Parkhäusern und dicht belegten Innenstadtquartieren. Mit 140 Millimetern Bodenfreiheit sollte der Pixo zudem Bordsteine und Garagenrampen ohne übermäßige Vorsicht bewältigen.

Sein Gesicht prägt eine Leuchtengrafik, die Nissan als robotisch beschreibt. Pixelartige Muster ziehen sich durch Frontstoßfänger, Rückleuchten und Radverkleidungen. Kleine „23“-Easter-Eggs verweisen auf die japanische Aussprache des Markennamens: „Ni“ steht für zwei, „San“ für drei. Farben wie Midnight Purple und Authentic Blue sollen den jungen, urbanen Charakter zusätzlich hervorheben. Koyama nennt den Pixo einen Beleg dafür, „dass Großes auch im kleinen Format entstehen kann“. Entscheidend sei gewesen, das begrenzte Außenmaß effizient zu nutzen und zugleich ein sympathisches, wiedererkennbares Fahrzeug zu gestalten.

Der Elektromotor leistet 60 kW beziehungsweise rund 82 PS. Für die geplante Rolle als Stadt- und Pendlerauto reicht das auf dem Papier sicher aus. Konkrete Fahrleistungswerte nennt Nissan allerdings bislang nicht. Die Höchstgeschwindigkeit dürfte daher ebenso offen bleiben wie die Frage, wie sich das Fahrzeug bei voller Beladung oder auf längeren Autobahnetappen verhält – oder auch bei kälteren Temperaturen.

Denn die Energie zum Antrieb des Elektromotors stammt aus einer vergleichsweise kleinen 27,5-kWh-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Chemie. Nissan nennt für den ersten LFP-Akku in einem europäischen Modell der Marke bis zu 259 Kilometer Reichweite nach WLTP, mit denen sich typische tägliche Wege wie Pendelstrecken, Einkaufstouren, Schulfahrten und Fahrten ins Umland abdecken ließen. Auch beim umgekehrten Weg der Energieaufnahme kann der Kleinstwagen nicht mit den ganz großen Werten punkten. Immerhin ist ein DC-Schnellladeanschluss mit bis zu 50 kW in allen Ausstattungslinien serienmäßig. Damit soll sich die Batterie in rund 28 Minuten von 15 auf 80 Prozent füllen lassen. Das reicht nicht für dauerhafte Langstreckenfahrten im Schnelllade-Takt, passt aber zu einem Fahrzeug, das überwiegend im urbanen Raum eingesetzt werden soll. Wechselstrom lädt der Pixo mit bis zu 11 kW. Die AC-Ladefunktion ist bidirektional ausgelegt und kann damit perspektivisch auch Anwendungen für eine externe Stromabgabe ermöglichen.

Im Cockpit kombiniert Nissan ein 7-Zoll-Fahrerdisplay mit einem 10-Zoll-Touchscreen für Infotainment und Fahrzeugfunktionen. Google built-in gehört zur Serienausstattung. Navigation, Echtzeit-Routenplanung und Google-Dienste sind damit direkt im Fahrzeug verfügbar, ohne dass das eigene Smartphone zwingend als zentrale Bedienquelle dienen muss. Ergänzt wird das System durch Gemini als KI-Sprachassistent. Zum Marktstart soll Gemini 16 Sprachen unterstützen und Navigation, Unterhaltung sowie Kommunikation per natürlicher Sprache bedienen können. Nissan zufolge lernt das System auf Grundlage von Gesprächsverläufen individuelle Präferenzen kennen.

Über die „MyNissan“-App sollen sich Ladevorgänge, Routen und bestimmte Fahrzeugfunktionen verwalten lassen. Eine Face ID erkennt den Fahrer und lädt persönliche Einstellungen, etwa für Anzeigen oder Infotainment. Zur serienmäßigen Sicherheits- und Komforttechnik gehören ein adaptiver Tempomat mit Stop-and-go-Funktion, ein autonomer Notbremsassistent, ein Spurhalteassistent und freihändiges Einparken. Mit der One-Pedal-Technologie lässt sich der Pixo über das Fahrpedal beschleunigen, verzögern und bis zum Stillstand bringen, was insbesondere im Stop-and-go-Verkehr entlasten soll.

Am Ende hängt es vor allem davon ab, ob Nissan die umfangreiche Serienausstattung zu einem konkurrenzfähigen Preis anbieten kann. Hier hält sich das europäische Management auch auf mehrmaliges Nachfragen noch bedeckt. Die Positionierung unterhalb des elektrischen Micra und die technische Nähe zum Renault Twingo lassen allerdings einen Einstieg im Bereich von 20.000 Euro erwarten. Dort würde der Pixo auf Dacia Spring, BYD Dolphin Surf, den Allianzbruder Renault Twingo sowie weitere kommende elektrische Kleinstwagen treffen. (aum)

Veröffentlicht am 23.09.2026

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