2021-11-25 09:16:00 Automobile

Praxistest Opel Combo-e Life: Ein feiner Kumpel, aber kein Marathon-Mann

Carzoom.de
Fotos: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger

Opel elektrifiziert die Freizeit. Was den Kindern früher zu Weihnachten vielleicht die Märklin-Eisenbahn unterm Tannenbaum war, ist dem jungen Familienvater heute möglicherweise der Combo-e Life. Der elektrisch angetriebene Minivan mit hohem Dach ist hochgradig familien-, wenn auch nur eingeschränkt langstreckentauglich. 280 Kilometer Reichweite verspricht Opel, jetzt, zur kalten Jahreszeit, ließen sich nur rund 220 Kilometer aus dem 50-kWh-Akku kitzeln.

Eine Schönheit ist der Combo nicht. Er trägt seine Werte eher im Inneren, glänzt dort aber mit einem überaus erfreulichen Raumangebot auf allen Plätzen, die Kopffreiheit ist dank der stattlichen Höhe von 1,84 Meter mehr als üppig. Der Einstieg fällt wegen der weit öffnenden und nicht zu langen Türen vorne leicht, in den Fond gelangt man noch komfortabler, da beidseitige Schiebetüren auch auf knappem Parkraum den Weg hinein nicht behindern. Sie rasten nach dem Öffnen ein, um nicht versehentlich wieder zu schließen, wenn der Combo auf abschüssigem Terrain steht. Diese Rastung hätte allerings etwas weniger straff ausfallen dürfen, wer den Widerstand einhändig überwinden will, braucht einen trainierten Arm.

Die einzelnen Segmente der dreiteiligen Rückbank sind jeweils mit Isofix-Befestigungen versehen und lassen sich unabhängig voneinander nach vorne klappen, das gelingt in einem Schwung, wenn die Vordersitze für durchschnittliche große Fahrer eingestellt sind. Es entsteht eine weitgehend ebene Ladefläche, die durchaus für Sperrgut taugt. Oder eben Sportgerät. Denn um dieses zu transportieren, bietet der Combo auch als Elektriker und trotz der im Unterboden eingebauten Batterie reichlich Platz. Opel sieht ihn als passenden Begleiter in Alltag und Freizeit: Mit einem minimalen Ladevolumen von 597 Litern und einer Obergrenze von 2126 Litern kann das der 4,4 Meter lange Hochdachkombi mit Fug und Recht von sich behaupten. Besonders angenehm ist die niedrige Ladekante, sie liegt nur knapp 60 Zentimeter über dem Asphalt, Getränkekästen lassen sich fast barrierefrei in den Stauraum schieben.

Allerdings wird der Combo-e Life durch den elektrischen Antrieb zum Schwergewicht. Wenigstens 1664 Kilogramm bringt er auf die Waage, die zulässige Zuladung liegt bei 626 Kilogramm. Wer sie ausnutzt, ist mit immerhin fast 2,3 Tonnen unterwegs. Geringer fällt die Anhängelast aus, 750 Kilogramm darf der elektrische Combo auf den Haken nehmen. Das ist nicht all zu viel; für einen Anhänger, mit dem die Gartenabfälle abtransportiert werden sollen oder einen Trailer für ein leichtes Sportboot reicht es jedoch allemal. Außerdem eignet sich eine Anhängekupplung auch bestens für die Aufnahme eines Fahrradträgers.

Der Innenraum gefällt mit guter Verarbeitung und einer anständigen Materialzusammenstellung. Glatte Flächen und charmante Dekors schaffen eine durchaus wohnliche Atmosphäre. Ablagen gibt es in ausreichender Zahl, die Sitze bieten guten Komfort. Die Sonnenblenden sind aufgrund der großen Fläche der Frontscheibe eher üppig ausgefallen und lassen sich doch nicht bei jedem Sonnenstand wirksam einsetzen, irgendwo blendet immer ein kleiner Lichtstrahl. Das Cockpit liefert dennoch stets gut ablesbare Informationen. Sogar ein Head-up-Display ist auf Wunsch an Bord. Hier werden neben der Geschwindigkeit unter anderem die Reichweite und der aktuelle Energieeinsatz angezeigt. Letztere sind natürlich abhängig von der Fahrweise und vom gewählten der drei zur Verfügung stehenden Fahrmodi. Mit „Power“ sprintet der Elektrovan in 11,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, im normalen Modus ist er kaum langsamer. Erst im Eco-Programm werden die Unterschiede deutlicher, dann wird die Tempobegrenzung von 135 km/h auf 100 km/h zurückgenommen und der Klimakomfort eingeschränkt, um den Akku zu schonen.

Wie auch beim Corsa-e und Mokka-e leistet der vorne eingebaute Elektromotor 100 kW (136 PS) und gibt ein Spitzendrehmoment von 260 Newtonmetern ab. Da dieses aus dem Stand heraus bereitsteht, wird der Combo-e zumindest in der Stadt von kaum einem herkömmlich angetriebenen Fahrzeug abgehängt. Bis Tempo 50 wirkt der Opel sehr agil und munter, erst jenseits von 80 km/h gerät die Geschwindigkeitserhöhung ein wenig zäher. Wirksam für die Reichweite ist die Stellung „B“ der Automatik-Wahltasten, dann wird die höchstmögliche Rekuperation eingeschaltet. So lässt sich der Combo-e nahezu ohne den Einsatz der gerne bissig zupackenden Bremse bewegen, sofern der Chauffeur einen vorausschauenden Blick wirft. Nur um den Wagen auf den letzten Metern vor der Haltelinie zum Stehen zu bringen, muss der rechte Fuß das Pedal wechseln.

Die leichtgängige Lenkung stützt das Gefühl der Handlichkeit, die Karosserie ist überdies sehr übersichtlich, so dass Einparkvorgänge zur leichten Übung werden. Die erhöhte Sitzposition erlaubt obendrein eine formidable Aussicht aufs Verkehrsgeschehen. Die nächste Ladestation zu finden ist jedoch eher die Sache des Apple- und Android-tauglichen Infotainmentsystems. Denn wer den E-Van nicht nur zwischen Kita, Schule, Arbeitsplatz und Wohnung bewegt, wird öfter eine brauchen. Nach zwei Wochen Erfahrungen mit dem Elektro-Combo waren wir konditioniert wie der Besitzer eines in die Jahre gekommenen Smartphones. Sobald sich beim Verweilen eine Steckdose anbietet, gilt es, diese auch zu nutzen.

Beim Anschluss an eine 230-Volt-Verbindung dauert das Laden eine gefühlte Ewigkeit, sechs Kilometer Reichweite gewinnt der Akku dann in einer Stunde. Ist er völlig leer, würde der Vorgang Tage dauern. Eine Wallbox ist also zwingend erforderlich, sie bringt die Batterie in etwa fünf Stunden wieder auf Vordermann. Ganz fix geht es an einer Station mit 100 kW Leistung, hier wird der Akku in 30 Minuten auf 80 Prozent seiner Kapazität gebracht, um ihn zu 100 Prozent zu laden dauert es 70 Minuten.

Man kann den Combo-e Life auch als Siebensitzer bestellen, für die 4,4 Meter lange Version empfiehlt sich das wegen dann arger Raumnot und Verlust an Strauraum jedoch nicht unbedingt, hierfür taugt eher die rund 4,75 Meter lange XL-Variante, die den gleichen Radstand hat und ihr Wachstum aus einem längeren Überhang des Hecks bezieht. Sie ist 1700 Euro teurer und wird nur in Verbindung mit der gehobenen Ausstattungsversion Elegance für 42.400 Euro angeboten. Der Preis des Basismodells liegt bei 38.100 Euro, nach Abzug der Förderprämie sinkt er auf 28.530 Euro. Damit wird der Combo-e Life zur ersten Wahl für alle, die auf Elektromobilität sowie die Rettung des Weltklimas setzen und gleichzeitig ein pragmatisches Automobil suchen, das im Kurz- und Mittelstrecken-Alltag höchst funktional ist, und dem nur auf der langen Distanz gelegentlich die Puste ausgeht. (aum/mk)

Daten Opel Combo-e Life

Länge x Breite x Höhe (m): 4,4 x 1,92 x 1,84
Radstand (m): 2,79
Antrieb: Elektromotor, Frontantrieb, Automatikgetriebe
Leistung: 100 kW / 136 PS
Max. Drehmoment: 260 Nm bei 0 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 135 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 11,7 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 19,3 kWh
Batteriekapazität: 50 kWh
WLTP-Reichweite: 280 km
Effizienzklasse: A+
CO2-Emissionen: 0 g/km (WLTP)
Leergewicht / Zuladung: min. 1664 kg / max. 626 kg
Kofferraumvolumen: 597–2126 Liter
Max. Anhängelast: 750 kg
Basispreis: 38.100 Euro

Veröffentlicht am 25.11.2021

Marken & ModelleOpelComboPraxistestElektromobilitätOpel Combo-e Life


 
Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen, sowie kontaktiert zu werden.Mit (*) markierte Felder sind Pflichtfelder.