2026-06-05 10:05:00 Automobile

Praxistest Ari Bruni: Vier Sitze in der Nische

Carzoom.de
Fotos: Autoren-Union Mobilität

Nein, auch wenn er so aussieht: Der vollelektrische Ari Bruni ist kein Leichtfahrzeug der Klasse L3e („Mopedauto“) mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Dagegen sprechen neben dem regulären Pkw-Kennzeichen auch die vier Sitze. Der Kfz-Schein spricht sogar vom Gegenteil eines leichten Fahrzeugs. Die Zulassungsbehörden stufen den 3,06 Meter kurzen Zweitürer als „Schweres Vierradmobil zur Personenbeförderung“ ein. Hinter der etwas sperrigen Bezeichnung steckt die Fahrzeugklasse L7e, die eine maximale Motorleistung von 20 PS (15 kW) erlaubt.

Als Wuling Mini EV gehört er laut Ari Motors zu den beliebtesten E-Autos in China überhaupt. Wie schon in anderen Fällen, passt das Unternehmen aus Borna bei Leipzig ein Fahrzeug aus dem Reich der Mitte an deutsche und europäische Anforderungen an und vermarktet sie unter dem eigenen Namen.

Einen Designpreis gewinnt der Bruni sicher nicht, denn mit seiner kurzen Haube, der recht steil stehenden Windschutzscheibe und seinem Längen-Höhen-Verhältnis von unter 2:1 (3058 Millimeter Länge bei 1625 Millimetern Höhe) entspringt er optisch eher einem Kinderbuch oder Animationsfilm. Sympathiepunkte heimst die Zwei-Farb-Lackierung ein. Doch wie jeder weiß, es kommt ja ohnehin vor allem auf die inneren Werte an. Autos der L7e-Kategorie bleiben Fahrzeuge für die Nische, denn preislich liegen sie nicht selten auf dem Niveau regulärer Kleinwagen. Doch nicht jeder benötigt mehr Auto und möchte es von vorneherein auch gar nicht haben. Sei es, dass der Einsatz ohnehin nur als wenig Parkraum beanspruchendes Stadtauto, als Zweit- oder Drittwagen für Notfälle oder als Pizza-Taxi geplant ist. Aktuell hat Ari gerade den Preis für den Bruni Zweisitzer auf knapp 12.000 Euro gesenkt. Regulär kostet er 15.458 Euro und als Viersitzer 16.648 Euro. ABS und Frontairbags sind stets mit an Bord.

Also, Platz genommen. Das helle, zweifarbige Interieur wirkt auf den ersten Blick keineswegs spartanisch und schmeichelt dem Auge durchaus. Die nur ein kleines Stück in den Fußraum ragende Mittelkonsole mit dem Drehschalter für die Fahrtrichtung sorgt für ein gutes Raumgefühl und ermöglicht es auch, relativ problemlos vom Fahrer- auf den Beifahrersitz und umgekehrt zu wechseln. Es gibt zwei ausklappbare Taschenhaken auf der Beifahrerseite, zwei USB-Anschlüsse, eine kleine Netztasche unter dem Armaturenbrett, über das sich noch eine, wenn auch schmale Ablagemulde zieht. Relativ üppig für die Fahrzeuggröße fallen die langen Ablagen plus zweitem Fach in den Türen aus. Es gibt serienmäßig einen MP4-Player mit Touchscreen und Bluetoothanbindung sowie – ups – eine Rückfahrkamera sowie Bedientasten am Lenkrad. Außerdem sind ein Reifendruckkontrollsystem und eine digitale rückwärtige Kopie des Fahrzeugs im Fahrerinformationsdisplay, das zum Beispiel geöffnete Türen oder das Blinkerlicht im Cockpit darstellt, vorhanden.

Viel Kofferraum bleibt bei vier Sitzen auf gerade einmal etwas über drei Metern Länge natürlich nicht, erst recht nicht, wenn noch das Ladekabel, das Warndreieck und die Verbandstasche mit an Bord sind. Eine Volumenangabe schenkt sich der Hersteller dar, gibt aber immerhin die Maße des schmalen Schlundes an: Das Kofferräumchen ist 15 Zentimeter lang, immerhin 70 Zentimeter tief und 1,17 Meter breit. Das ist zum Glück aber nur die halbe Wahrheit: Denn der Ari besitzt zwei (auch von hinten aus) einzeln umklappbare Rücksitze. Da geht dann doch noch was (wir luden zum Beispiel vier große Säcke Blumenerde ein). Die Ladekante bleibt mit 76 Zentimetern allerdings recht hoch. Den Zugang in den Fond erleichtert eine Easy-Entry-Funktion, die es allerdings nur auf der Beifahrer-, dafür aber auf der verkehrsabgewandten Seite gibt. Die Rücksitze sind straff gepolstert, haben aber keine Kopfstützen, sondern nur eine kleine Nackenerhöhung. Die Beinfreiheit geht durchaus in Ordnung, die Füße finden unter den Vordersitzen hingen weniger Platz.

Die Kombination aus kurzem Radstand, hohem Aufbau und kleinen 12-Zoll-Rädern (optional 13 Zoll) sogt in Kurven natürlich für spürbare Wankneigungen. Auch der Federungskomfort ist etwas eingeschränkt Letztendlich bleibt das Fahrverhalten aber dank der bescheidenen Motorleistung unkritisch. 90 km/h lassen sich mit dem kleinen Ari erzielen. Für den schlichten Alltagsgebrauch taugt der Bruni allemal. Die Batteriekapazität von 17,3 Kilowattstunden steht für eine angegebene Reichweite von 215 Kilometern. Das ist nicht ganz unrealistisch. Uns zeigte der Bordcomputer bei halb leerem Akku noch einen Aktionsradius von 105 Kilometern an, nachdem wir rund 80 Kilometer zurückgelegt hatten. An der Haushaltssteckdose holt sich die Batterie in einer Stunde etwa 20 Prozent Energie zurück, was der Bordcomputer in unserem Fall mit 35 gewonnenen Kilometern übersetzte. Auf Wunsch kann bei Ari neben einer Wallbox auch ein CCS-Schnellladeadapter geordert werden.

Der Bruni-Fahrer hat die Wahl, zwischen Eco- und Standardmodus zu wechseln, wobei ersterer in der Regel völlig ausreicht. Die Taste für die beiden Fahrstufen liegt allerdings recht ungünstig hinter dem Stockhebel für die Scheibenwischer, so dass wir des öfteren versehentlich den vom Lenkradkranz ebenfalls etwas verdeckten Warnblinker erwischten. Wer beim Einparken die Tür mit geöffnetem Fenster öffnet, wird mit einem infernalischen Hupen gewarnt. Selbst achten muss der Fahrer hingegen darauf, dass er die Handbremse nicht vergisst, wenn er aussteigt: Der Fahrschalter des Bruni kennt kein „P“ und springt nach Abziehen des Zündschlüssels automatisch in die neutrale Position.

Wer sich die Mühe machen möchte, der kann den kleinen Bruni übrigens auch als regulären Pkw (M1) zulassen und – die entsprechenden Einkommensgrenzen vorausgesetzt – auch in den Genuss der Förderprämie kommen. Ari bietet das für etwas über 580 Euro Aufpreis an. (aum)

Daten Ari Bruni (4-Sitzer)

Länge x Breite x Höhe (m): 3,06 x 1,49 x 1,62
Antrieb: E-Motor, RWD
Leistung: 15 kW / 20 PS
Max. Drehmoment: k. A.
Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 9,9 kWh
Batteriekapazität: 17,3 kWh
WLTP-Reichweite: 215 km
Leergewicht / Zuladung: 700 kg / 270 kg
Basispreis: 16.648 Euro
Testwagenpreis: 19.028 Euro

Veröffentlicht am 05.06.2026

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