2020-04-05 10:01:00 Automobile

Ratgeber: So holen Sie Ihren Oldtimer aus dem Winterschlaf

Viele Liebhaber klassischer Fahrzeuge wecken in diesen Tagen ihren Oldtimer aus dem Winterschlaf. Damit die Saison keine bösen Überraschungen bereit hält, ist eine gründliche Fahrzeugvorbereitung das A und O. Sie dient der Zuverlässigkeit der Technik ebenso wie der Sicherheit. Die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) empfiehlt nach der Winterpause eine gründliche Prüfung des Wagens, von der Karosserie über den Motor bis hin zu den Reifen.

Die Experten aus der Classic-Abteilung der GTÜ befürworten den Klassikereinsatz im Straßenverkehr. Sie empfehlen allerdings, die Fahrweise an den Stand der damaligen Technik anzupassen. Bei Straßenlage oder Bremsverhalten und anderen Dingen unterscheiden sich Oldtimer oft wesentlich von modernen Fahrzeugen. Für manche historische Automobile sind daher nicht alle Straßen ideal. „Fahren mit den Fahrzeugen von damals auf den Straßen von damals“ – so lautet ein Leitsatz. Von Fahrten mit automobilen Veteranen auf vielspurigen Autobahnen ist eher abzuraten, nicht jedoch von einer Tour über Landstraßen.

Zur gewissenhaften Vorbereitung auf die Oldtimersaison gehört das vollständige Ausschöpfen des früheren technischen Standards des Klassikers, als er ein Neuwagen war. Dann ist man schon auf einem guten Niveau. Das gilt etwa für Reifen, diverse Öle oder die Bremsen. Alexander Schechinger, Referent bei GTÜ-Classic, rät zu einem behutsamen Einfahren der alten Motoren nach der Winterpause, bevor ihnen die volle Leistung abverlangt wird.

Auch wenn auf den Straßen weniger Salz gestreut wird als in früheren Jahren und die Rostvorsorge der Fahrzeuge zunehmend besser wurde: Streusalz kann Korrosion fördern. Bei einem Ganzjahresbetrieb wird mitunter empfohlen, Salzrückstände nach jeder Fahrt über winterliche Straßen mit dem Dampfstrahler zu beseitigen. Eine Garantie gegen Korrosion ist das nicht. Manchmal drückt der Dampfstrahl Salzreste tief in Hohlräume und Ritzen und richtet dann erst recht Unheil an.

Zumindest bei rostempfindlichen Oldtimern, und das sind fast alle, hält es Schechinger für sinnvoll, sie erst zu nutzen, wenn die Straßen komplett salzfrei sind. Nach ein oder zwei kräftigen Frühjahrsregengüssen sollte das der Fall sein. Wenn Rost auftaucht, lohnt rasches Handeln. Autos korrodieren von innen nach außen. Wer beim Frühjahrscheck kleine Bläschen auf dem Lack erkennt und sofort eingreift, kann den Schaden oft noch mit überschaubarem Aufwand beseitigen, bevor er ein größeres Ausmaß annimmt.

Das Motoröl sollte nach dem Winter und nicht vor der Fahrt ins Winterlager erneuert werden. Während der Standzeit können sich Zusatzstoffe des Öls in der Ölwanne ablagern. Dadurch nimmt die Schmierfähigkeit des Öls ab. Empfohlen wird auch, die Bremsflüssigkeit unabhängig von der Kilometerleistung alle zwei Jahre zu wechseln. So wird vermieden, dass alternde Bremsflüssigkeit Wasser aufnimmt, das sich bei starkem Bremsen erhitzt. Die Folge sind Dampfblasen, die die Bremsleistung schlagartig reduzieren können.

Angesichts der moderaten Kilometerleistungen vieler Klassiker erfüllt die Profiltiefe der Reifen oft auch noch nach vielen Jahren alle gesetzlichen Vorschriften. Die Weichmacher im Gummi jedoch diffundieren mit der Zeit aus. In der Folge werden die Reifen härter und verlieren an Haftung. Selbst wenn es keine eindeutigen Vorgaben gibt, sollten Reifen daher spätestens nach zehn Jahren ausgetauscht werden. Vor der ersten Ausfahrt mit dem Oldtimer ist das Prüfen des Luftdrucks, das ohnehin regelmäßig selbstverständlich sein sollte, oftmals besonders bedeutsam. Denn viele Besitzer haben ihn vor dem Abstellen des Klassikers im Herbst deutlich erhöht, um Standschäden der Reifen zu vermeiden.

Unter www.gtue-classic.de sind verschiedene Ratgeber und Checklisten für Oldtimer, ältere Caravans, Pkw oder auch historische Motorräder zu finden. Rund 130 Sachverständigenbüros und Prüfstellen sind mittlerweile zusätzlich GTÜ-Classic-Partner. Neben der Hauptuntersuchung bieten sie beispielsweise Wertgutachten sowie Gutachten für das H-Kennzeichen an. Zudem verfügt die Stuttgarter Sachverständigen- und Prüforganisation über ein umfangreiches Fahrzeugarchiv mit Oldtimer-Datenbank. (ampnet/jri)

Veröffentlicht am 05.04.2020

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Fotos: Auto-Medienportal.Net/GTÜ
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