2026-06-04 14:04:00 Automobile

Praxistest Mazda 6e: Schön und sperrig

Carzoom.de
Fotos: Mazda via Autoren-Union Mobilität

Keine Frage, der vollelektrische Mazda 6e ist eine Augenweide von Auto. Die flache Silhouette, die Front mit ihrer leuchtenden Spange, die coupéhafte Dachlinie und das markante Heck mit dem durchgezogenen Leuchtenband lässt immer wieder die Köpfe drehen. Nicht ohne Grund wurde er in diesem Jahr als „World Car Design of the Year“ ausgezeichnet. Doch bei aller stilistischen Souveränität zeigt der elektrische Mazda im Praxistest auch, dass Schönheit eben nicht automatisch mit bester Alltagstauglichkeit einhergeht.

Das beginnt schon beim Platzangebot. Vorn sitzt man gut, aber die Türen sind knapp geschnitten, der Einstieg ist nicht besonders bequem und sehr große Menschen sollten beim Einstieg hinten wegen der flachen Dachlinie den Kopf einziehen. Auch auf den Rücksitzen ist der Platz für die Beine knapp bemessen, ebenso wie im Kofferraum dahinter, der mit 336 Litern für eine fast 4,92 Meter lange Limousine schlicht zu klein ausfällt. Immerhin gibt es noch einen 72-Liter-Frunk unter der Fronthaube. Doch schließlich sollten Mensch und Gepäck auch nicht allzu schwer sein, darf der knapp zwei Tonnen schwere Wagen doch insgesamt nicht mehr als 350 Kilogramm zuladen.

Besonders deutlich wird die Schwäche aber im Cockpit. Mazda hat das Armaturenbrett optisch ordentlich und hochwertig gestaltet, doch die Bedienung ist viel zu stark ins Infotainment verlagert. Zwar wirken das digitale 10,25-Zoll-Kombiinstrument plus Augmented-Reality-Head-up-Display und der 14,6 Zoll große Zentralbildschirm auf den ersten Blick fortschrittlich und zeitgemäß. Doch ausgerechnet Grundfunktionen wie Scheibenwischer, Spiegel und Klimatisierung sind dort in verschachtelten Menüs versteckt, die man während der Fahrt nicht intuitiv und nicht ohne Ablenkung bedienen kann. Und die Touch-Logik erinnert eher an ein Tablet als an ein Auto, dass man auch noch bei Tempo 130 nutzen will.

Noch störender ist, dass sich die Schwächen nicht auf einzelne Sonderfunktionen beschränken, sondern das ganze Bedienerlebnis prägen. Die Lautstärke wird umständlich per Display geregelt, die Sprachsteuerung reagiert nicht zuverlässig, und selbst die Integration von CarPlay oder Android Auto hebt diese Grundprobleme nicht auf. Mazda hat hier ein System verbaut, das erklärungsbedürftig bleibt, obwohl es eigentlich vereinfachen sollte. Wer das Auto täglich fährt, wird damit leben lernen. Wer schnelle, klare Ergonomie erwartet, wird sich ärgern.

Auf der Straße zeigt sich der 6e dagegen von seiner besseren Seite. Die getestete Version mit 190 kW beziehungsweise 258 PS und Heckantrieb beschleunigt ohne Drama, aber mit Nachdruck. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 7,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 175 km/h. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und präzise, wenn auch ohne große Rückmeldung. Das Fahrwerk ist auf Komfort abgestimmt, aber nicht weichgespült. Querfugen, Kanten und schlechte Straßen steckt es ordentlich weg, ohne die Insassen zu triezen. Gleichzeitig hält es den Aufbau so ruhig, dass der Mazda-Stromer selbst bei schnellen Wechselkurven nie nervös wirkt. Der tief im Boden liegende Akku sorgt dabei für einen günstigen Schwerpunkt. Wer die Limousine über Land oder auf der Autobahn bewegt, erlebt ein Auto, das eher zum zügigen Gleiten als zur Kurvenhatz einlädt. Dazu passt auch die Akustik. Der Mazda 6e ist erfreulich leise, rollt angenehm gedämpft ab und vermittelt dadurch einen fast noblen Reisekomfort, mit dem auch längere Etappen entspannt absolviert werden.

Bei Reichweite und Verbrauch bewegt sich der Mazda 6e auf solider Ebene. Mit der 68,8-kWh-Batterie sollen nominell 479 Kilometer Reichweite möglich sein, im Praxis-Alltag waren es realistische Werte von rund 400 Kilometer, bei zurückhaltender Fahrweise auch mehr. Den Verbrauch gibt Mazda im WLTP-Mix mit 16,6 kWh an, wir waren bei etwa 18 kWh pro 100 Kilometer im Schnitt. Die maximale Ladeleistung von bis zu 165 kW haben wir an DC-Schnelllader nur selten erreicht, im Schnitt lag sie je nach Batteriefüllstand bei etwa 130 kW. Nicht üppig, aber immer noch besser als die Long Range-Variante mit 80-kWh-Akku, die es nur auf 90 kW bringt. Beim Wechselstrom-Laden beschränken sich beide Varianten auf 11 kW.

Preislich kann der Mazda 6e wieder überzeugen. Der Einstiegspreis für die von uns gefahrene Basisversion „Takumi" liegt bei 44.900 Euro. Damit ist das Auto günstiger als sein konventionell angetriebener Vorgänger zuletzt. Die Ausstattung ist bereits in dieser Basis üppig und umfasst Extras wie elektrische Heckklappe, Panorama-Glasdach, Sony-Soundsystem und 19-Zoll-Felgen sowie das komplette Sicherheits- und Assistenzpaket. Das nächsthöhere „Takumi Plus"-Modell kostet 2000 Euro mehr und bietet zusätzlich zweifarbige Lederpolster, elektrisches Sonnenrollo und weitere Optik- und Material-Upgrades. Die Long-Range-Variante mit 80-kWh-Akku und 245 PS startet ab 46.500 Euro. Sie bietet mehr Reichweite, lädt aber mit maximal 90 kW deutlich langsamer. Für die Langstrecke ist das kaum praxistauglich. Die kleinere Batterie ist daher eindeutig die bessere Wahl.

Unterm Strich ist der Mazda 6e ein Auto mit sehr klaren Stärken und sehr klaren Schwächen. Er sieht hervorragend aus, fährt angenehm und vermittelt im Innenraum einen noblen Eindruck. Dafür ist seine Bedienung zu kompliziert, Basisfunktionen sind zu oft im Touchscreen versteckt, Kofferraumvolumen und Zuladung zu klein. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt hingegen. Für rund 45.000 Euro bekommt man einen eleganten Mittelklasse-Stromer mit üppiger Serienausstattung. (aum)

Daten Mazda 6e

Länge x Breite x Höhe (m): 4,92 x 1,89 x 1,49
Radstand (m): 2,90
Antrieb: Elektrisch, 190 kW (258 PS), Frontantrieb, Automatikgetriebe
Max. Drehmoment: 320 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,6 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 16,6 kWh
Batteriekapazität: 68,8 kWh
Reichweite (WLTP): max. 479 km
Max. Ladeleistung: 11 kW AC/ 165 kW DC
Leergewicht / Zuladung: 2037 kg / 350 kg
Kofferraumvolumen: 336-1074 Liter + 72 Liter (Frunk)
Anhängelast: 1500 kg
Preis: ab 44.900 Euro

Veröffentlicht am 04.06.2026

Marken & ModelleMazdaMazda6PraxistestElektromobilitätMazda 6e


 
Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen, sowie kontaktiert zu werden.Mit (*) markierte Felder sind Pflichtfelder.